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Das Flutlicht über dem kleinen Stadion in Weiler im Allgäu war noch gar nicht richtig warmgelaufen, da hatten die 14.497 Zuschauer schon das Gefühl, hier könne etwas gehen. Und tatsächlich: Es ging. Zwar nicht immer schön, manchmal etwas holprig, aber am Ende mit dem gewünschten Ergebnis: Weiler im Allgäu schlägt Wismut Aue mit 2:1 (2:0) - ein Ergebnis, das in seiner Nüchternheit den Kampfgeist dieses Abends nur unzureichend ausdrückt. Schon die Anfangsphase ließ keinen Zweifel, wer hier das Kommando übernehmen wollte. Trainer Mino Raiola - mit verschränkten Armen an der Seitenlinie, als wolle er persönlich den Ball nach vorne hypnotisieren - hatte sein Team offensiv eingestellt. Und das zahlte sich früh aus. In der 11. Minute zog der erst 20-jährige Diego Morte von links in die Mitte, bekam den Ball von Innenverteidiger Damian Rueda serviert und schlenzte ihn sehenswert ins lange Eck. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste der Mann des Moments später mit einem Augenzwinkern. "Aber wenn er so reingeht, sag ich natürlich nicht nein." Aue dagegen, von Trainer Thomas Freitag gewohnt pragmatisch auf Defensive getrimmt, brauchte eine Weile, um überhaupt in die Nähe des gegnerischen Strafraums zu kommen. Zwar gehörte den Sachsen am Ende mit 54 Prozent der Ballbesitz, doch Weiler hatte etwas, das man in den Tabellen nicht messen kann: Biss. Und Nick Scherer. Der Mittelfeldmotor fasste sich in der 23. Minute ein Herz, zog aus 20 Metern ab - und traf mit einem satten Schuss ins rechte Eck. 2:0. Vorlagegeber Robin Born hob nach dem Treffer die Arme, als wolle er sagen: "Ich hab’s dir doch gesagt, schieß einfach!" "Das war eine Phase, in der wir zu passiv waren", knurrte Aues Trainer Freitag später. "Wir standen hinten wie eine Gruppe, die auf den Bus wartet - nur dass der Ball nie kam." Nach dem Seitenwechsel schien Weiler mit dem Ergebnis erst einmal zufrieden. Aue erhöhte den Druck, trat nun mutiger auf, und prompt gelang ihnen der Anschlusstreffer: In der 53. Minute kombinierte sich Sergio Enrico durch die Mitte, legte quer auf Karl Dahlstrom - und der hämmerte den Ball unhaltbar unter die Latte. 2:1, und plötzlich war wieder Leben in der Bude. "Da dachte ich kurz: Jetzt kippt das Ding", gab Weilers Kapitän Robin Born später zu. "Aber dann sah ich Mino an der Seitenlinie und wusste: Der bringt uns im Zweifel alle selbst ins Pressing." Raiola reagierte prompt: Dreifachwechsel in der 60. Minute. Frische Beine, frische Nerven: Heinrich Foerster, Tomasz Stoll und Asen Todorow kamen. Der Trainer erklärte später süffisant: "Ich wollte den Jungs nur zeigen, dass sie auch in der zweiten Halbzeit noch laufen dürfen." In der Schlussphase wurde’s dann ruppig. Oliver Breadalbane und Eilert Olsson holten sich innerhalb von zwei Minuten Gelb - "Erziehungskarten", wie Raiola sie nannte. Auf der anderen Seite sah Aues Abwehrchef Roberto La Rosa Gelb, nachdem er Michael Siebert einmal zu enthusiastisch am Trikot festhielt. "Ich wollte nur wissen, aus welchem Stoff das ist", witzelte La Rosa später, als er schon geduscht war. Siebert selbst, der auffälligste Mann im zweiten Durchgang, hatte gleich mehrere Gelegenheiten, das Spiel frühzeitig zu entscheiden. In den Minuten 62, 83 und 91 prüfte er den Auer Torwart Tom De Bilde, der sich allerdings in Galaform präsentierte. "Der Typ hat mir heute Albträume beschert", meinte Siebert lachend. Statistisch gesehen war’s ein offenes Duell: 14:8 Torschüsse für Weiler, aber mehr Ballbesitz für Aue. Die Gastgeber gewannen allerdings 53 Prozent ihrer Zweikämpfe - ein Wert, der zu diesem kämpferischen Abend passt. Nach dem Schlusspfiff atmete das Allgäuer Publikum auf. Trainer Raiola herzte seine Spieler, während Aues Coach Freitag mit verschränkten Armen in den Nachthimmel blickte. "Wir haben heute zu spät angefangen, Fußball zu spielen", sagte er. "Weiler war galliger - und im Allgäu gibt’s eben nicht nur Käse, sondern auch Biss." Derweil feierten die Fans der Gastgeber noch lange auf den Rängen. Einer rief: "Mino for Kanzler!", worauf der Trainer nur grinste und meinte: "Ich bleib lieber beim Fußball - da kann ich wenigstens wechseln." Ein Arbeitssieg also. Nicht glanzvoll, aber ehrlich. Und in der 3. Liga zählt das mehr als jedes taktische Lehrbuch. Oder, wie Nick Scherer es formulierte, während er sich seine Schuhe auszog: "Schön spielen kann jeder. Aber schön gewinnen - das ist die Kunst." 23.06.643997 00:16 |
Sprücheklopfer
Die befinden sich nicht im Abstiegskampf, die steigen ab!
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