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Ein Mittwochabend in Wolfratshausen, Flutlicht, 5016 Zuschauer und ein Regionalligaspiel, das mehr Drama bot, als es der nüchterne Endstand von 2:1 vermuten lässt. Nach 90 Minuten intensiven Fußballtheaters blieb der FK Pirmasens mit leeren Händen zurück, während die jungen Wilden aus Wolfratshausen jubelnd in den Abendhimmel blickten. Schon die ersten Minuten deuteten an, dass die Hausherren an diesem 3. Spieltag der Regionalliga B mehr Lust auf Ballbesitz hatten als auf Zurückhaltung. 58 Prozent Kontrolle am Ball, 17 Torschüsse - das liest sich wie eine Vorlesung in Dominanz, doch die Statistik allein gewann das Spiel nicht. "Wir wollten ruhig bleiben, aber manchmal war’s eher Nervenflattern als Ruhe", gab Trainer Ferdinand Meyer später mit einem Schmunzeln zu. Die Partie begann hektisch: Bereits in der 2. Minute prüfte Innenverteidiger Knut Conrad den gegnerischen Keeper Dennis Frei mit einem Schuss, der wohl eher als freundliche Begrüßung durchging. Pirmasens antwortete postwendend - Hugo Alves, der Mann mit der linken Klebe, zwang Wolfratshausens Torwart Serge Eder in der 5. Minute zu einer Flugeinlage, die selbst die Fotografen auf der Haupttribüne überrascht haben dürfte. Richtig Fahrt nahm das Spiel dann in der 33. Minute auf: Pirmasens’ Alexander Satchmore vollendete nach feinem Zuspiel von Archie MacAlister zum 0:1. Lehrbuchmäßig, schnörkellos, eiskalt - und genau das, was die defensive Ausrichtung von Trainerin Gudrun Schweitzer eigentlich verhindern sollte. "Wir wollten gar nicht so früh treffen", witzelte Satchmore später, "aber wenn Archie so einen Ball spielt, machst du den halt rein." Die Freude der Gäste währte allerdings so kurz wie ein Espresso in der Halbzeitpause. Nur eine Minute später setzte sich der 19-jährige Leon Born auf der linken Seite durch und wuchtete das Leder nach Vorarbeit von Ole Krog in die Maschen - 1:1. Das Stadion kochte, und Born grinste nach dem Tor, als hätte er gerade die Lottozahlen erraten. "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn ich nachdenke, geht’s meistens schief", erklärte er lachend. Mit diesem Doppelschlag endete eine erste Halbzeit, in der Wolfratshausen alles tat, um das Spiel zu kontrollieren, während Pirmasens auf Konter lauerte - ganz im Stil der Schweitzer-Schule: defensiv, aggressiv, aber niemals hektisch. Nach dem Seitenwechsel versuchte Pirmasens, den Rhythmus zu stören, brachte David Bernier für Satchmore, doch die Offensivkraft blieb begrenzt. Die Gäste kamen insgesamt auf nur sechs Torschüsse - ein Wert, der Coach Schweitzer spürbar wurmte. "Wir standen gut, aber nach vorne war’s... na ja... wie ein Auto mit leerem Tank", seufzte sie in der Pressekonferenz. Wolfratshausen dagegen drehte weiter an der Schraube. Conrad, Krog, Carracedo, Monroe - sie alle feuerten aus der Distanz, aber Frei im Pirmasenser Tor hielt, was zu halten war. Bis zur 79. Minute. Da nämlich schnappte sich der 23-jährige Ovidiu Dembrovschi einen Pass von - man höre und staune - Innenverteidiger Knut Conrad, drehte sich kurz, und schlenzte den Ball unhaltbar ins rechte Eck. 2:1. Das Stadion explodierte. Conrad, der Abwehrhüne, rannte jubelnd über den halben Platz, als hätte er selbst getroffen. "Ich hab’s gesehen - der Junge war frei, also hab ich’s riskiert. Normalerweise fliegt der Ball dann auf die Tribüne", grinste er später. Die letzten zehn Minuten waren ein Lehrstück in Nervenstärke. Pirmasens, nun endlich offensiv ausgerichtet und mit Pressing unterwegs, warf alles nach vorn. Schweitzer brüllte an der Seitenlinie, als wolle sie den Ball persönlich ins Tor schreien. Doch Wolfratshausen verteidigte clever, manchmal wild, aber immer mit Herz. Als Schiedsrichterin Sabine Langer nach 93 Minuten abpfiff, lagen sich die Hausherren in den Armen, während die Gäste konsterniert auf den Rasen starrten. "So ist Fußball", sagte Schweitzer knapp und verschwand im Kabinengang. Wolfratshausen klettert mit diesem Sieg in der Tabelle nach oben - und beweist, dass jugendliche Unbekümmertheit manchmal mehr wert ist als taktische Perfektion. Trainer Meyer brachte es zum Schluss auf den Punkt: "Wir sind noch grün hinter den Ohren, aber heute haben wir gezeigt, dass Chlorophyll auch Kraft gibt." Und während die Flutlichter erloschen, hallte noch einmal der Jubel über den Platz. In Wolfratshausen weiß man nun: Auch ein 2:1 kann sich anfühlen wie ein kleines Fußballmärchen. 15.12.643993 00:30 |
Sprücheklopfer
Da kennen sie unseren Klub aber schlecht. Bei uns kehrt niemals Ruhe ein, denn es gibt nur oben oder unten. Und wenn man unten liegt, wird bei uns noch draufgetreten.
Toni Polster auf die Frage, ob nach einem 5:3 gegen Wolfsburg beim 1. FC Köln endlich Ruhe eintritt