Anpfiff
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Weiler im Allgäu zerlegt Viktoria Thiede in der ersten Halbzeit

Es war ein kalter Januarabend in Thiede, aber auf dem Platz ging’s heiß her - zumindest aus Sicht der Gäste. Weiler im Allgäu zeigte beim 3:0 (3:0) am 4. Spieltag der 3. Liga Deutschland, wie man ein Spiel frühzeitig entscheidet und dann genüsslich austrudeln lässt. Die rund 5000 Zuschauer im Stadion dürften sich allerdings gefragt haben, ob Viktoria Thiede nicht versehentlich mit angezogener Handbremse aufgelaufen war.

Schon nach zehn Minuten rauschte Nick Scherer - seines Zeichens zentraler Mittelfeldmann mit der Schusstechnik eines Uhrmachers - durch die Mitte und zirkelte den Ball nach Vorarbeit von Robin Born präzise ins Eck. Thiedes Keeper Luís Assis streckte sich vergeblich. "Ich hab den Ball kommen sehen - aber nur kurz", seufzte Assis später und grinste gequält.

Wer dachte, das sei ein Weckruf für die Hausherren, irrte. Elf Minuten später kombinierte sich Weiler über die linke Seite mustergültig durch. Samuel Erskine legte auf den 19-jährigen Felipe Gama ab, der die Kugel mit jugendlicher Unbekümmertheit in den Winkel drosch. 2:0 - und man hatte das Gefühl, Thiede spielte noch den ersten Pass aus der Kabine.

Spätestens in der 39. Minute wurde es dann bitter. Der belgische Angreifer Robin Verellen, kaum 21, aber schon mit der Abgeklärtheit eines Routiniers, drückte einen scharfen Pass von Rechtsverteidiger Michel Hierro über die Linie. 0:3 - und Trainer Mino Raiola, sonst eher für spektakuläre Transfers als für taktische Meisterwerke bekannt, tanzte an der Seitenlinie wie ein Mann, der gerade die Lottozahlen richtig getippt hatte. "Wir wollten mutig sein, offensiv bleiben, das ist unsere DNA", sagte Raiola später - und klang dabei, als hätte er das Spiel seines Lebens gecoacht.

Viktoria Thiede hingegen wirkte konsterniert. Zwar hatte man über die gesamten 90 Minuten hinweg mit 52,7 Prozent etwas mehr Ballbesitz, doch was nützt das, wenn der Ball wie ein heißer Kartoffel behandelt wird? Sechs Torschüsse standen am Ende 19 Versuchen der Gäste gegenüber - ein statistisches Armutszeugnis.

"Wir hatten die Kontrolle, aber nicht die Konsequenz", meinte ein sichtlich müder Thomas Kroll, der immerhin zweimal gefährlich abschloss (52. und 64. Minute). Seine Worte hallten im Presseraum nach - genau wie das Pfeifkonzert einiger Fans, die sich in der Pause wohl mehr Kampfgeist gewünscht hätten.

In der zweiten Halbzeit passierte dann - nun ja, wenig. Weiler verwaltete souverän, Thiede mühte sich redlich, kam aber über halbherzige Distanzschüsse nicht hinaus. Die spannendsten Aktionen waren gelbe Karten: Marcel Lucescu sah eine kurz vor der Pause, Iker Ximenes folgte in der 65. - beide eher aus Frust als aus echter Härte.

Auch Weiler blieb nicht ganz ungeschoren: Bernd Jahn (66.) und Gama (68.) durften sich den gelben Karton als Souvenir mitnehmen. "Ich wollte nur den Ball spielen", beteuerte Gama hinterher, "aber er war einfach im Weg." Man glaubt’s ihm fast - bei einem 3:0 führt man schließlich keinen Krieg mehr.

In der 60. Minute gönnte Raiola seinen Leistungsträgern eine Pause. Scherer, Siebert und Born machten Platz für die jungen Wilden Foerster, Linke und Philipp. "Die Jungs sollen lernen, wie man ein Spiel ruhig zu Ende bringt", erklärte der Coach. Tatsächlich brachte Weiler den Vorsprung abgeklärt über die Zeit - ohne sichtbare Mühe, aber mit einem Lächeln.

Thiedes Trainerteam (das sich nach Abpfiff auffallend schnell in den Kabinentrakt zurückzog) wird sich in den kommenden Tagen wohl fragen müssen, wie man trotz offensiver Ausrichtung und ausgeglichenem Ballbesitz zu so wenig echten Chancen kam. Vielleicht lag’s am fehlenden Pressing, vielleicht am fehlenden Mut. Oder, wie ein älterer Fan auf der Tribüne lakonisch sagte: "Die spielen wie mein Staubsauger - viel Bewegung, aber nix eingesaugt."

Am Ende bleibt ein klarer Sieg für Weiler im Allgäu, der bereits zur Halbzeit zementiert war. Drei Tore, drei verschiedene Torschützen, dazu eine Mannschaft, die sich selten aus der Ruhe bringen ließ - das nennt man Effizienz. Viktoria Thiede dagegen muss sich neu sortieren, bevor aus Offensivdrang endgültig Verzweiflung wird.

Und so ging ein Abend zu Ende, an dem der Fußball einmal mehr zeigte, dass Ballbesitz keine Tore schießt - und dass man im Allgäu offenbar nicht nur Käse, sondern auch kaltschnäuzige Stürmer herstellt.

22.02.643987 19:27
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Wenn wir kein Tor machen, können wir nicht einmal in Kaiserslautern gewinnen.
Aleksandar Ristic
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