Anpfiff
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Weiler im Allgäu siegt dank jugendlicher Frische und eiserner Geduld in Beilngries

Es war ein lauer Sommerabend in Beilngries, 8.000 Zuschauer, ein Anstoß um 20:30 Uhr - und nach 90 Minuten ein kollektives Schulterzucken beim FC Beilngries. Denn was die Hausherren am 29. Spieltag der 3. Liga Deutschland (2. Div) ablieferten, erinnerte eher an einen Betriebsausflug als an ein Heimspiel. Weiler im Allgäu gewann verdient mit 2:0, und das Ergebnis schmeichelt dem Gastgeber fast noch.

Schon nach wenigen Minuten war klar, wohin die Reise geht: Richtung Tor von Benjamin Unger. Der Beilngrieser Keeper stand im ersten Durchgang im Mittelpunkt - und das, obwohl er sich seine Glanzparaden wohl selbst nicht erklären konnte. Weiler schoss, flankte, kombinierte, traf aber zunächst alles außer dem Netz. "Ich dachte kurz, da steht ein unsichtbarer Zaun ums Tor", grinste später Gästestürmer Tomasz Stoll, der allein fünf Mal zum Abschluss kam.

Die Statistik spricht Bände: 19 Torschüsse der Gäste, null (!) für Beilngries. Ballbesitz? 62 zu 38 Prozent. Tacklingquote? 60 zu 40. Oder wie ein Fan auf der Tribüne sarkastisch bemerkte: "Wenn Beilngries den Ball hat, ist das eigentlich schon das nächste Anspiel."

Die erste Halbzeit verlief torlos, aber keineswegs ereignislos. Heinrich Foerster von Weiler sah Gelb nach einem rustikalen Einsteigen (18.), Jannick Krebs und Tomasz Berndt von Beilngries folgten wenig später - offenbar inspiriert von der Idee, wenigstens in der Kartenstatistik mitzuhalten. Ansonsten verteidigte der Gastgeber tief, sehr tief - fast schon im eigenen Kioskbereich.

Trainer Andreas Tiefenbach wirkte an der Seitenlinie zunehmend ratlos. Seine Mannschaft, offiziell mit "offensiver Ausrichtung" gemeldet, wirkte, als hätte sie das Wort "Pressing" nur in der Waschmittelabteilung gehört. "Wir wollten eigentlich Druck machen", sagte Tiefenbach nach dem Spiel, "aber wenn der Ball einfach nicht bei uns bleibt, ist das schwierig." Eine bemerkenswert ehrliche Analyse.

Nach der Pause ging das Drama weiter - diesmal mit Konsequenzen. In der 53. Minute brach der junge James Hoskins den Bann. Nach klugem Zuspiel von Emil Musiala zog der 19-Jährige von rechts in die Mitte und traf trocken ins lange Eck. 1:0 für Weiler - und ein kollektives Aufatmen bei Trainer Mino Raiola. "Ich hab ihm vorher gesagt: Wenn du einmal weniger zögerst, machst du das Ding. Offenbar hat er zugehört - ausnahmsweise", lachte Raiola später.

Beilngries reagierte mit einem Dreifachwechsel in der 57. Minute: Torwarttausch, frisches Blut auf den Außen, neue Hoffnung. Doch statt Schwung kam Unsicherheit. Der eingewechselte Youngster Philip Ullrich im Tor machte seine Sache ordentlich, aber vorn blieb alles beim Alten: kein einziger Schuss aufs Tor.

Der Abend nahm für die Gastgeber endgültig eine bittere Wendung, als Jannick Krebs in der 85. Minute mit Gelb-Rot vom Platz musste. "Ich hab nur den Ball gespielt", beteuerte er - wobei der Ball sich wohl noch immer irgendwo beim Sanitäter erholt.

In der Nachspielzeit setzte Damian Rueda den Schlusspunkt. Der Innenverteidiger war nach einer Ecke von Linus Berger aufgerückt und köpfte in der 92. Minute zum 2:0 ein. "Ich wollte eigentlich nur stören", gab Rueda schmunzelnd zu, "aber wenn der Ball schon so schön fliegt, sag ich nicht nein."

Kurz darauf ertönte der Abpfiff - und während die Gäste ausgelassen jubelten, schlich Beilngries vom Feld, als hätte man gerade erfahren, dass Montag wieder Training ist.

Mino Raiola zeigte sich nach dem Spiel zufrieden, aber nicht euphorisch: "Wir hätten fünf machen können. Aber meine Jungs sind jung und höflich - sie wollten den Gastgebern den Abend nicht ganz verderben."

Andreas Tiefenbach hingegen suchte nach Erklärungen: "Vielleicht war der Platz zu schön, vielleicht das Flutlicht zu hell. Wir haben uns schwergetan, ins Spiel zu kommen - genauer gesagt: überhaupt ins Spiel zu kommen."

Fazit: Weiler im Allgäu war in allen Belangen überlegen. Beilngries dagegen steckt tief in der Ergebniskrise und wirkte phasenweise wie ein Team, das seine Taktikzettel beim Aufwärmen verloren hat. 0:2, null Torschüsse, ein Platzverweis - das sind Zahlen, die man schnell vergessen möchte.

Oder wie ein älterer Zuschauer beim Hinausgehen seufzte: "Früher haben wir wenigstens die Wurst gewonnen. Heute nicht mal mehr den Ball."

19.09.644003 23:37
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In diesem Scheißverein kann man nicht mal richtig feiern.
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