Dagbladet
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Vikings junge Wilde zerlegen Roa IL - 4:2-Sieg mit Sturm und Drang

Eliteserien | 15. Spieltag | 19.07.26 | Roa IL - Viking FK 2:4

Wenn Fußball ein Theaterstück wäre, hätte Roa IL am Sonntagabend vor 12.500 Zuschauern den Part des tragischen Helden übernommen - mutig, dominant, aber am Ende von jugendlicher Unbekümmertheit zerlegt. Viking FK, diese aufmüpfige Truppe aus Stavanger, entführte mit einem 4:2-Sieg beim 15. Spieltag der Eliteserien drei Punkte und eine Menge Applaus.

Dabei hatte alles so verheißungsvoll für die Hausherren begonnen. 58 Prozent Ballbesitz, das Publikum lautstark, Trainer Markus Frey (Viking) noch vor dem Anpfiff mit skeptischem Blick an der Seitenlinie. "Ich wusste, dass es ein heißer Tanz wird - Roa spielt daheim, als hätten sie den Platz gepachtet", sagte er später. Doch seine Sorgen hielten genau 31 Minuten. Dann begann die Show der blutjungen Vikings.

In Minute 32 spazierte der 18-jährige Benjamin Huxley durch Roas Defensive, als wäre sie ein IKEA-Ausstellungsstück, und schob eiskalt ein - Vorlage von Albert Rodriguez, der in diesen Szenen so unauffällig klug agierte, dass man ihn glatt für einen Schachspieler halten konnte. Nur sieben Minuten später legte Diego Barbosa nach (39.), nach feiner Vorarbeit von Andrej Anissin. 0:2 zur Pause - und im Stadion herrschte betretenes Schweigen, nur unterbrochen vom nervösen Rascheln der Papierfahnen.

"Wir waren zu nett", knurrte Roas Kapitän Martin Hareide später. "Die haben uns ausgekontert, als wären wir in der Bezirksliga." Tatsächlich: Viking hatte nur 42 Prozent Ballbesitz, aber 18 Torschüsse. Roa? Ganze sechs. Zahlen, die sich lesen wie ein Krimi mit bekanntem Täter.

Nach dem Seitenwechsel brachte Frey frisches Blut - unter anderem den 18-jährigen Lubos Jablonsky, der prompt zum Mann des Abends wurde. In der 52. Minute vollendete er zum 0:3, wieder nach Pass von Anissin. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste der junge Slowake nach dem Spiel, "aber dann war der Ball halt drin."

Roa bäumte sich auf, angepeitscht von einem Publikum, das sich endlich an die Trommeln erinnerte. Zbigniew Lubanski, 33, alter Haudegen mit Schuss wie ein Presslufthammer, verkürzte in der 60. Minute nach schöner Vorlage von Jan Nevland auf 1:3. Kurz keimte Hoffnung auf - drei Minuten lang, um genau zu sein. Dann tauchte erneut Jablonsky auf, flankiert von Rodriguez, und nagelte den Ball zum 1:4 in die Maschen (63.).

Der Rest war Ergebniskosmetik. Hareide selbst traf in der 71. Minute zum 2:4 - ausgerechnet er, der später die Gelbe Karte sah (94.) und sich beim Schiedsrichter beschwerte: "Ich wollte nur wissen, wie spät es ist." Der Referee blieb unbeeindruckt.

Viking verlor kurz darauf Ilie Ghionea verletzt, doch selbst das brachte die Gäste nicht aus dem Tritt. Ihre taktische Marschroute - offensiv, schnell über die Flügel, aggressiv im Zweikampf - blieb bis zum Schluss erkennbar. Frey hatte sein Team nach der Pause auf Konter umgestellt, ein Schachzug, der Roa endgültig den Zahn zog.

"Wir wollten sie laufen lassen, bis sie müde werden", erklärte Frey mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Zufriedenheit und Schadenfreude lag. "Dann kam der Rest von allein."

Auf der anderen Seite stand Roa-Trainer (dessen Name die Vereinsleitung offenbar lieber geheim hält) mit hängenden Schultern und seufzte: "Unsere Statistik ist schön, aber Tore zählen nun mal mehr als Prozent."

Viking FK erlebte an diesem Abend die Geburtsstunde eines neuen Trios: Huxley, Jablonsky und Rodriguez - alle Anfang 20 oder jünger, alle mit einem Gespür für Räume, das man eigentlich erst nach zehn Jahren Profifußball entwickelt. "Die Jungs hören nicht auf mich, sie spielen einfach", sagte Frey augenzwinkernd. "Vielleicht ist das ihr Erfolgsgeheimnis."

Roa IL dagegen bleibt der bittere Nachgeschmack, ein Spiel dominiert, aber doch verloren zu haben. 58 Prozent Ballbesitz, aber kein Zugriff auf die Dynamik der Gegner. Ihr Torwart Tommy Frigard hielt, was zu halten war - und sah beim vierten Gegentor doch aus, als hätte er kurz überlegt, den Ball einfach durchzuwinken.

Am Ende applaudierte das Publikum trotzdem. Für den Einsatz, für Lubanskis Ehrgeiz, für ein Spiel, das trotz Niederlage Spaß machte. Und vielleicht auch, weil man wusste: Gegen diese jungen Wilden kann man verlieren.

Ein Zuschauer fasste es beim Hinausgehen treffend zusammen: "Die sind jung, schnell und frech - wie TikTok in Fußballform." Und so verließ Viking FK das Stadion mit breitem Grinsen, drei Punkten und der Erkenntnis, dass Erfahrung manchmal einfach überschätzt wird.

Roa IL dagegen hat nun eine Woche Zeit, um über Ballbesitzphilosophie und Torabschluss zu meditieren. Vielleicht hilft’s. Falls nicht, kann man immer noch hoffen, dass Lubanski auch nächste Woche wieder einen trifft - zur Abwechslung vielleicht mal in der ersten Halbzeit.

19.07.2026 21:51
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Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich die Aufstellung geändert.
Berti Vogts zu der Feststellung, er hätte mit der Wunschelf von Paul Breitner gespielt
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