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Es war ein lauer Frühlingsabend in Tumlingen, 6.500 Zuschauer hatten sich am 8. Spieltag der 3. Liga Deutschland (2. Div) eingefunden, um zu sehen, ob ihr SV Tumlingen gegen die formstarken Gäste aus Weiler im Allgäu bestehen kann. Nach 90 Minuten stand fest: Sie konnten nicht. Das 1:3 (0:2) war deutlich, verdient - und tat trotzdem weh, weil Tumlingen zwischenzeitlich Hoffnung schnupperte, nur um sie kurz darauf wieder zu verlieren. Von Beginn an legten die Gäste los, als hätten sie im Bus schon Espresso intravenös bekommen. Trainer Mino Raiola - der Mann, der offenbar selbst in der Kabine noch Transferverhandlungen führen könnte - hatte seine Elf offensiv eingestellt. Und prompt klingelte es früh: In der 18. Minute traf Jannick Fritsch nach feiner Vorarbeit von Rechtsverteidiger Michel Hierro. Der Tumlinger Keeper Jan Kluge streckte sich vergeblich, der Ball schlug präzise neben dem Pfosten ein. "Das war genau so geplant", grinste Fritsch später. "Also zumindest ungefähr." Tumlingen wirkte überrascht, fast schockiert, und versuchte, sich über den Kampf ins Spiel zu arbeiten. Doch Weiler spielte wie aus einem Guss, mit Ballbesitz leicht über 51 Prozent und einer Passquote, die dem Heimteam das Leben schwer machte. Besonders im Mittelfeld zog Robin Born die Fäden, während Linus Berger auf dem linken Flügel immer wieder gefährlich wurde. Kurz vor der Pause war es dann eben jener Berger, der nach feinem Zuspiel von Fritsch das 0:2 markierte - in der 45. Minute, psychologisch tödlich. Tumlingen-Coach Buddy Brown schüttelte an der Seitenlinie den Kopf, als hätte ihm jemand das Drehbuch vertauscht. "Wir wollten eigentlich über die Flügel kommen, aber stattdessen kamen die über uns", meinte er später trocken. Nach dem Seitenwechsel zeigte Tumlingen endlich, dass auch sie Fußball spielen können. Nur zehn Minuten nach Wiederanpfiff setzte sich Brandon Prinsloo auf links durch, legte quer, und Alejandro Carvalho hämmerte den Ball in der 56. Minute kompromisslos ins Netz. Das Stadion erwachte, Tumlingen witterte die Wende. "Da dachte ich kurz, jetzt kippt das Spiel", sagte Brown. "Leider kippte dann eher die Stimmung, als das dritte Gegentor fiel." Denn Weiler blieb eiskalt. Raiola reagierte clever, brachte zur 60. Minute die frischen Offensivkräfte Nael Aznar und Jürgen Linke - und genau diese Wechsel zahlten sich aus. In der 74. Minute setzte Aznar nach einem Durcheinander im Strafraum den Schlusspunkt zum 1:3. Tumlingens Abwehr wirkte in dieser Szene wie ein schlecht choreografierter Tanz: alle in Bewegung, keiner da, wo er sein sollte. "Ich hab nur die Lücke gesehen", grinste Aznar nach Spielende, "und dann einfach draufgehalten. Manchmal ist das der beste Plan." Tumlingen mühte sich, kam noch zu einigen Abschlüssen - Doucet in Minute 66, Tosun in der 79. - doch der Ball wollte nicht mehr hinein. Weiler blieb abgeklärt, spielte die Partie routiniert zu Ende und kassierte lediglich noch drei Gelbe Karten (Jahn, Allegri, Rueda). "Das war kein Kindergeburtstag da hinten", meinte Verteidiger Damian Rueda, "aber wir haben’s sauber runtergespielt." Statistisch unterstrich Weiler den Sieg: 14 Torschüsse zu 6, mehr gewonnene Zweikämpfe, leicht mehr Ballbesitz. Tumlingen hatte zwar Einsatz gezeigt, doch das war zu wenig gegen die cleveren Allgäuer. Und während Buddy Brown nach Abpfiff noch versuchte, seine Jungs aufzumuntern ("Wir haben wenigstens das schönste Tor gemacht"), grinste Raiola nur und erklärte: "Ich sag’s immer: Wer die Chancen nutzt, braucht keine Ausreden." So endete ein munterer Fußballabend mit einem klaren Sieger. Weiler im Allgäu bleibt damit oben dran, Tumlingen dagegen muss sich fragen, warum man erst nach der Pause anfing, mitzuspielen. Vielleicht hilft’s, dass Coach Brown Humor hat. "Nächste Woche", sagte er mit einem Augenzwinkern, "fangen wir einfach mal pünktlich an." Und wer weiß - vielleicht klappt’s dann auch mit dem Punktgewinn. Bis dahin dürfte in Tumlingen noch der Satz des Tages nachhallen: "Wir wollten Fußball spielen - Weiler wollte gewinnen." 11.06.643997 08:25 |
Sprücheklopfer
Wir haben einen Hund zu Hause, der ist acht Wochen alt. Der hat am letzten Sonntag völlig verstört unter dem Sofa hervor geschaut. Denn als Bremen in Dortmund das 3:1 erzielt hat, habe ich einen Schrei losgelassen, dass die Wände wackelten.
Uli Hoeneß