Anpfiff
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Weiler im Allgäu dreht wildes Torfestival gegen Weiersbach - 4:3-Sieg mit Herzklopfen

Wenn 12.252 Zuschauer an einem frostigen Februarabend ins Stadion nach Weiler im Allgäu pilgern, ahnt man, dass etwas Besonderes in der Luft liegt. Und tatsächlich: Am 8. Spieltag der 3. Liga Deutschland (2. Div) bekamen sie ein Spektakel serviert, das irgendwo zwischen Slapstick, Drama und Heldenepos pendelte. Weiler im Allgäu bezwang den SV Weiersbach mit 4:3 (3:2) - und das nach einem Start, bei dem der Heimtrainer Mino Raiola vermutlich kurz überlegte, ob er nicht lieber das Handtuch als den Schal werfen sollte.

Denn nach gerade einmal 15 Minuten stand es 0:2. Filipe de Almeida, der 18-jährige Rechtsverteidiger der Gäste, eröffnete in der 8. Minute nach Vorlage von Loris De Luca mit einem beherzten Schuss, der so unhaltbar war, dass Torwart Robert Schöne nur noch die kalte Allgäuer Luft fangen konnte. Sieben Minuten später erhöhte Harvey MacAulay, wieder nach De Luca-Pass, auf 2:0 - und der Weiersbacher Anhang sang schon vom sicheren Auswärtssieg.

"Da dachte ich kurz, wir spielen hier als Statisten", gab Weilers Mittelfeldmotor Robin Born später zu. "Aber dann haben wir uns gesagt: Warum nicht einfach Fußball spielen?" Gesagt, getan: Ab Minute 26 begann der Wahnsinn.

Zuerst war es Linksverteidiger Bernd Jahn, der nach einem feinen Zuspiel von Born in der 26. Minute den Anschluss erzielte. Der Ball zappelte im Netz, das Publikum erwachte, und plötzlich roch es wieder nach Hoffnung. Sechs Minuten später fand Samuel Erskine den jungen Stürmer Ruben Guillen, der eiskalt zum 2:2 einschob. Und als derselbe Guillen in der 39. Minute nach Vorarbeit von Nick Scherer das 3:2 erzielte, bebte das Stadion.

"Ich hab einfach draufgehalten - und gehofft, dass keiner pfeift", grinste Guillen nach dem Spiel, während Raiola neben ihm trocken anmerkte: "Genau so hab ich’s geplant."

Zur Halbzeit lag Weiler vorne, doch die Partie blieb wild. Weiersbach hatte mehr Ballbesitz (53,6 Prozent) und feuerte mit 16 Torschüssen aus allen Lagen, während Weiler nur 13 Mal aufs Tor kam - aber eben öfter ins Schwarze.

Gleich nach Wiederanpfiff setzte Nick Scherer in der 49. Minute den vermeintlichen Todesstoß: Sein 4:2 nach Vorlage von Ronald Bertram war technisch fein und taktisch eiskalt. Doch wer dachte, das sei die Entscheidung, unterschätzte die Gäste aus Weiersbach.

In der 59. Minute verkürzte Luca Fumagalli nach einem Pass von Jaime Galva auf 4:3 - und plötzlich war wieder Zittern angesagt. "Ich hab schon die Hände überm Kopf zusammengeschlagen", gestand Raiola später. "Aber dann hab ich gesehen, dass wir ja noch führen. Da war’s wieder gut."

Die Schlussphase hatte dann alles: eine Gelbe Karte für Weilers Michael Siebert (70.), hektische Wechsel auf beiden Seiten und eine Parade von Torhüter Schöne, die laut einem Fan "mehr wert war als ein halbes Dutzend Punkte".

Der 17-jährige Ben Meister, frisch eingewechselt, wirbelte in der 83. Minute über den linken Flügel und zog einfach mal ab - der Ball rauschte knapp vorbei, aber die Tribüne tobte, als hätte er getroffen. "Ben, du bist der Meister, rief einer aus der Kurve - und ja, das passte zum Namen.

Weiersbach warf in der Schlussphase alles nach vorne, Fumagalli prüfte Schöne in der 92. Minute noch einmal, aber es blieb beim 4:3. Trainer Detlef Meister schüttelte danach nur den Kopf: "Wir haben offensiv alles richtig gemacht - nur defensiv leider auch alles falsch."

Statistisch gesehen hätte Weiersbach den Punkt verdient gehabt, doch Fußball ist bekanntlich kein Schönheitswettbewerb. Und Weiler, das mit 46 Prozent Ballbesitz und einer Tacklingquote knapp unter 50 Prozent kämpferisch auftrat, gewann dieses Spiel mit Herz, Mut und - ja - etwas jugendlichem Wahnsinn.

"Wenn man 0:2 hinten liegt und dann 4:3 gewinnt, darf man ruhig ein bisschen stolz sein", meinte Kapitän Born. Und Torwart Schöne fügte lächelnd hinzu: "Ich hab zwar drei gefangen, aber keinen verloren."

Ein Fazit, das in Weiler wohl noch beim Frühschoppen zitiert werden wird. Der SV Weiersbach dagegen reist mit leeren Händen, aber erhobenem Kopf ab. "So Spiele machen dich stärker", knurrte Meister. Vielleicht. Oder sie machen dich einfach ein bisschen müde.

Am Ende geht ein Abend in die lokale Fußballgeschichte ein, an dem Weiler im Allgäu bewies: Es braucht keine großen Namen, um große Geschichten zu schreiben - nur 90 wilde Minuten, sieben Tore und ein Stadion, das noch lange nicht schlafen wollte.

19.08.643990 00:22
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Da haben beide gezogen. Das kann ich einmal so entscheiden und einmal so entscheiden, aber darf es nie so entscheiden.
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