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Wista Plock siegt souverän - BKS Gdansk rennt vergeblich an

Es war ein kalter, windiger Abend an der Ostsee, als 36.055 Zuschauer in der Arena von Gdansk zusammenrückten, um zu sehen, ob ihre junge Truppe von BKS Gdansk dem routinierten Wista Plock Paroli bieten könnte. Nach 90 Minuten, einigen verzweifelten Abwehraktionen und zwei eiskalten Treffern stand fest: Nein, konnte sie nicht. Wista Plock gewann am 6. Spieltag der 1. Liga Polen mit 2:0 (1:0) - und das völlig verdient.

Bereits früh zeigte sich, dass die Gäste den besseren Plan - und vor allem bessere Nerven - hatten. In der 9. Minute spielte Maurice Peltier von rechts eine flache Hereingabe, die Jack Matheson mit der Präzision eines Uhrwerks ins lange Eck schob. 1:0 für Plock, und die Heimfans stöhnten im Chor. "Wir waren da noch im Halbschlaf", gestand BKS-Trainer Mike Matt nach dem Spiel. "Und wenn man gegen so eine erfahrene Truppe wie Plock pennt, dann klingelt’s halt."

Was danach folgte, war ein ungleiches Kräftemessen zwischen jugendlichem Enthusiasmus und abgeklärter Routine. BKS rannte, kämpfte und rutschte - Wista spielte. Die Gäste ließen den Ball laufen und die Gegenspieler hinterherhecheln. 54 Prozent Ballbesitz sprechen eine deutliche Sprache, und die 16 Torschüsse der Gäste standen gerade einmal vier von Gdansk gegenüber.

Immer wieder tauchte Francisco Butragueno gefährlich im Strafraum auf. Der 31-jährige Spanier, ein Stürmer alter Schule, machte in der 68. Minute alles klar: Nach einer butterweichen Flanke von Dejan Vucicevic nahm er den Ball volley und versenkte ihn trocken im rechten Eck. 2:0 - der Rest war nur noch Ergebniskosmetik. "Ich hatte das Gefühl, der Ball wollte selbst rein", lachte Butragueno später. "Vielleicht war ihm einfach kalt da draußen."

Gdansk versuchte es weiter mit langen Bällen und jugendlicher Unbekümmertheit, aber mehr als zwei harmlose Schüsse von Linus Wojcicki (17.) und Jacek Majewski (80.) sprangen nicht heraus. Es fehlte an Präzision, manchmal auch an Mut. Der 17-jährige Wojcicki wirkte nach seinem zweiten vergebenen Schuss völlig frustriert, bis ihm Kapitän Grzegorz Wilczek aufmunternd auf die Schulter klopfte. "Kopf hoch, Linus", soll Wilczek gerufen haben, "irgendwann triffst du nicht nur die Eckfahne."

Während Gdansk rackerte, blieb Wista cool - vielleicht zu cool. In der 41. Minute sah Rechtsverteidiger Peltier Gelb nach einem rustikalen Einsteigen, und kurz vor Schluss erwischte es auch Abwehrchef Hemming Vinther, der für ein taktisches Foul die Karte sah. "Das war ein Foul aus Liebe zum Spiel", meinte Vinther schmunzelnd.

BKS’ Trainer Matt stand nach dem Abpfiff mit verschränkten Armen an der Seitenlinie und blickte lange auf den Rasen. "Wir haben Herz gezeigt, aber Herz allein gewinnt keine Spiele. Vielleicht hätten wir auch mal den Ball treffen sollen", sagte er trocken. Seine junge Truppe - das Durchschnittsalter lag bei gerade einmal 21 Jahren - zahlte an diesem Abend Lehrgeld.

Auf der anderen Bank war die Stimmung gelöster. Wista-Coach Bryan Adams (nicht verwandt, aber fast genauso melodisch in seinen Antworten) grinste: "Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert. Wir wollten offensiv spielen, sicher kombinieren und wenig riskieren - genau das haben die Jungs umgesetzt."

Taktisch trat Plock von Beginn an offensiv auf, mit viel Bewegung über die Flügel. Matheson und Vucicevic sorgten permanent für Überzahl, während Obitz als zentraler Zielspieler Räume schuf. BKS dagegen blieb bei einer ausgewogenen, aber harmlosen Ausrichtung - aggressiv, ja, aber ohne zündende Idee. Pressing? Fehlanzeige. "Wir haben auf den richtigen Moment gewartet", erklärte Matt später. Der Moment kam jedoch nie.

Als Schiedsrichter Kowalski das Spiel nach 96 Minuten abpfiff, brandete höflicher Applaus auf - vielleicht auch aus Mitleid. Die Fans von BKS wissen, dass ihre Mannschaft eine Investition in die Zukunft ist. Junge Talente, viel Laufarbeit, aber eben noch zu wenig Abgeklärtheit.

Wista Plock dagegen schleicht sich leise, aber konstant nach oben. Zwei Tore, drei Punkte, keine großen Worte. "So spielt man auswärts", kommentierte Kapitän Matheson nüchtern. "Nicht schön, aber effizient."

Und irgendwo in der Kabine von BKS Gdansk soll Linus Wojcicki nach dem Spiel gesagt haben: "Ich hab mir vorgenommen, beim nächsten Mal wenigstens den Pfosten zu treffen." Trainer Matt soll daraufhin geantwortet haben: "Dann sind wir ja schon einen Schritt weiter."

Ein bitterer, aber lehrreicher Abend für Gdansk - und ein souveräner Sieg für Plock. Wenn Routine auf jugendlichen Übermut trifft, gewinnt eben meist die Erfahrung. Und manchmal auch Francisco Butragueno.

27.03.643987 17:08
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