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Es war angerichtet in Čačak: Flutlicht, 27.182 Zuschauer, erste Runde der serbischen Superliga - und zwei Teams, die offenbar den Sommer über vergessen hatten, wie man defensiv steht. Am Ende trennten sich Zebre Cacak und Selen Belgrad mit 2:2. Ein Ergebnis, das ebenso gerecht wie chaotisch war, und das Trainer Jean-Marie Pfaff (Cacak) und Hans-Jürgen Strohmeier (Belgrad) gleichermaßen ratlos zurückließ. "Ich wollte eigentlich einen ruhigen Saisonstart", seufzte Pfaff nach der Partie, "aber meine Jungs haben wohl gedacht, wir spielen gleich Finale." Ganz unrecht hatte er nicht - vor allem die erste halbe Stunde erinnerte eher an ein Tischtennismatch als an Fußball. Bereits in der 11. Minute zappelte der Ball zum ersten Mal im Netz. Dusko Lomic, der quirlig-rechtsfüßige Wirbelwind, zog nach feiner Vorarbeit von Lukas Schilling ab - 1:0 für die Zebras. Der Jubel war laut, die Pyros flackerten, und Pfaff rannte wie ein Derwisch an der Seitenlinie entlang. Doch Selen Belgrad ließ sich nicht lange bitten. In der 24. Minute kombinierte sich Linksverteidiger Nebojsa Nad nach vorne, flankte flach in die Mitte, wo Erik Schade lauerte. Einmal kurz den Schuh gerichtet - zack, 1:1. "Ich hab nur den Fuß hingehalten", grinste Schade später. "Aber das reicht ja meistens." Nur sieben Minuten später schlug Cacak zurück. Louis Couture, der elegante Linksfuß im Mittelfeld, schickte Andrew Duff steil, und der Brite drosch den Ball humorlos ins lange Eck. 2:1. Die Fans tobten, einer sang sogar die Vereinshymne rückwärts - aus purer Euphorie. Die zweite Halbzeit begann, als hätte jemand die Pausenlimonade mit Beruhigungstee gestreckt. Belgrad kontrollierte den Ball (am Ende 49,9 Prozent Ballbesitz, also fast Gleichstand), Cacak lauerte. Es dauerte bis zur 63. Minute, ehe wieder Leben ins Spiel kam: Salvatore Girardi, der italienische Flügelstürmer der Gäste, nahm Maß und traf aus spitzem Winkel zum 2:2. Ein Tor, das man so nur schießt, wenn man entweder Genie oder verrückt ist. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Girardi hinterher lachend. "Vielleicht war’s beides." Dann kam die Phase, in der die Schiedsrichterkarte heißlief. Erst sah Belgrads Nad Gelb (51.), dann Gelb-Rot (67.) - eine Lehrstunde in Sachen Ungeduld. Strohmeier kommentierte trocken: "Er dachte wohl, Gelb steht ihm gut, also wollte er’s doppelt haben." Trotzdem schaffte es Cacak nicht, die Überzahl zu nutzen. Ganz im Gegenteil: In der 89. Minute flog auch noch Alex Tarrega vom Platz - glatt Rot, weil er Girardi ummähte, als ginge es um den letzten Parkplatz in der Innenstadt. "Ich hab nur den Ball gesehen", beteuerte Tarrega, während er den Rasen verließ. "Leider war Girardi auch da." Die Schlussphase war ein wilder Schlagabtausch. Duff scheiterte in der 93. Minute mit einem letzten Versuch aus 18 Metern, kurz darauf kassierte Torschütze Lomic noch Gelb - vermutlich aus Frust, dass der Schlusspfiff kam, bevor er noch einmal sprinten durfte. Statistisch war’s ein Duell auf Augenhöhe: 11 Torschüsse der Zebras, 16 von Selen Belgrad. Der Ballbesitz praktisch pari, das Tackling-Verhältnis leicht zugunsten der Gäste (51,3 Prozent). Es war kein Spiel für Taktikliebhaber, eher eines für Menschen mit stabilem Kreislauf. "2:2 ist am Ende okay", meinte Pfaff. "Wir haben gezeigt, dass wir Tore schießen können - und dass wir noch lernen müssen, sie zu verhindern." Strohmeier nickte, grinste und ergänzte: "Wenn wir so weitermachen, braucht unser Torwart bald Urlaub." Die Fans gingen zufrieden nach Hause, vielleicht ein bisschen heiser, aber glücklich, dass Fußball wieder da ist. Und irgendwo im Kabinengang hörte man Pfaff noch murmeln: "Beim nächsten Mal will ich ein 1:0. Ein langweiliges, hässliches 1:0." Wird wohl noch dauern. Denn wenn Zebre Cacak und Selen Belgrad wieder aufeinandertreffen, ist eins sicher: Das Ergebnis wird selten so ruhig bleiben wie die Statistik es vermuten lässt. 29.05.643990 23:36 |
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