Anpfiff
+++ Sportzeitung für Deutschland +++

Weiler im Allgäu dreht das Spiel - und die Liga auf links

Wenn im Allgäu Flutlicht brennt, dann wird nicht nur Käse gereift, sondern Fußballgeschichte geschrieben - zumindest an diesem 29. Spieltag der 3. Liga Deutschland (2. Div). Vor 16.291 lautstarken Zuschauern im Weiler-Stadion besiegte Weiler im Allgäu den TSV Rain mit 3:2 (0:0) und sorgte damit für ein Spiel, das zwischen Chaos, Kaltblütigkeit und Käseduft alles bot, was man an einem Donnerstagabend braucht.

Dabei fing alles recht harmlos an. In der ersten Halbzeit passierte - nun ja - erstaunlich wenig. Weiler hatte zwar mehr vom Spiel (15:8 Torschüsse über 90 Minuten deuten es schon an), aber der Ball wollte einfach nicht ins Tor. Tomasz Stoll, der 18-jährige Hoffnungsträger im Sturm, hatte in der 22. und 33. Minute zwei gute Szenen, verzog aber jeweils knapp. "Ich hab den Ball so gut getroffen wie bei FIFA, nur leider ohne Controller", grinste der Youngster später.

TSV Rain lauerte - wie es sich für eine Mannschaft gehört, deren Trainer Patrick Müller "ausgeglichenes Angriffsspiel" auf den Matchplan geschrieben hatte - auf Konter. Connor Irwin, der flinken Flügeln mehr vertraut als dem eigenen Schatten, prüfte Weilers Keeper Hanns Peter in der 16. und 41. Minute - doch der 18-jährige Torhüter parierte mit der Ruhe eines Mannes, der beim Almabtrieb schon Schlimmeres gesehen hat.

Nach der Pause dann der Paukenschlag: 48. Minute, Vitorino Frechaut steckt durch, Connor Irwin eiskalt - 0:1 für den TSV Rain! Das Stadion murmelte irritiert, und Trainer Mino Raiola (nein, nicht der bekannte Spielervermittler, sondern sein Namensvetter aus dem Allgäu) stapfte an der Seitenlinie auf und ab wie ein Mann, der gerade den letzten Espresso verschüttet hat.

Aber Weiler wäre nicht Weiler, wenn sie nicht sofort zurückbissen. Nur fünf Minuten später, in der 53. Minute, flankte Eilert Olsson butterweich - und Tomasz Stoll köpfte zum 1:1 ein. "Da war ich einfach mal älter als 18", sagte Stoll später lachend. Das Publikum tobte, und man hatte das Gefühl, jetzt würde es richtig hitzig.

Vier Minuten darauf wurde es das - Michael Siebert, der rechte Flügelstürmer, traf in der 57. Minute nach Vorlage von Dimas Allegri zum 2:1. Der Jubel? Laut genug, um vermutlich bis nach Kempten zu hören.

Rain schien geschockt, fing sich aber nach einer Viertelstunde wieder. In der 73. Minute kombinierten Irwin und Anders Frigard sehenswert durch die Weiler-Abwehr, Letzterer schloss trocken zum 2:2 ab. Patrick Müller ballte die Faust, während Raiola nur den Kopf schüttelte. "Ich sagte den Jungs: Wenn ihr schon Romantik wollt, geht in die Oper. Hier geht’s um Punkte!", verriet der Weiler-Coach später mit einem Grinsen.

Doch die Antwort kam prompt, und sie kam wieder von Stoll. In der 80. Minute legte Nick Scherer mit Übersicht quer, Stoll stand goldrichtig und schob ein - 3:2! Der Jubel kannte keine Grenzen. Auf der Tribüne fiel ein Bierbecher, auf dem Rasen fiel Stoll seinen Trainer in die Arme. "Ich wusste, dass Tomasz heute was Besonderes macht", sagte Raiola. "Ich hatte es im Gefühl - oder vielleicht war’s der Allgäuer Wind."

Danach wurde es ruppig: Zwei Gelbe für Weiler (Bernd Jahn in der 6., Michel Hierro in der 62.), eine für Rains Andre Osterhoudt kurz vor Schluss - und reichlich Diskussionen über Zeitspiel, Balljungen und die Frage, ob 94 Minuten Nachspielzeit wirklich nötig waren. Raiola zuckte nach dem Schlusspfiff nur mit den Schultern: "Wenn der Schiri pfeift, pfeift er. Ich hab daheim noch Kässpatzen im Ofen."

Statistisch gesehen war’s ein enges Ding: Rain hatte leicht mehr Ballbesitz (51:49 Prozent), Weiler gewann mehr Zweikämpfe (53 zu 47 Prozent) - und vor allem die entscheidenden in der Schlussphase.

Nach dem Abpfiff fasste Rains Stürmer Connor Irwin das Spiel treffend zusammen: "Wir waren gut, aber Weiler war gieriger. Vielleicht liegt’s an der Höhenluft hier."

Ein Zuschauer, der sich als "Franz aus der Käsefabrik" vorstellte, brachte es auf seine Weise auf den Punkt: "So spielt man im Allgäu! Erst leiden, dann feiern."

Und so bleibt am Ende mehr als nur ein Heimsieg - es bleibt die Erkenntnis, dass in Weiler im Allgäu nicht nur Kühe, sondern auch Comebacks gemacht werden.

Denn wer nach einem 0:1 so zurückkommt, der verdient mehr als Applaus - der verdient ein Glas frische Buttermilch auf den Sieg.

11.05.644000 03:13
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Es gibt Phasen, da ist man etwas angespannter. Das ist doch menschlich. Es wäre doch blöd von mir, den Schauspieler zu mimen.
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