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Cloppenburg - 4876 Zuschauer erlebten am Freitagabend im Stadion an der Friesoyther Straße einen Regionalliga-Abend, der so manchen Cloppenburger Fan ratlos zurückließ. Der BV Cloppenburg verlor mit 1:2 gegen den FC Wusterwitz - und das, obwohl er laut Statistik mehr Ballbesitz hatte (54 Prozent) und das Spiel über weite Strecken kontrollierte. Doch Kontrolle allein schießt bekanntlich keine Tore - das übernahmen die Gäste, die mit jugendlicher Unbekümmertheit und erstaunlicher Zielstrebigkeit auftraten. Elf Minuten waren gespielt, da war es der erst 17-jährige Luca Philipp, der die Cloppenburger Defensive alt aussehen ließ. Nach einem präzisen Querpass von Nico Behrendt stand der Teenager plötzlich allein vor Keeper Paul Ebert. Philipp blieb cool, legte den Ball mit der Nonchalance eines Routiniers ins lange Eck - 0:1. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste der junge Stürmer später, "aber dann war der Ball halt drin." Trainer Tom Fritz kommentierte trocken: "Wenn das Absicht war, sollte er das bitte öfter tun." Cloppenburg brauchte eine Weile, um diesen frühen Schock zu verdauen. Zwar lief der Ball gefällig, aber im letzten Drittel fehlte die Idee, die Präzision - oder einfach das Glück. Wusterwitz dagegen lauerte auf Konter. Curt Fröhlich prüfte Ebert gleich mehrfach, und Hanns Konrad drosch den Ball in der 26. Minute nur um Zentimeter über das Tor. Die Gäste feuerten insgesamt 17 Schüsse ab - Cloppenburg kam gerade einmal auf fünf. "Wir hatten das Spiel im Griff, aber nicht das Tor im Blick", seufzte BVC-Coach Jonathan Stenzel nach dem Spiel. "Manchmal denke ich, meine Jungs wollen den Ball erst hypnotisieren, bevor sie schießen." Nach der Pause wurde Cloppenburg endlich mutiger. In der 61. Minute, ausgerechnet nach einem Standard, fiel der Ausgleich. Arnau Cunha zirkelte eine Flanke in den Strafraum, und aus dem Gewühl heraus drosch Linksverteidiger Diego Chalana den Ball in die Maschen - 1:1. Der Jubel war riesig, und Chalana reckte die Fäuste, als hätte er soeben das Champions-League-Finale entschieden. "Ich hab einfach draufgehalten", rief er noch auf dem Weg zurück in die eigene Hälfte. Doch die Freude währte nicht lange. Wusterwitz, das sich von der Szene kaum beeindrucken ließ, zog sein schnörkelloses Spiel durch. In der 80. Minute war es der agile Mittelfeldmann Werner Runge, der nach Vorarbeit von Hanns Konrad aus zentraler Position traf - 1:2. Wieder war die Cloppenburger Defensive zu passiv, wieder wirkten sie überrascht, dass der Gegner tatsächlich aufs Tor schoss. Danach versuchte Cloppenburg alles. Rene Diarra und Dirk Graf kamen noch zu Chancen, aber der Ball wollte einfach nicht rein. Und als Chalana, der Torschütze, in der 83. Minute verletzt vom Platz humpelte, war klar: Das wird nichts mehr. Sein Ersatz, Innenverteidiger Stamatis Makris, sah kurz darauf noch Gelb - sinnbildlich für den gebrauchten Abend des BVC. Wusterwitz-Trainer Fritz lobte seine jungen Wilden: "Wir haben heute mit Herz und Mut gespielt. Dass unsere beiden Torschützen 17 und 23 sind, freut mich besonders. Vielleicht ist das die Zukunft des Vereins." Cloppenburgs Stenzel hingegen suchte die Worte - und fand sie dann doch, halb resigniert, halb kämpferisch: "Wir haben mehr Ballbesitz gehabt, ja. Aber wenn Ballbesitz Spiele gewinnen würde, wäre Barcelona seit 20 Jahren ungeschlagen. Wir müssen wieder dahin kommen, dass wir uns für Aufwand belohnen." Die Statistik untermauert den Frust: Trotz leichtem Übergewicht beim Ballbesitz verlor Cloppenburg fast jeden zweiten Zweikampf (Tacklingquote 45 Prozent). Wusterwitz dagegen kämpfte clever, foulte zur rechten Zeit - und zog sich nach der Führung nicht zurück, sondern setzte weiter Nadelstiche. In der Kurve diskutierten die Fans noch lange nach Abpfiff. "Die spielen schön, aber nicht scharf", meinte ein älterer Cloppenburger mit Schal und Friesenhut. "Da fehlt der Biss. Früher, da hätt’s nach dem 1:1 noch gescheppert!" Am Ende blieb es bei der Erkenntnis, dass Fußball keine Ballbesitz-Statistik ist, sondern eine Ergebnissportart. Wusterwitz nahm drei Punkte mit nach Hause, Cloppenburg blieb mit leeren Händen - und die Regionalliga B hat wieder einmal gezeigt, dass jugendlicher Mut manchmal mehr wert ist als taktische Balance. Das Schlusswort gebührt Trainer Stenzel, der beim Hinausgehen in die kalte Januar-Nacht noch einmal lächelte: "Wenn wir so weitermachen, gewinnen wir das nächste Spiel sicher - notfalls, indem wir gar keinen Ballbesitz haben." 16.11.643987 00:28 |
Sprücheklopfer
He, Brrrand, du - du bist doch bolitisch, bist du doch, du Grüner, machst auf sozial und hetzt hier den Schirri gegen uns auf.
Lothar Matthäus im Pokalhalbfinale Bayern gegen Rostock zu Christian Brand: