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Eliteserien | 8. Spieltag | 12.07.26 | Stromsgodset FF - Viking FK 0:4 Schon nach elf Minuten nahm das Unheil seinen Lauf. Hermann Zimmermann, der flinke Linksaußen mit dem Dauerlächeln eines Mannes, der genau weiß, was er tut, vollendete eine butterweiche Vorlage von Andrej Anissin zum 0:1. "Ich hab ihn einfach laufen lassen", stöhnte Verteidiger Orkut Tandogan später. "Ich dachte, er dribbelt sich fest - tja, dachte ich." Stromsgodset versuchte danach, Ordnung ins Chaos zu bringen, doch Viking war zu bissig, zu schnell, zu präzise. In der 23. Minute legte der 18-jährige Lubos Jablonsky nach - sein erster Treffer in der Eliteserien, vorbereitet von Frederic Burton. "Ich hab gar nicht groß nachgedacht, einfach draufgehalten", grinste Jablonsky nach der Partie, während Trainer Markus Frey ihn väterlich tätschelte: "Er soll ruhig weiter nicht nachdenken - das funktioniert ja." Zur Pause stand es 0:2, und das Publikum war hörbar unzufrieden. Einige Fans pfiffen, andere bestellten sich demonstrativ weitere Hot Dogs. Trainer der Gastgeber - der namentlich nicht genannt werden wollte, wohl aus Selbstschutz - gestikulierte wild an der Seitenlinie, während sich die Gäste auf der Bank entspannt zurücklehnten. Die zweite Hälfte begann, wie die erste aufgehört hatte: Viking im Vorwärtsgang, Stromsgodset im Rückwärtslauf. Zwar hatten die Hausherren mit 50,0 Prozent die Oberhand im Ballbesitz, doch die Gäste feuerten aus allen Rohren - ganze 20 Torschüsse gegenüber mageren fünf der Heimelf. Torwart Gunnar Herlovsen tat, was er konnte, aber irgendwann geht selbst dem tapfersten Keeper die Lust am Fliegen verloren. Kurzzeitig flammte Hoffnung auf, als der junge Tore Hoiland in der 50. und 75. Minute zu zwei gefährlichen Abschlüssen kam. Doch Vikings Keeper Salvador Berjon, der Mann mit den Katzenreflexen, hielt alles, was auf ihn zuflog. "Ich hab einfach Spaß am Fangen", meinte er nach dem Spiel lachend, als wäre das hier Freizeitkicken im Park. Dann kam die 86. Minute, und wieder war es dieser Zimmermann. Erneut glänzte Anissin als Vorbereiter, wieder rauschte der Ball ins Netz. 0:3, und die letzten Stromsgodset-Fans rollten das Transparent mit der Aufschrift "Heia Stromsgodset!" ein. In der Nachspielzeit setzte Milan Kozacik mit dem 0:4 den Schlusspunkt - natürlich auf Vorlage von, richtig geraten, Anissin, der an diesem Abend drei Assists verbuchte und dabei wirkte, als spiele er gegen eine Jugendmannschaft. Ein kleiner Schreckmoment ereignete sich in der 60. Minute, als Vikings Linksverteidiger Marcio Henrique verletzt vom Platz musste. Doch Trainer Frey blieb gelassen: "Bruno Frechaut ist reingekommen, und der hat mehr Erfahrung als mein Vater Geduld hat." Tatsächlich stabilisierte der Portugiese die Abwehr weiter, während vorne weiter munter kombiniert wurde. Nach Abpfiff zeigte sich Frey zufrieden, aber nicht überschwänglich. "Ein gutes Spiel, ja, aber wir können noch besser. Wir haben noch gar nicht richtig gepresst", meinte er mit einem Augenzwinkern. Sein Gegenüber dagegen sprach von einer "Lehrstunde in Effizienz". Man konnte ihm nicht widersprechen. Statistisch war es eine klare Sache: 20:5 Torschüsse für Viking, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe, nahezu perfekte Passquote. Stromsgodset dagegen wirkte, als sei man am falschen Ort zur falschen Zeit. Selbst die Flanken fanden selten einen Abnehmer, und in der Offensive fehlte jede Idee. Als die Lichter im Stadion langsam ausgingen, blieb das Gefühl, dass sich hier zwei Mannschaften in völlig unterschiedlichen Etappen ihrer Entwicklung begegneten. Viking FK, jung, dynamisch, taktisch reif - und Stromsgodset, das tapfer kämpft, aber derzeit nur hinterherrennt. "Wir haben einfach Spaß am Fußball", sagte Doppeltorschütze Zimmermann zum Abschied, während er sich den Schweiß von der Stirn wischte. "Und solange das so bleibt, wird’s für die anderen schwer." Ein Satz, der an diesem Abend wie eine Warnung klang. Denn wer Viking FK so spielen sieht, hat das Gefühl: Hier formt sich ein Team, das nicht nur Spiele, sondern auch Herzen erobern kann - vorausgesetzt, man steht nicht im falschen Trikot auf dem Platz. 12.07.2026 21:10 |
Sprücheklopfer
Es war ein wunderschöner Augenblick, als der Bundestrainer sagte: 'Komm Steffen, zieh deine Sachen aus, jetzt geht's los.'
Steffen Freund