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15127 Zuschauer im schmucken Stadion an der Rottach sahen am Samstagabend ein Spiel, das sich anfühlte wie eine Achterbahnfahrt ohne Anschnallgurt. Weiler im Allgäu führte zur Pause 2:1, spielte mutig, bissig - und stand am Ende doch mit leeren Händen da. Wismut Aue gewann den 26. Spieltag der 3. Liga mit 3:2 und zeigte, dass Effektivität manchmal einfach schöner ist als Ballkunst. Dabei begann alles so idyllisch wie ein Sommerabend im Allgäu: kaum hatten sich die Zuschauer hingesetzt, zappelte der Ball schon im Netz. In der 2. Minute traf der 18-jährige Prokhor Jaroslawzew für Aue - eiskalt, als hätte er nicht erst gestern seinen Schulabschluss gefeiert. "Ich hab einfach draufgehalten, und plötzlich jubelten alle - sogar ich", grinste der Teenager nach Spielende. Die Vorlage kam vom quirligen Salvatore Papasidero, der an der Seitenlinie so flink wirbelte, dass selbst die Linienrichter kurz ins Schwitzen kamen. Doch Weiler ließ sich vom frühen Rückstand nicht schrecken. Trainer Mino Raiola, bekannt für seine impulsive Körpersprache, brüllte von der Seitenlinie: "Jungs, das ist kein Museumsbesuch - bewegt euch!" Und sie bewegten sich. Besonders Ben Meister, 20 Jahre jung, flankte, rannte, schoss - und traf schließlich in der 28. Minute zum Ausgleich. Nach schöner Vorarbeit von James Hoskins drosch er den Ball unter die Latte. "Ich wollte den eigentlich flach spielen", lachte Meister später, "aber der Ball hatte andere Pläne." Weiler bekam Oberwasser, Aue wankte - und kurz vor der Pause fiel die Führung. Jürgen Linke, der bullige Rechtsaußen, verwertete eine Vorlage von Linus Berger zum 2:1 (43.). Das Stadion tobte, die Fans sangen, und Raiola klatschte seine halbe Ersatzbank ab. Zur Halbzeit sah alles nach einer kleinen Sensation aus. Die Statistik sprach ebenfalls für die Hausherren: 11 Torschüsse zu 5, mehr gewonnene Zweikämpfe (54 Prozent) und eine Mannschaft, die rackerte, als gäbe es Bonusmeilen fürs Laufen. Nur beim Ballbesitz hatte Aue mit 56 Prozent leicht die Nase vorn - wohl das Ergebnis ihres geduldigen Kurzpassspiels. Doch dann kam die zweite Halbzeit - und mit ihr die große Wende. Nach einer Stunde musste Weilers Rechtsverteidiger Oliver Breadalbane verletzt raus. "Ich hab’s knacken gehört, hoffentlich war’s nur die Schienbeinschonerhalterung", murmelte er beim Abgang. Drei Wechsel folgten bei Weiler, die Ordnung ging verloren. Aue witterte seine Chance - und nutzte sie eiskalt. In der 71. Minute traf Danko Kahriman nach einem feinen Doppelpass mit Olivier DeBrosse zum Ausgleich. Kaum hatten die Heimfans den Schock verdaut, klingelte es erneut: Zwei Minuten später schlenzte Karl Dahlstrom den Ball aus 18 Metern ins lange Eck - 3:2 für Aue (73.). "Ich hab einfach mal draufgehalten, weil keiner kam", grinste Dahlstrom, "und dann dachte ich: Ach, schön, dass das Ding drin ist." Weiler versuchte alles. Emil Musiala prüfte Aues Keeper Alfonso Barros (81.), Heinrich Foerster setzte einen Distanzschuss knapp neben den Pfosten (82.) - aber das Spielglück war in lila-weißem Besitz. In der Nachspielzeit gab’s noch Gelb für Kahriman und Weilers Youngster Bernd Maass, der nach einem rustikalen Einsteigen wohl zu viel Herzblut zeigte. "Er wollte den Ball, hat aber den halben Gegner erwischt", kommentierte Trainer Raiola trocken. Nach Abpfiff atmete Aues Coach Thomas Freitag tief durch. "Zwei Tore in zwei Minuten - das ist dann wohl, was man Effizienz nennt", sagte er, während sein Co-Trainer im Hintergrund bereits die Kiste isotonischer Getränke öffnete. Mino Raiola hingegen stapfte mit hochrotem Kopf durch die Mixed Zone. "Wir haben 70 Minuten dominiert, dann zwei Minuten gepennt. Das reicht im Profifußball, um den Abend zu ruinieren." Unterm Strich war’s ein Spiel, das alles bot: junge Wilde, taktische Brüche, Dramatik und zwei Teams, die unterschiedlicher kaum hätten sein können - Aue pragmatisch, Weiler romantisch. Und während die letzten Fans noch an der Würstchenbude diskutierten, fasste ein älterer Herr auf der Tribüne das Geschehen perfekt zusammen: "Schön gespielt, falsch gewonnen." Vielleicht ein Satz, den man sich in Weiler für die nächste Woche hinter die Kabinentür hängen sollte. 16.08.644003 06:12 |
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Otto Rehhagel