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Weiche Flensburg zerlegt Göttingen - Vierfacher Jubel im hohen Norden

Flensburg, 14. Mai 2026 - 20:15 Uhr, Verbandsliga D, 22. Spieltag. Der Abend war kühl, aber was Weiche Flensburg auf dem Rasen bot, war heißer als jedes Stadionbier. 2553 Zuschauer sahen eine Mannschaft, die von der ersten Minute an keinen Zweifel ließ, wer hier das Sagen hat. SCW Göttingen bekam kaum Luft zum Atmen - und wenn doch, dann nur, um den nächsten Angriff der Flensburger zu bestaunen.

Schon nach zwölf Minuten brandete der erste Jubel auf: André Roth, der quirlige Linksaußen, zog nach feinem Zuspiel von Janis Schüler einfach mal ab - 1:0. "Ich hab gar nicht groß nachgedacht", grinste Roth später in die Mikrofone. "Wenn du so einen Ball bekommst, dann musst du einfach draufhalten. War ja auch Zeit, dass mal wieder einer reingeht."

Sieben Minuten später das nächste Highlight: Lucas Mertens, eigentlich Linksverteidiger, aber offenbar mit innerem Stürmerherz, rauschte nach vorne, bekam den Ball von Patrick Hammer und zimmerte ihn trocken zum 2:0 in die Maschen. Das Publikum tobte, die Göttinger Verteidigung sah sich ratlos an. "Da haben wir wohl kurz vergessen, dass er auch schießen kann", murmelte SCW-Kapitän Yannick Horn nach dem Spiel, halb im Spaß, halb im Schmerz.

Zur Pause war die Partie im Grunde schon entschieden. Flensburg hatte 59 Prozent Ballbesitz, 11 Torschüsse und so viel Spielfreude, dass man meinen konnte, sie hätten das Tor der Gäste auf Dauerpacht. Göttingen dagegen kam auf ganze drei Schüsse aufs Tor - die meisten davon eher freundliche Grüße an Keeper Ronald Brand.

In der zweiten Halbzeit hätte Göttingen theoretisch "offensiv" spielen sollen - laut Taktikbogen jedenfalls. Praktisch aber wirkte es, als hätten sie den Offensivschalter verlegt. Flensburg dagegen blieb angenehm ausgeglichen, ruhig im Aufbau, sicher im Passspiel, und irgendwann kam, was kommen musste: das 3:0.

In der 67. Minute war es Joel Henning, der nach einer butterweichen Flanke von - natürlich - Janis Schüler per Direktabnahme traf. "Ich hab Janis nur zugerufen: Mach ihn schön!", erzählte Henning lachend. "Und er hat’s gemacht. Ich musste nur noch den Fuß hinhalten."

Als wäre das noch nicht genug, setzte Lukas Buchholz in der 79. Minute den Schlusspunkt. Nach starkem Solo von André Roth drückte Buchholz den Ball über die Linie - 4:0. Göttingens Torwart Paul Hafner war chancenlos und hatte zu diesem Zeitpunkt vermutlich schon jede Hoffnung auf einen ruhigen Abend aufgegeben.

Nur eine Szene sorgte kurz für Farbe im Spiel der Gäste: In der 78. Minute sah Hans Vollmer die Gelbe Karte, nachdem er Roth etwas zu deutlich zeigte, dass man in Göttingen durchaus Körperkontakt kennt. "War nix Wildes", sagte Vollmer danach, "aber er hat halt geschickt geschrien." Roth grinste nur und meinte: "Ich hab halt eine gute Stimme."

Statistisch war’s eine klare Sache: 18 Torschüsse für Flensburg, 3 für Göttingen. 58,8 Prozent Ballbesitz zu 41,2. Tacklingquote? 57 zu 43 Prozent. Es war, als hätten die Nordlichter alles im Griff - Ball, Gegner und Publikum.

Trainerstimmen? Flensburgs Coach, dessen Name man sich merken sollte, fasste es trocken zusammen: "Wir haben das gespielt, was wir können: klar, zielstrebig, keine Show, einfach Tore." Göttingens Trainer hingegen suchte die Worte: "Wir wollten offensiv sein, aber anscheinend war das nur auf dem Papier so. Vielleicht klebt noch der Bus am Gaspedal."

Lobenswert war aber eins: Göttingen gab sich bis zum Schluss nicht auf. In der 88. Minute versuchte Joschua Scholz noch einmal sein Glück, sein Schuss war jedoch mehr eine freundliche Erinnerung an Keeper Brand, dass er noch wach bleiben sollte.

Nach Abpfiff tanzten die Flensburger ausgelassen vor der Kurve. "So ein Spiel", meinte Buchholz, "macht einfach Spaß. Da stimmt alles - Wetter, Fans, Tore. Nur das Bier war zu kalt."

Und so ging ein Abend zu Ende, an dem Weiche Flensburg nicht nur drei Punkte, sondern auch eine Menge Selbstvertrauen einsammelte. Göttingen dagegen wird sich wohl fragen, wie man "offensiv" buchstabiert, wenn der Gegner den Ball einfach nicht hergibt.

Ein augenzwinkerndes Fazit: Wenn Fußball so einfach wäre wie Flensburg ihn an diesem Abend aussehen ließ, müsste man Eintritt zahlen, nur um zuzuschauen, wie sie aufwärmen. 4:0 - ein Ergebnis, das so glatt war, dass selbst der Nordwind Beifall pfiff.

20.02.644000 05:01
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Als ich zuletzt Sergio in Eurosport gesehen habe, dachte ich mir auch nur: Das kann er nicht sein, da muss sich einer maskiert haben.
Rainer Calmund
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