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Weiler kämpft tapfer - doch Eichede schießt cleverer

Ein lauer Freitagabend im März, 20:30 Uhr, Flutlicht über dem kleinen Stadion von Weiler im Allgäu. 15.464 Zuschauer waren gekommen, um zu sehen, ob ihre Jungs den SV Eichede stoppen können. Am Ende stand ein 1:2 auf der Anzeigetafel - ein Ergebnis, das ebenso knapp wie gerecht wirkte, zumindest wenn man die nüchternen Zahlen ignorierte.

Denn Weiler schoss öfter aufs Tor (14:8), hatte etwas weniger Ballbesitz (49,3 Prozent), aber mehr Herzblut. "Wir hätten das Ding eigentlich gewinnen müssen", knurrte Trainer Mino Raiola nach dem Spiel. Er, sonst eher für markige Sprüche aus der Beraterwelt bekannt, klang plötzlich wie ein Mann, der sich ernsthaft über eine vergebene Chance ärgerte.

Dabei hatte es gar nicht schlecht begonnen. Schon in der 5. Minute prüfte Linksverteidiger Bernd Jahn den Eicheder Keeper Argün Gönül aus der Distanz - ein Schuss wie ein Hilferuf: "Hallo, wir sind da!" Die Zuschauer freuten sich, manche winkten mit Bechern, andere mit Bratwürsten. Weiler spielte offensiv, mutig, vielleicht manchmal zu mutig.

In der 31. Minute dann der Dämpfer: Eichedes Leandro de Torre, dieser elegante Linksfuß mit südamerikanischem Einschlag, bekam den Ball von Vincent Ring serviert, drehte sich einmal um die eigene Achse und schob lässig zum 0:1 ein. "Der war unhaltbar, auch wenn ich’s gern anders sähe", meinte Weilers junger Torwart Hanns Peter (17), der nach dem Spiel mit einem leicht schiefen Lächeln in die Kabine schlurfte.

Doch Weiler antwortete, und zwar mit Stil. In der 44. Minute startete Samuel Erskine über links, passte punktgenau zu Michael Siebert, der trocken ins rechte Eck einschob - 1:1! Das Stadion tobte, der Stadionsprecher überschlug sich fast. "Endlich belohnen wir uns!", rief ein Fan auf der Tribüne, der offenbar schon länger auf diesen Moment gewartet hatte.

Die Freude hielt allerdings kaum eine Minute. Direkt vor der Pause, in der 45., konterte Eichede eiskalt: de Torre flankte, Vincent Alves köpfte, und plötzlich war es wieder still in Weiler. 1:2 - und man spürte, dass dieser Treffer einen Knacks hinterlassen hatte.

In der Kabine soll Trainer Raiola laut geworden sein. "Wenn ihr so weiterspielt, macht ihr Gönül zum Helden!", soll er gerufen haben. Die Spieler nickten, tranken isotonische Getränke - und rannten in der zweiten Halbzeit an.

Chancen gab es zuhauf: Jannick Fritsch (42., 63., 78., 85.) scheiterte gleich viermal am glänzenden Eichede-Keeper, Siebert wurde nach gut einer Stunde ausgewechselt, und der junge Jürgen Linke versuchte es mit jugendlichem Übermut. Auch Felipe Gama, frisch eingewechselt, setzte in der 87. Minute noch einen Schuss ans Außennetz. Es war der Abend der Beinahe-Tore.

Eichede blieb derweil cool. Trainerin Jana Frost stand an der Seitenlinie, verschränkte die Arme und sah zufrieden aus. "Wir haben das hier nicht schön, aber clever gemacht", sagte sie später. "Manchmal reicht das." Ihre Mannschaft kassierte zwar eine Gelbe Karte - Innenverteidiger Javi Brito für ein taktisches Foul in der 67. Minute -, blieb ansonsten diszipliniert.

Die Taktik? Beide Teams offensiv, aber mit unterschiedlichen Philosophien. Weiler suchte den schnellen Abschluss, Eichede das präzise Zuspiel. Es war ein Duell zwischen Leidenschaft und Kontrolle - und diesmal gewann die Kontrolle.

"Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen", erklärte Raiola nach der Partie. "Wir haben gekämpft, gespielt, gearbeitet - aber Fußball ist halt kein Wunschkonzert." Neben ihm nickte Torschütze Siebert, der noch kurz zuvor auf Instagram gepostet hatte: "Ein Tor, aber kein Happy End."

Auf der Heimfahrt summte der Busfahrer angeblich "Always Look on the Bright Side of Life". Vielleicht als kleine Erinnerung daran, dass es im Fußball manchmal nur um Zentimeter geht - oder um Sekunden zwischen Jubel und Ernüchterung.

Und so blieb den Fans von Weiler im Allgäu am Ende nur der Trost, dass ihre Mannschaft trotz Niederlage alles gegeben hatte. "Wir kommen wieder", versprach ein älterer Herr beim Verlassen des Stadions. "Und dann schießen wir das dritte Tor selbst."

Wenn die Leidenschaft Punkte gäbe, stünde Weiler jetzt ganz oben. Aber die Tabelle kennt kein Mitleid - nur Tore. Und die hatte an diesem Abend Eichede eben zwei.

28.12.643993 00:55
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