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Es war ein kalter Januarabend in Wrexham, aber auf dem Rasen des Racecourse Ground kochte die Luft schon nach wenigen Minuten. 28.382 Zuschauer sahen ein Spiel, das alles bot - außer einer funktionierenden Abwehrreihe auf Seiten der Dragons. Am Ende jubelten die Hull Tigers nach einem abgeklärten 2:1-Auswärtssieg, während Wrexham-Coach Viktor Kazyrow mit verschränkten Armen und hochgezogenen Augenbrauen das Geschehen kommentierte: "Wir hatten eigentlich mehr vom Spiel - nur leider nicht den Ball, als es drauf ankam." Dabei begann alles recht harmlos. Die Dragons wollten kontrollieren, 54 Prozent Ballbesitz sprechen für sich, und im Mittelfeld kurbelten Filipe Conceicao und Joan Henriquez fleißig, wenn auch etwas zahm. Hull dagegen agierte aus einer balancierten Ordnung heraus, lauerte auf Fehler - und fand sie. In der 23. Minute schnappte sich Lewis Payne nach Vorarbeit von Logan Lansbury den Ball vor dem Strafraum, zirkelte ihn mit der Präzision eines Golfprofis ins rechte Eck und ließ Wrexhams Torhüter Louis Catrall keine Chance. 0:1 - und die Tigers schnurrten zufrieden. "Ich hab’ nur gesehen, dass Payne ausholt, und dachte: Bitte nicht wieder!", stöhnte Catrall später mit einem gequälten Lächeln. Seine Abwehr hatte zu diesem Zeitpunkt bereits mehr Lücken als ein Schweizer Käse. Dass die Tigers mit aggressivem Pressing verzichteten, störte sie wenig - sie trafen trotzdem. Nach der Pause bäumte sich Wrexham auf. Filipe Conceicao prüfte Hull-Keeper Joel Eliot mit einem Schuss aus spitzem Winkel (47.), und auch Javi Ramallo kam gefährlich zum Abschluss. Doch als die Dragons vorne drückten, schlugen die Tigers hinten eiskalt zu: In der 60. Minute flankte Verteidiger Tyler Edwards millimetergenau auf Lansbury, der den Ball artistisch per Volley unter die Latte nagelte. 0:2 - und die mitgereisten Hull-Fans sangen sich die Kälte aus den Knochen. Kazyrow reagierte, brachte den jungen Thomas Anderson für den glücklosen Ramallo. "Ich hab ihm gesagt: Lauf, Junge, lauf!", verriet der Trainer später. Und tatsächlich brachte der 22-Jährige frischen Wind. Doch Hulls Defensive, angeführt vom abgeklärten Tyler Edwards (der sich kurz darauf verabschiedete - ausgewechselt, nicht verletzt), stand wie eine Wand. Die Tigers versuchten danach, das Spiel zu verwalten, ließen Ball und Gegner laufen. 13 Torschüsse belegen ihre Zielstrebigkeit, während Wrexham mit acht Versuchen eher wie ein Team wirkte, das den Ball gerne hat, aber nicht weiß, was es mit ihm anfangen soll. "Wir spielen gut bis zum Sechzehner und dann… naja, dann spielen wir halt weiter", witzelte Mittelfeldmann Henriquez selbstironisch. In der Schlussphase wurde es dann doch noch dramatisch - natürlich zu spät. In der 95. Minute, als viele Fans schon auf dem Heimweg waren, flankte der 17-jährige Noah Haddington, frisch eingewechselt und mit jugendlicher Unbekümmertheit, butterweich in die Mitte. Thomas Anderson stieg hoch, nahm Maß und köpfte den Ball zum 1:2 ins Netz. Jubel brandete auf, doch der Schiedsrichter pfiff kaum eine Minute später ab. Das war’s. "Das Tor schmeckt bitter, weil es zeigt, was möglich gewesen wäre", meinte Kazyrow nachdenklich. Sein Gegenüber Mathias Oergel grinste entspannt: "Wir haben uns an unseren Plan gehalten - kurz passen, sicher schießen, und wenn’s geht, treffen. Hat ja funktioniert." Statistisch gesehen war Wrexham das aktivere Team, spielerisch aber zu brav. Ein Ballbesitzvorteil hilft eben nicht, wenn der Gegner zielstrebiger ist. Hulls Payne und Lansbury glänzten als Doppeltorschützen und Vorbereiter, während Wrexham zwar kämpfte, aber zu spät zündete. Am Ende blieb das Gefühl, dass die Dragons zwar Feuer im Herzen, aber Eis im Abschluss hatten. Die Tigers hingegen wirkten wie Raubkatzen auf Diät - nicht viele Chancen gebraucht, um satt zu werden. Und irgendwo in der Mixed Zone soll ein Fan laut gerufen haben: "Wir sind Wrexham - wir verlieren wenigstens stilvoll!" Man könnte fast sagen, dieser Abend war eine Lektion in Effizienz. Oder, wie Oergel es trocken formulierte: "Schön spielen ist was für andere. Wir gewinnen lieber." Fazit: Ein verdienter 2:1-Auswärtssieg für Hull, ein spätes Trostpflaster für Wrexham - und ein Spiel, das zeigte, dass selbst Drachen manchmal nur Funken spucken. 21.04.643987 17:19 |
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In der Türkei hängt in jeder Kneipe ein Bild von Atatürk. Hier in Kaiserslautern hängt fast überall Fritz Walter.
Friedel Rausch