Sporski Journal
+++ Sportzeitung für Serbien +++

Zemun tanzt Lazarevac aus - 5:2-Spektakel vor 38.000 Fans

Wenn Fußball ein Theater ist, dann war das Stadion von Zemun Belgrad am Samstagabend die Bühne für eine Komödie in sieben Akten, in der FK Lazarevac nur in den ersten Minuten wusste, was gespielt wird. Am 17. Spieltag der 1. Liga Serbien gewann Zemun Belgrad mit 5:2 gegen die Gäste aus Lazarevac - und das trotz weniger Ballbesitz, aber deutlich mehr Witz.

Dabei fing alles so gut für die Gäste an: Schon in der 10. Minute schockte der 19-jährige Innenverteidiger Miroslav Komljenovic die Heimfans, als er nach einer Ecke trocken zum 0:1 einschoss. Trainer Klaus Bock sprang an der Seitenlinie in die Luft, als hätte er gerade die Meisterschaft gewonnen. "Wir wollten zeigen, dass wir nicht nur hübsch verteidigen können", grinste er nach dem Spiel. Doch die Freude währte genau 60 Sekunden.

Denn praktisch im Gegenzug stellte Zemuns Brasilianer Caio Gome wieder Ordnung her - und zwar mit einem gezielten Schuss ins linke Eck nach feiner Vorarbeit von Lasse Klein (11.). "Ich habe den Ball gespürt, bevor ich ihn gesehen habe", poetisierte Gome später, während er sich den Schweiß von der Stirn wischte.

Was dann folgte, war ein Heimsturm, wie ihn selbst die hartgesottenen Fans auf der Südtribüne selten erleben. In der 16. Minute schlich sich Linksverteidiger Haci Calik nach vorne - normalerweise ein Mann, der lieber den Rasen als das Tornetz sieht - und traf nach Pass von David Poncela zum 2:1. "Ich dachte, wenn schon alle vorne sind, kann ich auch mal gucken, wie’s da aussieht", lachte Calik nach dem Spiel.

Das 3:1 durch Mateja Divic (35.) war dann schon fast logische Konsequenz - wieder nach Vorlage von Poncela, der an diesem Abend aussah, als hätte er drei Lungen. Doch Lazarevac zeigte Moral: Kurz vor der Pause (43.) traf Jack Hensley aus 18 Metern flach ins Eck. Halbzeitstand: 3:2 für Zemun - und ein Spiel, das mehr Wendungen hatte als eine Telenovela.

Zur Pause schien Trainer Bock noch zu hoffen, das Ruder herumzureißen. "Wir hatten mehr Ballbesitz, mehr Schüsse - nur leider weniger Tore", murmelte er in der Pressekonferenz. Tatsächlich: 52 Prozent Ballbesitz und 12 Torschüsse für Lazarevac standen am Ende nur 2 Toren gegenüber. Effizienz? Fehlanzeige.

Anders Zemun: Direkt nach Wiederanpfiff schlug der 34-jährige Kapitän Lasse Falk doppelt zu - in der 47. und 48. Minute, jeweils nach Vorarbeit von Divic. Das 4:2 und 5:2 in weniger als 120 Sekunden - und das Spiel war entschieden. "Ich hab gar nicht gemerkt, dass es zweimal war", grinste Falk, "ich dachte, der Schiri hätte das erste annuliert und wollte auf Nummer sicher gehen."

Danach wurde’s ruhiger. Zemun spielte kontrolliert, Lazarevac rannte, schoss - und verzweifelte. Goran Melunovic prüfte Keeper Logan Bernard gleich dreimal (40., 45., 78.), doch der blieb unüberwindbar. In der 68. Minute musste Zemun dann doch kurz durchschnaufen, als Zivojin Dordevic verletzt vom Feld humpelte - für ihn kam Marko Manojlovic, der später noch Gelb sah und das Publikum mit einem verzweifelten Weitschuss unterhielt, der mehr Richtung Parkplatz flog als Richtung Tor.

Die Emotionen kochten noch einmal hoch, als Lazarevacs Emil Musiala in der Nachspielzeit (93.) Gelb sah - sinnbildlich für einen Abend, an dem die Gäste viel Einsatz, aber wenig Ertrag zeigten. "Wir waren mutig, aber Zemun war effizienter", resümierte Bock, diesmal ohne Lächeln.

Zemun-Trainer - der sich nach Spielschluss demonstrativ den Staub von der Jacke klopfte - hatte weniger philosophische Sorgen: "Fünf Tore, drei verschiedene Torschützen, keine Verletzten außer Zivojin - das nehme ich. Und Lasse Falk bekommt Montag frei, der Mann braucht’s."

Die 38.298 Zuschauer feierten ihr Team mit Balkan-Rhythmus und Pyroshow, während die Spieler von Lazarevac nachdenklich in den Kabinengang schlichen. Auch wenn das Ergebnis deutlich klingt, war es ein Spiel, das von Tempo, Leidenschaft und - ja - von Zemuns gnadenloser Zielstrebigkeit geprägt war.

Statistisch gesehen war Lazarevac sogar leicht überlegen, aber Zemun hatte das, was man in Belgrad "den Killerinstinkt mit Kaffeegeruch" nennt. Zehn Schüsse aufs Tor, fünf Treffer - eine Quote, von der selbst Topstürmer träumen.

Und so verabschiedete sich das Publikum in die laue Sommernacht mit einem Lächeln. Einer rief: "Lasst Falk nie wieder altern!" Ein anderer ergänzte trocken: "Dann braucht er auch keine zweite Halbzeit mehr."

Ein Abend voller Tore, Humor und ein Hauch Anarchie - kurz: genau das, was man sich vom serbischen Fußball wünscht.

14.06.2026 21:14
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