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20.000 Zuschauer im ausverkauften Stadion an der Weichsel froren sich am Dreikönigsabend die Hände wund, klatschten trotzdem unermüdlich - und gingen am Ende kopfschüttelnd nach Hause. Wista Krakau ist in der ersten Pokalrunde an Lesh Posen gescheitert. Mit 0:1. Kein Drama mit Elfmeterschießen, kein Spektakel - aber ein Lehrstück in Sachen Effizienz. Dabei begann alles verheißungsvoll. Schon in der 2. Minute prüfte Gudbrand Jonsson den Posener Keeper Carlos Peretz mit einem satten Schuss aus der zweiten Reihe. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen, als er plötzlich wieder vor mir lag", lachte Peretz später, "das war der Weckruf, den ich gebraucht habe." Und tatsächlich: Ab da stand der 24-jährige Schlussmann wie eine Wand. Wista dominierte, zumindest optisch. 52,8 Prozent Ballbesitz, 12 Schüsse aufs Tor - aber nichts Zählbares. Alfonso Viejo drosch in der 14. Minute knapp vorbei, Iulian Filipescu zirkelte in der 15. Minute über die Latte, Adrian Gorski köpfte in der 20. Minute Peretz direkt in die Arme. Die Fans sangen, als wollten sie das Tor herbeischreien. Doch Tore, das weiß man in Krakau, haben bekanntlich ihren eigenen Kopf. Und der hatte an diesem Abend eine französische Frisur: Sebastien Baillon. 20 Jahre jung, rechte Außenbahn, flink wie ein Windhund. In der 52. Minute bekam er von Jakub Majak einen Pass in den Lauf, zog nach innen und versenkte den Ball trocken ins lange Eck - 0:1. "Ich hab einfach nicht nachgedacht", grinste Baillon nach dem Spiel und sah dabei aus, als wäre er gerade aus dem Mathekurs geflüchtet. "Vielleicht ist das das Geheimnis." Wista-Trainer - sein Name ging in der Pokalstatistik fast unter - raufte sich an der Seitenlinie die Haare, während sein Gegenüber Tomasz Wojciechowski ruhig blieb wie ein Schachspieler. "Wir wussten, dass Krakau kommen würde", sagte Wojciechowski später mit einem Schulterzucken. "Also haben wir gewartet, bis sie kamen - und dann getroffen." Ab der 60. Minute wurde die Partie härter. Gelb für Leshs Hermann Koch (bereits in der 9. Minute) war da nur der Anfang. In der 79. sah Asier Figueras ebenfalls Gelb, in der 89. folgte Simeon Athanasiadis - und in der Nachspielzeit schließlich auch Wistas Filipescu, der sich offenbar dachte: Wenn schon raus, dann wenigstens mit Farbe. "Der Schiri hat heute schnell gezückt", murrte Filipescu nach dem Abpfiff. "Vielleicht wollte er sich aufwärmen." Wista rannte an, aber es blieb beim guten Willen. In der 87. Minute hatte Filipescu selbst noch einmal die Chance zum Ausgleich, doch sein Schuss landete - erraten - in den Armen von Peretz. Der Torwart klopfte dem Ball danach liebevoll auf die Lederhaut, als wollte er sagen: "Gut gemacht, mein Freund." Statistisch war es ein enges Spiel: 14 Schüsse aufs Tor für Lesh, 12 für Wista. Die Gastgeber hatten leicht mehr Ballbesitz, Posen dafür die bessere Zweikampfquote (51,5 Prozent). In der Summe: nüchterne Zahlen, die erzählen, was jeder im Stadion fühlte - Wista kämpfte, aber Posen traf. Nach dem Abpfiff sanken einige Krakauer Spieler auf den Rasen, während die Posener Ersatzbank jubelnd in Richtung Auswärtsblock lief. Wojciechowski, sonst nicht für Pathos bekannt, umarmte Baillon so fest, dass dem jungen Franzosen kurz die Luft wegblieb. "Er hat gesagt, ich soll mir den Ballrahmen aufstellen lassen", kicherte Baillon später. In der Mixed Zone klang die Stimmung bei Wista gedrückt. "Wir haben alles versucht, aber die Kugel wollte heute nicht rein", seufzte Kapitän Nusret Bulut. Sein Blick wanderte zur Anzeigetafel, wo das 0:1 noch leuchtete. "Vielleicht sollten wir sie einfach abmontieren." Der Pokal hat seine eigenen Gesetze, heißt es. An diesem Abend schien eines davon zu lauten: Wer weniger Ballbesitz hat, aber ein bisschen mehr Glück, kommt weiter. Lesh Posen zieht verdient in die zweite Runde ein - mit einer Portion Kaltschnäuzigkeit und einer Prise Humor. Wista dagegen muss sich an die alte Fußballweisheit erinnern: Nicht der Schöne gewinnt, sondern der Treffende. Oder, wie Trainer Wojciechowski es trocken zusammenfasste: "Manchmal reicht ein Schuss. Heute war’s der richtige." Und so verabschiedete sich Krakau aus dem Pokal, während die Posener Spieler im Bus Richtung Heimat sangen. Die Wista-Fans blieben noch ein wenig stehen, als wollten sie sicher sein, dass das Flutlicht wirklich ausging. Manche Dinge erlöschen eben langsamer als ein Ergebnis auf der Anzeigetafel. 17.03.643987 18:39 |
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Ich habe immer gesagt, dass ich niemals nach Österreich wechseln würde.
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