Anpfiff
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Wusterwitz startet mit Wumms - Homberg verpasst den Anschluss

Es war Freitagabend, 20:15 Uhr, Flutlicht an, Bratwurstdunst in der Luft - kurz: alles angerichtet für die Rückkehr der Regionalliga B. 6419 Zuschauer hatten sich im Wusterwitzer Stadion eingefunden, um zu sehen, ob ihr FC nach einer holprigen Vorbereitung tatsächlich bereit war. Am Ende stand ein 1:0, das knapper aussah, als es sich anfühlte - denn der FC Wusterwitz hatte den FC Homberg 90 Minuten lang am ausgestreckten Arm verhungern lassen.

Trainer Tom Fritz grinste nach dem Abpfiff, als er das Mikrofon gereicht bekam: "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft wir aufs Tor geschossen haben. Ich dachte, irgendwann geht schon einer rein - und zum Glück lag ich richtig." Richtig lag er: 19 Schüsse zählte die Statistik für Wusterwitz, ganze zwei für Homberg. Dass es am Ende nur zu einem Treffer reichte, lag an der Wusterwitzer Streuung, der Homberger Torwart Mika Suhonen und, wie Fritz süffisant anmerkte, "an der kosmischen Ungleichverteilung von Glück".

Schon in der zweiten Minute hätte Walther Buchholz das erste Tor der neuen Saison erzielen können, schloss aber zu zentral ab. Danach schien jeder Wusterwitzer Mittelfeldspieler einmal dran sein zu wollen. Hanns Konrad prüfte Hombergs Keeper gleich mehrfach, Luca Philipp kurbelte unermüdlich über links und der 17-jährige Eri Bode wagte sogar einen Distanzschuss - zur Freude der Fans, die den Youngster mit lautem Applaus bedachten.

Homberg dagegen? Bemühte sich, das Spiel nicht nur aus der eigenen Hälfte zu betrachten. Ein seltener Moment in der 24. Minute, als Herbert Lindblom tatsächlich mal zum Schuss kam - allerdings so harmlos, dass Wusterwitz-Keeper Phillip Zimmermann fast verlegen lächelte, bevor er den Ball aufnahm. Trainer Fridolin von Zahn kommentierte später trocken: "Wir hatten zwei Abschlüsse, und ich bin sicher, einer davon war sogar gewollt."

Nach einer torlosen ersten Hälfte, in der Wusterwitz zwar alles im Griff hatte, aber das Ziel nicht fand, wurde es in Minute 50 endlich laut. Gerade war der 17-jährige Eri Bode ausgewechselt worden, als sein Ersatzmann Marko Weise direkt nach seiner Einwechslung über links durchbrach und den Ball flach in die Mitte legte. Dort stand Luca Philipp, 21 Jahre jung, und drückte das Leder eiskalt über die Linie - 1:0! Das Stadion bebte, die Ersatzbank jubelte, und Philipp rannte, als wolle er den Abend nie enden lassen. "Ich hab gar nicht gesehen, dass der Ball drin war", sagte er später lachend, "ich hab einfach geschossen. Danach war alles nur noch Lärm."

Von Zahn reagierte nicht - oder konnte nicht. Homberg blieb erstaunlich passiv, trotz offensiver Grundordnung. Kein Pressing, kein Risiko, kein Aufbäumen. Vielleicht lag’s an der Sonne, vielleicht an der Anfahrt. Nur eine Gelbe Karte für den jungen Innenverteidiger Alfonso Da Cru in der 76. Minute brachte etwas Farbe ins Spiel der Gäste.

Wusterwitz dagegen wollte mehr, doch der Fußballgott hatte offenbar beschlossen, es bei einem Treffer zu belassen. Finn Roth, Curt Fröhlich, wieder Philipp - alle scheiterten an sich selbst oder Suhonen. Fritz wechselte munter durch, brachte frische Beine, änderte aber nichts am Spielverlauf: Wusterwitz drückte, Homberg hielt stand, das Ergebnis blieb.

Nach dem Schlusspfiff klatschten die Wusterwitzer Fans zufrieden ihre Helden ab, während Hombergs Spieler mit gesenkten Köpfen Richtung Kabine trotteten. Von Zahn blieb noch kurz an der Seitenlinie stehen, sah in den Nachthimmel und murmelte: "Manchmal ist 1:0 das netteste Ergebnis, das man mitnehmen kann."

Statistisch betrachtet war es ein Klassenunterschied: 51 Prozent Ballbesitz für Wusterwitz, 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe, fast zehnmal so viele Abschlüsse. Und doch - nur ein Tor. Vielleicht typisch für einen Saisonauftakt, vielleicht der Beweis, dass die Regionalliga B wieder das hält, was sie verspricht: Kampf, Krampf und ein bisschen Chaos.

Trainer Fritz fasste es am besten zusammen: "Wenn wir so weiterspielen, dann wird das noch was - nur müssen wir vorher vielleicht mal üben, wie man den Ball ins Tor bekommt, ohne den Torwart mitzunehmen."

So startet der FC Wusterwitz mit drei Punkten in die neue Saison, Homberg dagegen mit vielen Fragen. Doch wer weiß - vielleicht war das ja nur der Anfang einer langen, kuriosen Regionalliga-Geschichte.

Und irgendwo in der Kabine soll man es noch gehört haben: "Einer muss ja anfangen zu gewinnen." Wusterwitz hat’s getan.

11.08.644000 18:15
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