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15878 Zuschauer im schmucken Stadion von Weiler im Allgäu sahen an diesem Freitagabend ein Spiel, das in seiner Dramaturgie irgendwo zwischen Geduldsspiel und Nervenschlacht pendelte. Am Ende siegte der Gastgeber mit 1:0 gegen den FC Godesberg - ein knappes Ergebnis, das aber genau die Geschichte dieses 25. Spieltags in der 3. Liga Deutschland (2. Div) erzählt: Ein Kampf, kein Spektakel. Trainer Mino Raiola, sonst eher für markante Sprüche bekannt, zeigte sich nach dem Schlusspfiff erstaunlich mild: "Ich habe selten so gelitten - und gleichzeitig so gelächelt. Wir wollten das 1:0, wir haben es bekommen. Punkt." Sein Gegenüber Rafael Nadal - ja, der Tennisstar hat offenbar auch im Fußball den Ehrgeiz nicht verloren - schüttelte nur den Kopf: "Wir hatten mehr Ballbesitz, mehr Schüsse, aber am Ende zählt in diesem Sport… na ja, Sie wissen schon: das Runde im Eckigen." Und tatsächlich: Die Zahlen bestätigten Nadals Frust. 56,9 Prozent Ballbesitz, zehn Torschüsse, aber kein Treffer. Godesberg spielte phasenweise wie ein Ballbesitzseminar, während Weiler hinten die Lehrbuchverteidigung auspackte. Und vorne? Da wartete die Stunde eines jungen Mannes aus Brasilien: Felipe Gama, 21, eingewechselt in der 60. Minute, traf exakt eine Minute später zum 1:0. Sein Treffer war eine Mischung aus jugendlichem Übermut und brasilianischer Leichtigkeit. Nach einem langen Ball von Innenverteidiger Asen Todorow - der später eine Gelbe Karte kassieren sollte, weil er sich zu sehr über das eigene taktische Foul freute - nahm Gama den Ball elegant an, ließ zwei Verteidiger aussteigen und schob überlegt ins rechte Eck. Ein Tor, das in Weiler vielleicht noch in Jahren besungen wird (vielleicht auch nur beim nächsten Dorffest, aber immerhin). "Ich wollte eigentlich nur frische Luft schnappen", grinste Gama nach dem Spiel, "und dann war der Ball plötzlich da. Danke Asen!" Todorow, neben ihm in der Interviewzone, lachte: "Ich hab den Ball einfach rausgedroschen. Dass das mal als Torvorlage gilt, nehme ich gerne mit." Bis dahin hatte sich das Spiel eher zäh entwickelt. Schon in der elften Minute prüfte Godesbergs Adam Graysmark den jungen Keeper Hanns Peter, der mit 17 Jahren sein drittes Profispiel bestritt. Weilers Trainer Raiola schwor später, "ich bin in der 11. Minute 15 Jahre älter geworden". Doch der Nachwuchstorwart parierte glänzend - und sollte später noch mehr zu tun bekommen. Kurz vor der Pause wurde es ruppig. Godesbergs Rechtsverteidiger Samuel Lester sah Gelb, nachdem er Samuel Erskine unsanft am Flanken hinderte. "Das war kein Foul, das war ein Windstoß", beschwerte sich Lester in Richtung Linienrichter - der reagierte mit jenem Blick, der sagt: ’Mach weiter, Junge.’ Nach der Pause kam Godesberg druckvoll, Rui Barbosa prüfte den Keeper gleich mehrfach (38., 42., 69., 73., 77.). Doch Weiler hielt dagegen, verteidigte gallig und lauerte auf Konter über die Flügel - genau das, was die taktische Marschroute vorsah. Mit elf Schüssen aufs Tor und nur 43 Prozent Ballbesitz bewies Weiler, dass Effizienz manchmal die schönste Form des Minimalismus ist. Nach Gamas Treffer verlegte sich die Heimelf aufs Verteidigen. Oliver Breadalbane, frisch eingewechselt, sah in der 63. Minute Gelb für ein taktisches Foul, das seine Mitspieler später "die schönste Gelbe seiner Karriere" nannten. Der junge Asen Todorow zog in der 86. nach, als er den heranstürmenden Barbosa stoppte - fair war’s nicht, aber wirkungsvoll. Rafael Nadal versuchte es mit wilden Gesten an der Seitenlinie, forderte "mehr Breite, mehr Tempo!" - doch seine Elf blieb im Allgäuer Abwehrnetz hängen. In der Nachspielzeit sah auch noch Jakob Carlsen Gelb, als er den Ball frustriert in Richtung Tribüne drosch. Als der Schlusspfiff ertönte, jubelte Weiler, als hätte man gerade den Aufstieg fixiert. Hanns Peter, der jugendliche Keeper, wurde als Held gefeiert, während Mino Raiola mit einem Espresso auf der Bank saß und lakonisch meinte: "Ich wusste, Felipe bringt uns Glück. Manchmal braucht man einfach nur Mut - und einen Brasilianer." Und so stand am Ende ein 1:0, das in keiner Statistik spektakulär wirkt, aber in seiner Konsequenz beeindruckte. Weiler im Allgäu hat sich mit diesem Sieg zurück in die obere Tabellenhälfte geschoben, während Godesberg einmal mehr mit der Erkenntnis abreiste, dass Schönheit im Fußball selten belohnt wird. Oder, wie Nadal es trocken formulierte, bevor er in den Mannschaftsbus stieg: "Wir haben das Spiel gespielt - Weiler hat es gewonnen." Und da nickte sogar Mino Raiola anerkennend. 03.11.643996 09:55 |
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