Anpfiff
+++ Sportzeitung für Deutschland +++

Weiler im Allgäu siegt spät, aber verdient - AWO Hagenow ohne Durchschlagskraft

Der Allgäuer Winter zeigte sich von seiner bissigen Seite, doch auf dem Rasen des kleinen Stadions in Weiler brannte am Sonntagabend ein Feuerwerk der Emotionen. 12.500 Zuschauer - eine Zahl, die in der 3. Liga fast städtisch wirkt - sahen, wie Weiler im Allgäu nach zähem Beginn AWO Hagenow mit 2:0 besiegte und damit drei hochverdiente Punkte einfuhr.

Die Partie begann mit einem Offensivfurioso der Hausherren, das allerdings vor der Pause mehr nach Frühschoppen als nach Torgefahr aussah. Schon in der 8. Minute prüfte Michael Siebert erstmals den Gästetorwart Helmut Schultz - und tat das gleich noch zweimal (14. und 45. Minute). Doch Schultz, offenbar mit Klett an den Handschuhen, hielt alles, was auf ihn zuflog. "Ich dachte irgendwann, der Ball hat was gegen mich persönlich", grinste Siebert nach Abpfiff.

Weiler-Coach Mino Raiola - der italienische Temperamentbolzen im Allgäuer Trainingsanzug - brüllte von der Seitenlinie: "Bleibt ruhig, irgendwann fällt er rein!" Seine Männer hielten sich daran, dominierten mit 18 Schüssen aufs Tor, während Hagenow sich mit vier verirrten Versuchen begnügte. Der Ballbesitz war zwar fast ausgeglichen (49,7 zu 50,3 Prozent), doch in Wahrheit hatte nur ein Team die Spielkontrolle: Weiler.

Die Gäste aus Hagenow wirkten zwar bemüht, aber so gefährlich wie ein Sonntagsspaziergang im Kurpark. Stürmer Kurt Maass tauchte zweimal gefährlich vor Robert Schöne auf (31. und 81.), doch der 17-jährige Torwart der Weiler hielt mit stoischer Ruhe - und einem Lächeln, das fast provozierend wirkte. "Ich hab einfach gedacht: Nicht heute, Jungs", sagte Schöne nach der Partie, als wäre das Ganze eine gemütliche Trainingseinheit gewesen.

Nach der Pause dann die Erlösung: In der 58. Minute kombinierte sich Weiler sehenswert durchs Mittelfeld. Samuel Erskine, bis dahin unermüdlicher Antreiber, steckte den Ball perfekt durch. Jannick Fritsch, erst 20 Jahre jung, nahm Maß und schlenzte den Ball unhaltbar zum 1:0 ins rechte Eck. Der Jubel war ohrenbetäubend, und Fritsch riss die Arme hoch, als wolle er die Zugspitze umarmen. "Ich hab einfach gespürt, dass der Ball rein muss", sagte er mit einem Grinsen, das irgendwo zwischen Erleichterung und Übermut pendelte.

AWO Hagenow versuchte zu reagieren - zumindest theoretisch. Trainer Martin Schmittel gestikulierte wild an der Seitenlinie, rief seinen Männern zu, "endlich mal in die Zweikämpfe zu gehen". Doch Weiler blieb giftig, gewann über 55 Prozent der Duelle, und der nächste Treffer lag in der Luft.

In der 69. Minute fiel er dann auch: Der eingewechselte Jürgen Linke, 18 Jahre jung und sichtlich nervös, legte clever auf Robin Born ab. Der Routinier zog aus 20 Metern ab - und traf. Schultz flog, der Ball flog schöner. 2:0, Deckel drauf. Born rannte Richtung Fankurve, rief: "Das war für die Jungs aus der Jugend!" - und verschwand fast unter einem Berg jubelnder Mitspieler.

Danach nahm Weiler etwas Tempo raus, sammelte aber weiter Gelbe Karten wie Souvenirs: Bernd Jahn (84.) und Friedrich Jacobs (93.) sahen jeweils Gelb, was Raiola mit einem trockenen "Wir wollten halt zeigen, dass wir auch Leidenschaft können" kommentierte. Hagenow hingegen blieb harmlos, wie ein Verein, der sich mit 0:0 zufriedengegeben hätte, wenn das Spiel nicht 90 Minuten dauern würde.

Raiola war nach Schlusspfiff zufrieden: "Wir haben heute reif gespielt. Die Jungs sind jung, aber sie lernen schnell. Und wenn man 18 Mal aufs Tor schießt, darf man sich auch mal belohnen." Kollege Schmittel dagegen wirkte ratlos: "Wir waren da, aber irgendwie auch nicht. Vielleicht haben wir den Bus zu früh geparkt."

Das Publikum feierte seine Mannschaft minutenlang. Als die Spieler in die Kabine gingen, rief ein Fan: "So spielt man im Allgäu!" - und hatte wohl recht. Weiler zeigte, dass mutiger Fußball belohnt wird, selbst wenn er eine Halbzeit lang Anlauf braucht.

Ein kleiner Seitenhieb zum Schluss: Wenn AWO Hagenow in den nächsten Wochen nicht mehr Torschüsse produziert als ein durchschnittlicher Schneemann, dürfte der Abstiegskampf bald kein theoretisches Thema mehr sein. Weiler hingegen darf träumen - vielleicht nicht von der Champions League, aber doch von einem Frühling, in dem Fußball wieder Spaß macht.

Endstand: Weiler im Allgäu 2, AWO Hagenow 0. Zwei Tore, viele Chancen, und eine Mannschaft, die an diesem Abend einfach mehr wollte.

03.11.643987 20:46
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
Michael Ballack
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager