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Es gibt Fußballabende, an denen Statistik und Realität zwei verschiedene Sportarten zu sein scheinen. Der 7. Spieltag der 1. Liga Irland bot in Waterford genau so ein Schauspiel: Die "Reds" schossen aufs Tor, als gäbe es Prämien pro Abschluss, hielten den Ball über weite Strecken in ihren Reihen - und verloren trotzdem mit 1:2 gegen clevere Gäste aus Longford, die mit fünf Torschüssen zwei Mal trafen und den Rest des Abends damit verbrachten, sich gegenseitig auf die Schulter zu klopfen. Schon nach elf Minuten wurde den 43.500 Zuschauern klar, dass Effizienz ein hässliches, aber mächtiges Wort ist. Longfords Linksaußen Szilard Durica nahm einen Pass von Tyler Chamberlain auf, ließ Waterfords Innenverteidiger Hardin so alt aussehen wie die Flutlichtanlage und schob eiskalt zum 0:1 ein. Die Reds-Fans schwiegen kurz - aber nur kurz. Denn acht Minuten später kam die Antwort: Benjamin McGeady, der wohl unermüdlichste Mann des Abends, staubte nach einer Ecke von Alexander Hardin zum 1:1 ab. Das Stadion tobte, Trainer Costa Brava riss die Arme hoch, und selbst der Linienrichter schien kurz mitzujubeln. Was folgte, war ein rotes Dauerfeuer. Billy Baker prüfte den Gästekeeper Edoardo Villapiana schon in der ersten Minute und dann gleich noch einmal nach sechs Minuten. Jake Long versuchte es über links, McGeady aus allen Lagen, und als Rhys Nolan in der 79. Minute aus 30 Metern abzog, hörte man die Latte noch in Cork nachdröhnen. Am Ende standen 14 Torschüsse und 54 Prozent Ballbesitz für Waterford - und ein frustrierter Costa Brava, der nach dem Spiel mit einem schiefen Lächeln sagte: "Wenn Ballbesitz Tore wären, hätten wir 5:2 gewonnen. Leider zählt das Ding zwischen den Pfosten." Longford hatte in der zweiten Halbzeit andere Pläne. Gleich nach Wiederbeginn, in Minute 51, sorgte Fernando Antonio für die kalte Dusche: Nach einem blitzsauberen Querpass von Durica schob der Mittelstürmer überlegt ins lange Eck - 1:2. Eine Minute später musste Longford jedoch einen Rückschlag hinnehmen: Rechtsverteidiger Jamie O’Halloran sah nach einem übermotivierten Einsteigen glatt Rot. "Ich wollte nur den Ball treffen", erklärte O’Halloran später mit einem Grinsen, "aber der Ball war eben schneller als ich." Trotz Unterzahl verteidigten die Gäste dann mit einer Mischung aus Disziplin, Glück und, wie Trainer Philipp Dev später zugab, "purem Überlebensinstinkt". Der Coach, ohnehin ein Meister der trockenen Kommentare, sagte nach Abpfiff: "Wir haben heute gezeigt, dass man auch mit weniger Ballbesitz, weniger Chancen und weniger Spielern mehr Tore haben kann. Mathematik war nie meine Stärke, aber ich mag das Ergebnis." Waterford drückte, kombinierte, wechselte offensiv - Thomas Vetter kam zur Halbzeit für den gelbverwarnten Jake Long, Riley Reid ersetzte McGeady in der 81. Minute - doch das Tor schien wie vernagelt. Villapiana im Longford-Kasten wuchs über sich hinaus, rettete in der Schlussphase zweimal spektakulär und wurde vom eigenen Kapitän Nicolas Morin als "unser zehntes Feldtalent" bezeichnet. Morin selbst, mit Gelb in der 88. Minute verwarnt, nahm’s gelassen: "Wenn du 40 Minuten in Unterzahl verteidigst, musst du irgendwann mal dazwischenhauen." In den letzten Minuten stand Waterford praktisch im Dauer-Pressing, die Taktiktafel zeigte OFFENSIVE, Pressing YES - die Realität aber blieb bitter. Baker scheiterte in der 89. Minute noch einmal, und als Schiedsrichter O’Shea schließlich abpfiff, lagen die Reds erschöpft im Rasen, während die Gäste jubelnd Richtung Auswärtsblock stürmten. "Das war ein ungerechtes Ergebnis", knurrte Waterfords Mittelfeldmotor Rutger Hogarth in der Mixed Zone. "Aber Fußball ist kein Schönheitswettbewerb - sonst wären wir heute Miss Universe geworden." So blieb es beim 1:2, einem Sieg, der Longford in der Tabelle klettern lässt und Waterford mit leeren Händen, aber stolzer Statistik zurücklässt. Costa Brava versprach, man werde "weiter mutig spielen, aber vielleicht das Tor etwas größer malen". Und irgendwo in der Kabine der Gäste soll man noch lange gelacht haben, als jemand rief: "Fünf Schüsse, zwei Tore - warum mehr riskieren?" Vielleicht hatte er recht. Fußball ist manchmal eben kein Spiel der Logik, sondern der Frechheit. Und an diesem Abend war Longford United frecher. 29.03.643987 13:52 |
Sprücheklopfer
Jeremies hat in alter Manier um sich geschlagen.
Rainer Bonhof zu den Trainingseindrücken des während der WM 98 angeschlagenen Jens Jeremies