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Wenn ein kühler Aprilabend im Allgäu plötzlich nach Samba riecht, dann hat meist Felipe Gama seine Füße im Spiel. Und tatsächlich: Der 21-jährige Flügelstürmer aus Brasilien war beim 3:0-Sieg von Weiler im Allgäu über den VfB Theley der Mann, um den sich alles drehte. Zwei Tore, unzählige Dribblings und sogar Zeit für ein Lächeln Richtung Tribüne - es war ein Abend, der ihn wohl endgültig zum Publikumsliebling machte. Bereits in der 8. Minute setzte Gama das erste Ausrufezeichen. Nach einem butterweichen Pass von Samuel Erskine tanzte er Theleys Innenverteidiger Hugo Nunez aus und schlenzte den Ball über Torhüter Xabi Carcedo hinweg ins lange Eck. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Gama anschließend - ein Satz, den man ihm nicht ganz abnahm. Trainer Mino Raiola, sonst für seine trockenen Analysen bekannt, lachte laut auf: "Wenn das eine Flanke war, dann bin ich Torwarttrainer." Theley hingegen wirkte von Beginn an überfordert. Zwar hielten sie mit fast 47 Prozent Ballbesitz optisch mit, doch im letzten Drittel blieb alles harmlos. Null Torschüsse, null Gefahr - das sagt alles. Trainer Robert Fast verzog nach dem Schlusspfiff das Gesicht und murmelte: "Wir hatten den Ball, aber leider keine Idee, wohin damit." Weiler dagegen kombinierte nach Belieben. Gama prüfte Carcedo mehrfach (13., 46., 69. Minute), und auch der junge Mittelstürmer Tomasz Stoll durfte vor seiner Auswechslung in der 60. Minute ein paar Mal den Abschluss versuchen. Der Ballbesitz war mit 52,6 Prozent ausgeglichen, aber Weilers 19 Torschüsse sprachen eine deutliche Sprache. Das 2:0 fiel in der 64. Minute - und es war ein Lehrbuchangriff. Michael Siebert zog auf der rechten Seite an, legte flach in die Mitte, und Heinrich Foerster, gerade einmal 20 Jahre alt, jagte das Leder trocken unter die Latte. "Ich hab vorher gesehen, dass der Keeper leicht nach rechts kippt", erklärte Foerster später mit einer Ruhe, die eher an einen Schachspieler erinnert als an einen Mittelfeldmotor. Nur sieben Minuten später dann die Entscheidung. Wieder war es das Duo Erskine-Gama. Der linke Mittelfeldspieler schickte seinen Kollegen mit einem Außenristpass auf die Reise, und Gama blieb eiskalt - 3:0, die Tribüne tobte. 13.609 Zuschauer, das kleine Stadion bebte, und man konnte förmlich hören, wie die Gäste aus Theley innerlich die Heimreise planten. Der Rest war Schaulaufen. Coach Raiola gönnte Stoll, Olsson und Bertram eine Pause, brachte frische Kräfte - unter anderem den 22-jährigen Jannick Fritsch, der später noch zweimal gefährlich auftauchte. Theleys einziger Höhepunkt? Eine Gelbe Karte für Nunez in der 76. Minute nach einem rustikalen Einsteigen. "Der Junge wollte wohl wenigstens einmal zeigen, dass er da ist", kommentierte ein Zuschauer trocken von der Haupttribüne. In der Nachspielzeit holte sich auch Weilers Rechtsverteidiger Oliver Breadalbane noch Gelb ab - "aus Symmetriegründen", wie er lachend meinte. Der Rest war Jubel und Applaus. "Wir haben heute gezeigt, dass wir reif sind", bilanzierte Raiola nach dem Spiel. "Nicht nur wegen der Tore, sondern weil wir nie die Kontrolle verloren haben." Tatsächlich wirkte Weiler in allen Phasen strukturiert, das Pressing diszipliniert, das Passspiel präzise. Die Taktik - offensiv, aber mit Bedacht - ging voll auf. Theley dagegen versuchte es mit einer ähnlich offensiven Grundordnung, aber ohne Pressing und ohne Mut. Ein Rezept, das so erfolgreich war wie ein Schirm im Orkan. Im Kabinengang hörte man Gama noch scherzen: "Wenn der Ball so läuft, tanzt er halt mit. Heute war er gut gelaunt." Und das war er wirklich. Am Ende bleibt ein klarer Sieg, der in seiner Deutlichkeit auch ein Statement ist: Weiler im Allgäu hat in dieser Liga Ambitionen, die über das Mittelfeld hinausgehen. Wenn sie weiter so spielen, könnte der Frühling im Allgäu noch sehr lange dauern - und sehr brasilianisch klingen. Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen seufzte: "Früher hatten wir Kühe auf der Weide, jetzt haben wir Gama auf dem Flügel. Ist auch schön zu sehen, wie der läuft." 11.10.643996 09:03 |
Sprücheklopfer
Dann lebe ich in Oslo, spiele immer noch Fußball und bin immer noch so langsam.
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