Anpfiff
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Weiler im Allgäu zerlegt Bremen - 6:0 und kein Ende in Sicht

Was für ein Abend im Allgäu: 14.056 Zuschauer sahen eine Lehrstunde in Sachen Offensivfußball. Weiler im Allgäu fegte den bedauernswerten SV Bremen am 15. Spieltag der 3. Liga Deutschland mit 6:0 (3:0) vom Platz - ein Ergebnis, das dem Spielverlauf fast noch schmeichelte.

Schon nach zwei Minuten war der Widerstand der Gäste im Grunde gebrochen. Samuel Erskine, der sich offenbar vorgenommen hatte, den Abend früh zu klären, zog nach Pass des 17-jährigen Bernd Maass einfach mal ab - 1:0. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Erskine später lachend, "aber der Ball hatte andere Pläne." Trainer Mino Raiola grinste daneben verschmitzt: "Wenn alle Flanken so enden, soll er ruhig weiter flanken."

Weiler spielte weiter wie entfesselt. Bremen kam kaum über die Mittellinie, während Linus Berger vorne schaltete und waltete wie ein Alleinunterhalter beim Sommerfest. In der 21. Minute drückte er einen Abpraller über die Linie, in der 43. folgte das 3:0 nach feiner Vorarbeit von Michel Hierro. "Ich wusste gar nicht, dass ich so schießen kann", meinte Berger trocken. "Aber gut, jetzt weiß ich’s."

Zur Pause herrschte betretenes Schweigen auf der Gästebank. Der einzige Torschuss Bremens - ein halbherziger Versuch von Johannes Blum in Minute 41 - war eher eine höfliche Anmeldung als eine echte Gefahr. Weiler dagegen hatte bis dahin schon 13 Abschlüsse, 64 Prozent Ballbesitz und eine Tacklingquote, die so souverän klang wie das Ergebnis: 59 Prozent.

Nach dem Seitenwechsel ließ Weiler nicht locker. Raiola hatte seine Jungs offenbar ermahnt, "bloß nicht den Spaß zu verlieren". Linus Berger durfte nach einer Stunde unter Applaus raus - "Ich hatte Mitleid mit Bremen", zwinkerte er später - und der erst 22-jährige Jürgen Linke übernahm. Keine zwei Minuten später stand es 4:0, natürlich durch Linke selbst. Bremen verteidigte da schon mehr symbolisch als effektiv.

Dann kam die Jugendstunde: Der 19-jährige Herman Sundström, ohnehin schon auffällig quirlig, schnürte in der Schlussphase einen Doppelpack. Erst in der 78. Minute nach Traumpass von Emil Musiala, dann in der Nachspielzeit nach Vorlage des ebenfalls 17-jährigen Ophir Kashtan. Zwei Tore, zwei Lächeln, ein Publikum im Freudentaumel. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und draufgehauen", gab Sundström ehrlich zu.

Zwischendurch verteilte Schiedsrichter Klose noch zwei Gelbe Karten - beide an Weiler, vermutlich aus Mitleid mit Bremen, damit’s nicht zu einseitig aussieht. Bernd Maass und Michel Hierro nahmen sie mit einem Schulterzucken hin. "Wir wollten ja nicht unhöflich sein", witzelte Hierro später.

Bremen? Die Gäste wirkten überfordert, mutlos, teilweise resigniert. Ihr Trainer - der sich nach Abpfiff wortlos in die Kabine zurückzog - hatte die Taktik offenbar auf "bloß nicht übertreiben" eingestellt: kein Pressing, kein Risiko, kein Glück. 35 Prozent Ballbesitz, ein einziger Schuss aufs Tor - wer so spielt, darf sich über sechs Gegentreffer nicht wundern.

Weiler dagegen präsentierte sich als echtes Offensivpaket. 20 Schüsse aufs Tor, jeder Angriff ein kleiner Sturmangriff, jeder Pass saß. "So macht Fußball Spaß", sagte Raiola in der Pressekonferenz. "Wenn wir so weitermachen, brauchen wir bald ein zweites Tornetz - das erste glüht noch."

Dass die Zuschauer am Ende stehend applaudierten, war nur folgerichtig. Ein älterer Herr auf der Tribüne meinte zufrieden: "So was haben wir hier seit dem Aufstieg 2018 nicht mehr gesehen."

Fazit: Ein Spiel wie ein Befreiungsschlag - für Weiler ein Statement, für Bremen ein Weckruf. Die Allgäuer zeigten, wie Offensivgeist, Spielfreude und jugendlicher Übermut zusammenpassen. Und während die Gäste wohl noch auf der Heimfahrt versuchen, die sechs Gegentore zu sortieren, plant Raiola vermutlich schon das nächste Offensivfeuerwerk.

Oder, wie Linus Berger es ausdrückte, als er mit einem breiten Grinsen in den Mannschaftsbus stieg: "Wenn wir weiter so spielen, müssen wir bald Eintritt verlangen - auch fürs Training."

30.03.644003 09:43
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Natürlich haben die beiden nicht mehr gezeigt als zu sehen war.
Erich Ribbeck
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