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Es war ein bitterkalter Januarabend in Krakau, doch die 20.000 Zuschauer im Stadion erlebten ein Spiel, das ihnen ordentlich einheizte - wenn auch nicht im gewünschten Sinne für die Fans von Wista Krakau. Am Ende stand ein deutliches 1:3 (0:2) gegen die frech aufspielenden Gäste aus Gdansk, die mit jugendlicher Unbekümmertheit und einem Hauch von Wahnsinn antraten. "Wir wollten mutig auftreten - und das taten wir", grinste BKS-Coach Mike Matt nach dem Abpfiff, während er seine Handschuhe klatschen ließ. Mutig war das tatsächlich: Schon in der Anfangsphase legten die Nordlichter los wie ein Eishockeyteam auf Speed. 20 Torschüsse, aggressive Zweikämpfe, und vorne ein 19-jähriger Sebastian Mencel, der sich aufführte, als sei er die Reinkarnation von Lewandowski. Der erste Wirkungstreffer kam in der 26. Minute: Dennis Nawalka, der flinke Linksaußen, zog nach einem Pass von Innenverteidiger Bartosz Klose (!) ab - und jagte den Ball humorlos in den Winkel. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Nawalka später, "wir trainieren das so - naja, meistens." Wista Krakau, taktisch solide, aber ohne zündende Idee, hatte zwar mehr Ballbesitz (55 Prozent), wirkte aber so, als würde man mit angezogener Handbremse in einen Bergpass fahren. Der erste ernsthafte Versuch kam von Rafael Lopez in der 25. Minute, doch BKS-Keeper Mariusz Gorawski war auf dem Posten und fischte den Ball aus dem Eck. Dann kam Minute 42 - und der zweite Stich: Ilias Rogocz, der elegante Linksfuß mit der etwas zu weit geschnittenen Hose, traf nach klugem Zuspiel des Teenagers Adam Zuraw zum 0:2. Wista wirkte konsterniert. "In der Kabine war’s dann laut", verriet Kapitän Grigori Loskow, "nicht nur wegen des Föhns." Nach der Pause schien Krakau kurzzeitig die Kontrolle zu übernehmen. Alfonso Viejo, der rechte Mittelfeldmann mit dem Namen eines Flamenco-Stars, erzielte in der 62. Minute den Anschlusstreffer - nach einem feinen Zuspiel von Mason Crichton. Das Stadion tobte, Krakau schnupperte Morgenluft. "Da dachte ich, jetzt kippt das Spiel", murmelte Trainerassistent Kowalski später, "aber dann... na ja." Denn statt zu kippen, kippte es hinten: Innenverteidiger Michael Henderson, ohnehin schon verwarnt, kassierte nach einem rustikalen Einstieg in der 82. Minute Gelb-Rot. Es war die Szene, die den Abend endgültig entschied. Henderson stapfte vom Platz, während Mike Matt an der Seitenlinie schmunzelte: "Er hat wohl gedacht, es gibt Punkte für Härte." In der Nachspielzeit setzte der eingewechselte 17-jährige Linus Wojcicki den Schlusspunkt. Nach Pass von Herman Kraft schob er cool zum 1:3 ein - sein erstes Profitor. "Ich hatte einfach keine Zeit, nervös zu sein", sagte Wojcicki, noch mit Pickeln und breitem Grinsen. Statistisch gesehen hätte Wista das Spiel vielleicht sogar gewinnen können - mehr Ballbesitz, ordentliche Passquote, aber zu wenig Zielstrebigkeit. Acht Torschüsse sind eben zu wenig, wenn der Gegner 20-mal abzieht. BKS spielte kompromisslos offensiv, aggressiv, und mit diesem gewissen Wahnsinn, der junge Teams oft gefährlich macht. Die Zuschauer, zumindest die neutralen, bekamen ein Spektakel. Es gab Karten (fünf Gelbe, eine Gelb-Rote), Dramatik und den Beweis, dass Jugend und Risiko sich manchmal auszahlen. Krakau dagegen wirkte, als sei man zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Der Routinier Laurent Gramont fasste es nach dem Spiel trocken zusammen: "Wir haben 90 Minuten gespielt, aber die anderen Fußball." Das Fazit: BKS Gdansk feiert einen verdienten Sieg, Wista Krakau muss sich fragen, warum 55 Prozent Ballbesitz und Routine nicht reichen, wenn der Gegner einfach mehr Herz zeigt. "Wir waren zu brav", gab Wista-Kapitän Loskow zu. "Manchmal muss man sich auch mal die Knie schmutzig machen." Ein Satz, den sich die Krakauer wohl hinter die Kabinentür schreiben sollten - direkt neben den Spiegel. Denn die Saison ist noch jung, aber die Zweifel wachsen. Und irgendwo in Gdansk lacht gerade ein 17-Jähriger, der noch gar nicht realisiert hat, dass er heute Geschichte geschrieben hat. Und Wista? Die dürften, wie man so schön sagt, "eine Nacht drüber schlafen" - möglichst ohne Albträume von einem aufgedrehten BKS-Sturmtrio, das ihnen den Abend zum Lehrfilm machte. 16.03.643987 03:20 |
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Ich bin der linke, mittlere, defensive Offensivspieler.
Christian Ziege