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Wusterwitz siegt abgeklärt - Pirmasens hadert mit sich selbst und dem Schicksal

3488 Zuschauer im Stadion an der Zweibrücker Straße sahen an diesem kühlen Dienstagabend ein Spiel, das sich schon nach fünf Minuten in eine Richtung neigte - und am Ende dort landete, wo es fast alle Momente des Abends verbracht hatte: in der Hälfte des FK Pirmasens. Der FC Wusterwitz gewann zum zweiten Spieltag der Regionalliga B mit 2:0 (1:0) und zeigte dabei erstaunliche Reife, während die Gastgeber zwischen Verzweiflung, roter Karte und der Erkenntnis pendelten, dass Ballbesitz allein keine Punkte bringt.

Die Partie begann, wie man sie aus Pirmasens zuletzt kannte - mit viel Elan und noch mehr Risiko. Trainerin Gudrun Schweitzer hatte ihr Team offensiv ausgerichtet, aber kaum war die Taktiktafel wieder an der Wand, klingelte es schon: In der 5. Minute nutzte Finn Roth die erste echte Chance. Nach einem butterweichen Zuspiel von Nico Behrendt zog der 24-Jährige trocken ab - 0:1. Torwart Dennis Frei flog, aber eher fürs Foto. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", murmelte er später in der Mixed Zone, halb entschuldigend, halb resigniert.

Danach spielte eigentlich nur noch Wusterwitz. 16 Torschüsse im gesamten Spiel, und das waren keine Verzweiflungsschüsse aus der zweiten Reihe, sondern systematisch vorgetragene Angriffe. Finn Roth durfte schon in der 8. Minute wieder ran, Marco Müller testete Frei kurz darauf - Pirmasens wankte, fiel aber nicht. Zumindest noch nicht.

In der 35. Minute versuchte Archie MacAlister, das Spiel mit einem rustikalen Einsteigen zu "beleben", wie er es selbst nannte. Schiedsrichterin Hagemann sah das anders und zeigte Gelb. Schweitzer reagierte prompt, nahm MacAlister in der 41. Minute vom Feld und brachte David Bernier. "Ich wollte keine Pyrotechnik im Mittelfeld", kommentierte sie trocken.

Die Gäste indes spielten weiter wie ein gut geöltes Uhrwerk. Trainer Tom Fritz hatte sein Team offenbar auf Kurzpassspiel und geduldigen Druck eingestellt. "Wir wollten den Ball laufen lassen, nicht den Gegner", erklärte Fritz später, während er mit einem Pappbecher Kaffee hantierte, als sei das 2:0 schon in Stein gemeißelt gewesen.

Nach der Pause änderte sich wenig. Pirmasens stand tiefer, Wusterwitz kombinierte - und irgendwann passierte, was passieren musste. In der 63. Minute verlor Rechtsverteidiger Marcel Baer die Nerven, trat übermotiviert zu und sah folgerichtig Rot. Zehn Mann, ein Rückstand und noch eine halbe Stunde zu gehen - das ist in dieser Liga selten eine gute Kombination.

"Ich wollte den Ball treffen, ehrlich", beteuerte Baer nach dem Spiel, während sein Trainerstab ihn vorsorglich von den Reportern wegzog. Schweitzer seufzte: "Wenn er schon so anfängt, weiß ich, dass er den Mann erwischt hat."

Trotz Unterzahl gelang es Pirmasens immerhin, zwei gefährliche Abschlüsse zu verbuchen - Müjdat Öztürk in der 56. und Hugo Alves in der 80. Minute. Beide Male stand Wusterwitz-Keeper Phillip Zimmermann goldrichtig. Der 20-Jährige strahlte eine Ruhe aus, die manch Bundesliga-Torwart gern im Lehrbuch finden würde.

Und so kam, was kommen musste: In der 84. Minute machte Johann Zander den Deckel drauf. Der eingewechselte Rechtsaußen nahm einen Abpraller mit der Brust an, legte sich den Ball auf links - und schob ihn so präzise ins Eck, dass Frei nur hinterher sah. 0:2. Die Bank der Gäste sprang auf, Trainer Fritz ballte die Faust. Auf der anderen Seite stand Schweitzer mit verschränkten Armen, als wolle sie die Szene für den nächsten Film über tragische Fußballhelden anmelden.

"Wir haben uns selbst geschlagen", sagte sie später. "Und Wusterwitz hat uns dabei freundlich zugesehen."

Die Statistik war ebenso eindeutig wie das Ergebnis: 16:2 Torschüsse, 54 Prozent Ballbesitz für die Gäste, eine Zweikampfquote von 58 Prozent. Pirmasens kämpfte, aber das Spiel erinnerte eher an einen Ritter mit stumpfem Schwert gegen einen Schachspieler mit Geduld.

Nach dem Schlusspfiff applaudierten die 3488 Zuschauer höflich, ein paar Jungs mit blau-weißen Schals riefen noch "Kopf hoch, FK!", bevor sie zum Bratwurststand trotteten.

"Das war ein Arbeitssieg", grinste Wusterwitz-Kapitän Werner Runge. "Aber ehrlich: So viel Platz im Mittelfeld hatte ich zuletzt auf dem Trainingsplatz."

Vielleicht war das der ehrlichste Satz des Abends.

Fazit? Wusterwitz spielt wie ein Team, das weiß, was es will - und Pirmasens wie eines, das sich noch nicht sicher ist, ob es lieber angreifen oder hoffen soll. Die gute Nachricht: Es ist erst der zweite Spieltag. Die schlechte: Die Regionalliga vergibt keine Bonuspunkte für Selbstfindung.

23.11.643993 00:40
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