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Ein lauer Januarabend, 19 Uhr, Flutlicht, 42 390 Zuschauer - und ein Rückspiel, das in die Vereinschronik des SC Villarreal eingehen dürfte. Mit 2:1 (0:1) besiegten die Gelben unter Coach Heung‑Min Son den italienischen Vertreter Doria Genua und zogen nach zähem Kampf in die nächste Runde der Conference‑League‑Qualifikation ein. Es war ein Spiel, das alles bot: frühes Zittern, späte Ekstase und einen italienischen Linksverteidiger, der offenbar vergessen hatte, dass Gelb‑Rot kein Modeaccessoire ist. Genua begann forsch, beinahe übermütig. Schon nach einer Minute prüfte Teemu Vuorinen Villarreal‑Keeper Thomas Christensen mit einem Distanzschuss, als wolle er sagen: "Ich bin wach, seid ihr’s auch?" Die Antwort kam in Form von verschlafenen Abwehrreihen und hektischen Pässen. In der 25. Minute nutzte Duarte Allegri genau diese Unsicherheit. Nach feinem Zuspiel von Marek Skrtel - ja, genau der, der sonst hinten die Knochen hinhält - schlenzte Allegri den Ball ins lange Eck. 0:1. Genuas Bank jubelte, Trainer Gurkennose Gurk riss die Arme hoch und sah dabei aus, als hätte er endlich das Rätsel des italienischen Offensivfußballs gelöst. Villarreal wirkte geschockt, aber nicht besiegt. "In der Kabine hat der Coach nur gesagt: ’Wir haben 45 Minuten Zeit, um wieder Fußball zu spielen’", verriet später Rechtsverteidiger Iban Castro mit einem Grinsen. Und genau er war es, der die Worte in Taten verwandelte. Nach 57 Minuten, nach einem kraftvollen Antritt von Joao Makukula über links, zog Castro aus vollem Lauf ab - der Ball zischte unter die Latte, Keeper Alfie Kerr streckte sich vergeblich. 1:1. Das Stadion stand Kopf, und irgendwo zwischen Tribüne C und der VIP‑Lounge flogen die ersten Plastikbecher. Ab da war es ein Spiel auf ein Tor. Villarreal dominierte mit 59 Prozent Ballbesitz und neun Torschüssen, während Genua, sonst so charmant destruktiv, zunehmend nervös wurde. Allegri, zuvor Genuas Held, wirkte plötzlich wie in einem anderen Film: Fehlpässe, Frustgesten, und schließlich in der 83. Minute die Auswechslung - Coach Gurk reagierte mit einem Gesichtsausdruck, der irgendwo zwischen Operndrama und Zahnarzttermin lag. In der 81. Minute fiel dann der Moment, der den Abend unsterblich machte. Pal Kubala flankte von rechts, der Ball segelte über alle hinweg - und am langen Pfosten stand Marc Da Cru, der sich in die Flanke warf, als hinge sein Leben davon ab. Der Ball landete im Netz, 2:1. "Ich hab einfach gehofft, dass mich keiner trifft", lachte Da Cru später, "und dass der Ball wenigstens trifft." Die letzten Minuten waren ein einziges Nervenballett. Doria Genua rannte an, schoss aus allen Lagen (in Summe 11 Versuche) und verlor dabei nicht nur die Geduld, sondern auch Vuorinen. Der Finne, schon verwarnt, rauschte in der 92. Minute mit gestrecktem Bein in Munoz - Gelb‑Rot, Feierabend. "Ich wollte nur den Ball treffen", sagte er nach dem Spiel zerknirscht, "aber der Ball wollte anscheinend nicht." Trainer Son blieb auch nach dem Schlusspfiff ruhig, fast philosophisch: "Wir wollten Geduld, wir bekamen Drama. Aber am Ende zählt nur, dass wir weiter sind." Sein Gegenüber Gurk hingegen hatte Mühe, die Contenance zu wahren: "Wir waren die bessere Mannschaft - bis zur 56. Minute", knurrte er, "danach spielte Villarreal mit zwei Flügeln und wir mit angezogener Handbremse." Statistisch gesehen war es ein Spiel der Kontraste: Villarreal mit mehr Ballbesitz und Struktur, Genua mit mehr Torschüssen, aber weniger Zielwasser. Die Tackling‑Quote sprach mit knapp 52 Prozent für die Gäste - ein schwacher Trost für ein Team, das am Ende vor allem mit sich selbst kämpfte. Als das Flutlicht erlosch und die Zuschauer langsam Richtung Ausgang trotteten, summte ein Fan auf der Tribüne leise: "So ein Spiel vergisst man nicht." Und Recht hatte er. Villarreal hat an diesem Abend nicht nur ein 0:1 gedreht - sondern gezeigt, dass Leidenschaft manchmal die beste Taktik ist. Oder, wie es Iban Castro später trocken formulierte: "Manchmal reicht ein beherzter Schuss - und ein bisschen Glück, dass der Ball diesmal nicht auf dem Parkplatz landet." 06.03.643987 04:32 |
Sprücheklopfer
Wenn ich natürlich bei meinen Sechs-Minuten-Einsätzen bis zur Winterpause 30 Tore schieße, werde ich vielleicht nicht gehen dürfen.
Jan-Aage Fjörtoft