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Es war ein kalter Januarabend in Plock, aber 49.095 Zuschauer wärmten das Stadion mit Leidenschaft, Gesängen und gelegentlichem Aufstöhnen. Am Ende jubelten sie über ein spätes 1:0 ihres Teams Wista Plock gegen den SK Pruszkow - ein Ergebnis, das nüchtern klingt, aber eine Geschichte von verpassten Chancen, Geduld und einem mutigen Linksverteidiger erzählt. Von Beginn an machte Wista Plock klar, wer Herr im Haus ist. Trainer Bryan Adams - ja, er hört die Sprüche über seinen Namen mit stoischer Gelassenheit - hatte seine Mannschaft offensiv eingestellt. "Wir wollten sie hinten rein drücken, aber nicht verbrennen", erklärte er später mit einem Grinsen. Seine Elf schoss, flankte und drängte, als gäbe es Punkte für Torschüsse: 22 an der Zahl, aber der Ball wollte einfach nicht rein. Vor allem Francisco Butragueno, der rechte Flügelstürmer, hatte einen jener Abende, die zugleich bewundernswert und tragikomisch sind. Schon in der 4. Minute prüfte er den Pruszkower Keeper Humberto Miguel, dann wieder in der 22., 25. und 39. Minute - stets mit dem gleichen Ergebnis: Applaus von den Rängen, Kopfschütteln beim Stürmer. "Ich dachte irgendwann, das Tor ist verflucht", sagte Butragueno mit einem halben Lächeln nach Abpfiff. Auf der anderen Seite tat sich SK Pruszkow schwer. Trainer Stefan Petruck hatte seine junge Truppe - das Durchschnittsalter lag knapp über 22 - auf Konter eingestellt. Doch bis zur 60. Minute kam von ihnen offensiv praktisch nichts. Nur Christopher Preston, der flinke Linksaußen, wagte einen Schuss auf das Tor - der einzige für Pruszkow im gesamten Spiel. "Wir wollten nicht nur verteidigen", beteuerte Petruck, "aber Wista hat uns keine Luft gelassen." Die erste Halbzeit endete torlos, aber nicht ereignislos. Wista hatte Chancen im Minutentakt, während Pruszkow den Ball eher als seltenen Gast behandelte. 58 Prozent Ballbesitz für die Hausherren sprechen eine deutliche Sprache, ebenso wie die Zweikampfquote (60 zu 40 Prozent). Nach der Pause änderte sich das Bild kaum. Gabor Obitz prüfte den Torwart mehrfach (70., 71., 75. Minute), Kamil Adamski drosch den Ball in die Wolken - und selbst der linke Verteidiger Daniel Couture versuchte sich in der 61. Minute an einem Distanzschuss. Der Kanadier, sonst eher für Grätschen bekannt, war an diesem Abend in Spiellaune. "Ich hatte irgendwann das Gefühl, ich muss es selbst machen", scherzte er später. Und tatsächlich: In der 85. Minute wurde er zum Helden. Nach einer butterweichen Flanke von Franck Brun stieg Couture am höchsten und köpfte den Ball unhaltbar ins Netz. 1:0. Das Stadion bebte. Der Torschütze rannte jubelnd zur Eckfahne, wo ihn seine Teamkameraden fast erdrückten. Nur Sekunden später erhielt er die gelbe Karte - offenbar wegen übertriebenen Jubels. "Wissen Sie, wenn man so selten trifft, darf man auch mal übertreiben", lachte Couture später. Pruszkow versuchte in der Schlussphase noch einmal alles. Petruck brachte drei frische Kräfte: den 19-jährigen Domenik Szymkowiak, den 18-jährigen Zbigniew Spizak und den 17-jährigen Yves Schäfer. Jugend forscht - aber ohne Wirkung. Ein einziges Mal wagte sich Szymkowiak in den Strafraum, doch Wistas Verteidiger Alfonso Velez räumte kompromisslos ab. Nach dem Schlusspfiff war die Erleichterung groß. Trainer Adams klatschte jeden seiner Spieler ab und wirkte, als wäre ihm ein Gebirge vom Herzen gefallen. "Wir hätten das Spiel früher entscheiden müssen", gab er zu. "Aber Fußball ist manchmal wie Rockmusik - du brauchst den richtigen Rhythmus, bevor du triffst." Auf der Pressekonferenz wirkte Petruck dagegen gefasst: "Wir haben uns teuer verkauft. Wenn du 89 Minuten verteidigst und dann so fällst, tut’s weh. Aber das ist Lehrgeld." Für Wista Plock war es ein Sieg der Moral - und der Geduld. Für Pruszkow eine Lehrstunde in Sachen Abwehrarbeit und Leidensfähigkeit. Und für die Zuschauer ein Beweis, dass selbst ein 1:0 ein Drama in 90 Akten sein kann. Daniel Couture wurde zum Mann des Abends gewählt, nicht nur wegen seines Tores, sondern wegen seiner unermüdlichen Präsenz. Sein Trainer fasste es trocken zusammen: "Er hat heute alles gemacht - verteidigt, geschossen, gejubelt, verwarnt worden. Ein kompletter Abend." Am Ende blieb die Erkenntnis: Fußball kann gnadenlos sein, wenn du 21 Mal daneben schießt - oder schön, wenn du beim 22. Mal triffst. Und irgendwo in der Umkleide, so hört man, soll Francisco Butragueno gescherzt haben: "Beim nächsten Mal schieße ich einfach Couture an - das scheint zu funktionieren." 02.05.643987 01:49 |
Sprücheklopfer
Die Vögel haben noch nicht gezwitschert, als ich gegangen bin.
Mario Basler nach einer Geburtstagfeier von Didi Hamann, die er erst um 3.00 Uhr früh verließ