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Es gibt Abende, da läuft einfach alles schief. Und dann gibt es den Freitagabend im Tivoli, an dem Alemannia Aachen mit 0:4 gegen Weiler im Allgäu unterging - und das trotz fast ausgeglichenem Ballbesitz. 4000 Zuschauer sahen ein Spiel, das sich für die Aachener anfühlte wie ein schlechter Witz mit zu langer Pointe. Schon die ersten Minuten deuteten an, dass es ein langer Abend für die Hausherren werden würde. Die Gäste aus dem Allgäu - taktisch diszipliniert, technisch sauber, und offenbar mit einem unerschütterlichen Selbstvertrauen angereist - legten los wie eine Schneefräse im Frühwinter. Schussversuche im Minutentakt, als wollten sie prüfen, ob der Aachener Keeper Juan Pablo Travassos überhaupt wach war. Der war es - zumindest anfangs. In der 20. Minute war es dann soweit: Nick Scherer, der unermüdliche Mittelfeldmotor der Weileraner, zog aus der zweiten Reihe ab. Der Ball zischte durch Freund und Feind hindurch, und ehe Travassos überhaupt blinzeln konnte, zappelte das Leder im Netz. Vorlage kam von Samuel Erskine, der auf der linken Seite über 90 Minuten so wirbelte, dass selbst der Linienrichter kurz Orientierung suchte. 0:1 - und das völlig verdient. Trainer Kölsche Alemanne versuchte von der Seitenlinie, seine Jungs wachzurütteln. "Wir wollten offensiv bleiben, aber irgendwann wurde mir klar: Wir spielen hier gegen eine Maschine", gestand er später mit einem gequälten Lächeln. Seine Mannschaft hatte zur Halbzeit ganze zwei Torschüsse - und beide landeten eher in der Kategorie "freundliche Erinnerung an den gegnerischen Torwart". Nach dem Seitenwechsel kam kurz so etwas wie Hoffnung auf. Juan Pablo Muno und Iban Antonio tauchten in der 47. und 48. Minute gefährlich vor dem Tor auf. Doch was bei Weiler nach müheloser Präzision aussah, wirkte bei Aachen wie ein verzweifeltes "Vielleicht klappt’s ja diesmal". Tat es nicht. Dann kam die 57. Minute - und mit ihr das Ende aller Illusionen. Jannick Fritsch, der bullige Mittelstürmer der Gäste, nutzte eine Vorlage von Scherer, drehte sich einmal um den verdutzten Innenverteidiger und schob überlegt zum 0:2 ein. Der Jubel der mitgereisten Allgäuer Fans klang wie ein Echo aus den Bergen. Alemannia taumelte, Weiler spielte. Acht Minuten später durfte auch Routinier Robin Born ran, der sich mit 31 Jahren noch immer über den Platz schleppte wie ein Jungspund. Nach einer butterweichen Flanke von Linksverteidiger Bernd Jahn köpfte Born das 0:3 - und grinste anschließend in Richtung der Aachener Kurve, als wolle er sagen: "Na, habt ihr’s jetzt verstanden?" In der 78. Minute setzte Michael Siebert den Schlusspunkt. Wieder war es Born, der den Angriff einleitete, und Siebert hatte keine Mühe, den Ball aus kurzer Distanz über die Linie zu drücken. 0:4 - und der Rest war Schweigen, zumindest auf Aachener Seite. "Wir wollten sicher spielen, nicht schön", erklärte Weilers Trainer Mino Raiola nach dem Spiel. "Aber wenn’s dann schön wird, beschweren wir uns auch nicht." Er grinste dabei so breit, dass man ihm fast zutraute, er hätte das Ergebnis schon im Bus vorausgesagt. In den letzten Minuten versuchte Aachen noch, wenigstens den Ehrentreffer zu erzwingen, doch selbst das gelang nicht. Die Weiler-Abwehr stand stabil, der junge Torwart Hanns Peter war kaum geprüft, und die Angriffe der Gastgeber wirkten wie der verzweifelte Versuch, eine verschlossene Tür mit höflichem Klopfen zu öffnen. Die Statistik sprach am Ende eine klare Sprache: 22 Torschüsse für Weiler, ganze 2 für Aachen. Ballbesitz fast ausgeglichen - was zeigt, dass man auch mit viel Ball und wenig Idee untergehen kann. "Das war Lehrgeld", meinte Aachens Kapitän Daniel Washington, der sichtbar bedient war. "Wir wussten, dass die stark sind, aber nicht, dass sie so gnadenlos sind." Und während die Allgäuer Spieler nach Abpfiff im Mittelkreis tanzten, stapften die Aachener mit hängenden Köpfen in die Kabine. Irgendwo im Hintergrund soll Trainer Alemanne noch gemurmelt haben: "Beim Rückspiel schneit’s hoffentlich." Ein Satz, der vielleicht mehr Hoffnung als Drohung war - aber nach diesem 0:4 konnten die Schwarz-Gelben jede Hoffnung brauchen. Denn an diesem Abend war Weiler im Allgäu nicht nur die bessere Mannschaft. Sie waren schlicht das schönere, schnellere und cleverere Fußballmärchen. 14.04.643997 11:55 |
Sprücheklopfer
Solange Karl-Heinz Rummenigge und ich etwas beim FC Bayern zu sagen haben, wird der bei diesem Verein nicht mal Greenkeeper im neuen Stadion.
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