// Startseite
| Sporski Journal |
| +++ Sportzeitung für Serbien +++ |
|
|
|
Ein lauer Juniabend, 27.184 Zuschauer, Flutlicht, Trommeln, und ein Rasen, der aussah, als hätte er zu viel Sonne und zu wenig Liebe gesehen - die perfekte Bühne für ein kleines Drama der 1. Liga Serbien. Zebre Cacak empfing den wagemutigen FK Lazarevac, und wer in der 21. Minute auf die Anzeigetafel blickte, rieb sich die Augen: 0:1! Dorde Trkulja hatte nach feinem Zuspiel des jungen Danijel Jestrovic eiskalt zugeschlagen. "Ich wollte einfach draufhalten. Manchmal klappt’s", grinste Trkulja später - wohl wissend, dass es nicht mehr lange Grund zum Grinsen geben würde. Denn Cacak schüttelte sich kurz, sah sich um, und beschloss dann kollektiv: "So nicht." Nur acht Minuten später donnerte Christian Bernheim, der rechte Mittelfeldmotor mit dem linken Hammer, den Ball ins Netz - nach Vorlage von Henry Winston, der offenbar beschlossen hatte, seine Außenbahn an diesem Abend zur Autobahn zu erklären. 1:1 zur Pause - und schon da war klar, dass die zweite Hälfte alles andere als langweilig werden würde. Jean-Marie Pfaff, der Trainer der Zebras, wirkte in der Kabine angeblich so ruhig, dass sein Team kurz dachte, er schlafe. "Ich hab ihnen gesagt: Jungs, lasst den Ball laufen. Und wenn’s nicht läuft - dann lauft ihr", schmunzelte Pfaff später. Gesagt, getan: Kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, traf Maurice Duchesne nach 46 Minuten zur Führung. Ein Schuss wie aus dem Lehrbuch, vorbereitet von Emil Musiala - nein, nicht der deutsche Nationalspieler, sondern sein serbischer Namensvetter, der an diesem Abend mit einer Passquote glänzte, die jedem Statistiker Tränen in die Augen trieb. Lazarevac, das darf man ihnen lassen, spielte weiter mutig nach vorne. 13 Schüsse aufs Tor insgesamt, mehr als Cacak (8). Aber wer vorne nicht trifft, fängt sich hinten welche - eine alte Fußballweisheit, die Amaury Galindo in der 61. Minute in Stein meißelte. Nach Vorarbeit von Tiburtius Larsson schob er zum 3:1 ein, während der Gästetrainer Klaus Bock an der Seitenlinie mit den Händen fuchtelte, als wolle er einen unsichtbaren Schwarm Mücken verscheuchen. "Wir hatten die Chancen, wirklich", sagte Bock nach dem Spiel. "Aber Fußball ist kein Wunschkonzert. Und unsere Abwehr - na ja, sie hätte heute wohl selbst einem Kinderchor Probleme bereitet." Die Partie blieb turbulent: Bruno Rocha, der rechte Verteidiger der Zebras, sammelte Karten wie andere Panini-Bilder. Erst Gelb in der 54. Minute, dann in der 78. Gelb-Rot - und das völlig verdient, nachdem er beim Versuch, einen Angriff zu stoppen, eher den Gegner als den Ball traf. Pfaff kommentierte trocken: "Bruno wollte wohl zeigen, dass er auch im Rugby Talent hätte." Trotz Unterzahl ließ sich Cacak den Sieg nicht mehr nehmen. Der Ballbesitz sprach mit 54,6 Prozent für die Hausherren, aber Lazarevac hatte die aktivere Schussbilanz - nur eben die schlechtere Quote, was das Netz betrifft. Ein kleiner Schreckmoment ereignete sich schon früh: In der 18. Minute musste FK-Mittelfeldmann Emil Musiala (der andere!) verletzt raus, Lucas Lindner kam für ihn. "Ich hab gleich gemerkt, das zieht im Oberschenkel - aber wenigstens hab ich den Freistoß noch rausgeholt", murmelte Musiala beim Verlassen des Stadions, Krücken unterm Arm, aber mit einem Lächeln. Das Publikum in Cacak feierte ausgelassen, als der Schlusspfiff ertönte. Kinder kletterten über die Absperrungen, Pfaff wurde mit Wasserflaschen überschüttet ("Zum Glück keine Cola diesmal", witzelte er), und die Spieler klatschten mit den Fans ab, als hätten sie gerade die Meisterschaft gewonnen. Lazarevac dagegen schlich vom Platz wie ein Schüler nach einer vergeigten Mathearbeit. Dorde Trkulja, der frühe Torschütze, sagte leise: "Wir müssen lernen, dass ein gutes erstes Kapitel kein gutes Buch macht." Am Ende stand ein 3:1, das verdient war, auch wenn es das Spiel enger war, als das Ergebnis vermuten lässt. Cacak zeigte Cleverness, Lazarevac zeigte Courage - aber Fußball wird nun mal nach Toren entschieden, nicht nach guten Absichten. Und so schließt sich der Abend mit einer Erkenntnis, die Pfaff nach dem Spiel mit seinem typischen Grinsen zusammenfasste: "Wir waren heute nicht besser - nur klüger. Und das reicht meistens." Ein bisschen Glück, ein bisschen Witz, und eine Portion Pfaff’scher Gelassenheit: Zebre Cacak ist wieder da. 16.06.2026 21:50 |
Sprücheklopfer
Verstärken können die sich, aber nicht auf der rechten Seite. Da bin ich. Ich komme selber aussem Pott. Mein Vater war auf der Hütte. Wenn ich wieder fit bin, zeig ich denen, wat malochen heißt.
Torsten Legat