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18483 Zuschauer im altehrwürdigen Francisc-von-Neumann-Stadion sahen am Samstagabend ein Fußballspiel, das weniger etwas für Feinschmecker, sondern eher für Freunde des rustikalen Stehplatzhumors war. ATU Arad rang den favorisierten Gästen von CFR Targu-Mures mit 2:1 nieder - und das mit einer Mischung aus Kampfgeist, Chaos und einem Hauch nordischer Präzision. Von Beginn an legte Targu-Mures los, als hätten sie noch einen Zug nach Mitternacht zu erwischen. Florentin Muzsnay prüfte Arads Keeper Lionel Bergantinos bereits in der dritten Minute, und auch Adrian Cristea und Cornel Gansl feuerten aus allen Lagen. Doch Bergantinos hielt, was zu halten war - manchmal mit den Händen, manchmal mit purem Instinkt. "Ich wusste teilweise selbst nicht, wo der Ball herkam", grinste der Torwart später, "aber Hauptsache, er war nicht im Netz." Arad dagegen tat sich schwer, ins Spiel zu finden. Trainer Mister Zvenson, ein Mann, der offenbar schon in der Kabine mit erhobenem Zeigefinger geboren wurde, schimpfte an der Seitenlinie wie ein Dirigent ohne Orchester. "Lauf, Liam, lauf!", brüllte er, und Liam Carlsson tat ihm diesen Gefallen - in der 45. Minute sogar mit künstlerischem Wert: Nach einer butterweichen Flanke von Linksverteidiger Nael Deco nahm der Schwede den Ball volley und versenkte ihn zum 1:0. Der Jubel war ohrenbetäubend, die Halbzeit gerettet. Doch kaum war der Tee ausgetrunken, kam die kalte Dusche: Hugo Alves, der Spielmacher von CFR, zog in der 53. Minute aus gut 20 Metern ab - und der Ball zischte unhaltbar ins rechte Eck. 1:1, und plötzlich war das Spiel wieder offen. "Da hat er einfach mal draufgehalten", meinte Gäste-Coach Gutz Gutz trocken, "und zur Abwechslung war’s kein Vogel." Was dann folgte, war die schnellste Antwort, die Arad in dieser Saison zustande gebracht hat. Keine sechzig Sekunden nach dem Ausgleich legte Olaf Vetter quer auf Federico Nocara - und der schob eiskalt zum 2:1 ein. Das Stadion bebte, Mister Zvenson rannte wie ein entfesselter Teenager die Linie entlang, und der Stadionsprecher kam kaum hinterher mit dem Jubel-Countdown. Danach wurde es wild. Targu-Mures drückte, schoss und fluchte. Insgesamt 19 Torschüsse gaben sie ab, doch nur einer fand den Weg ins Ziel. Arad brachte es auf 13 Abschlüsse - ein Beweis dafür, dass Effizienz manchmal wichtiger ist als Eleganz. "Wir wollten zu viel", seufzte Alves nach dem Spiel. "Vielleicht hätten wir einfach mal weniger nachgedacht." In der 49. Minute musste Arads junger Flügelflitzer Christian Willoughby verletzt raus. "Er hat wohl mehr Rasen geschmeckt als Ball", witzelte Zvenson hinterher, bevor er ernst hinzufügte: "Aber er ist ein zäher Hund, der ist bald wieder da." Ersatz Julian Galindo brachte frischen Wind, wenn auch mehr in Form von verwirrten Laufwegen als gefährlichen Pässen. Die Schlussphase war ein Abnutzungskampf. Gutz Gutz brachte den 19-jährigen Romeo Baciu, der prompt zweimal gefährlich auftauchte, aber an Bergantinos scheiterte. Arad igelte sich ein, verteidigte mannorientiert, manchmal auch ballorientiert, und gelegentlich einfach gar nicht - aber es reichte. Nach dem Schlusspfiff feierten die Fans, als hätte Arad gerade den Europapokal gewonnen. Liam Carlsson, der Mann des Abends, sagte mit einem verschmitzten Lächeln: "Ich wollte heute nur treffen, um früher ins Bett zu kommen." Die Statistik erzählte eine andere Geschichte: 52,8 % Ballbesitz für Targu-Mures, mehr Zweikämpfe gewonnen, mehr Schüsse - und trotzdem keine Punkte. Arad dagegen spielte "auf Konter, mit langen Bällen und vollem Einsatz", wie es Taktikblätter wohlwollend formulieren würden. In Wirklichkeit sah es manchmal aus, als würde jemand auf einem staubigen Parkplatz Fußball improvisieren - aber es funktionierte. Trainer Zvenson fasste es am Ende auf seine Art zusammen: "Taktik ist schön, Tore sind schöner." CFR-Coach Gutz Gutz wirkte dagegen weniger amüsiert: "Wir hatten das Spiel in der Hand - leider in Butterhänden." So bleibt Arad nach diesem 2:1 weiter eine der launischsten, aber auch charmantesten Mannschaften der Liga. Sie siegen, wenn man es am wenigsten erwartet, und lassen den Gegner ratlos zurück. Und wer an diesem Abend im Stadion war, wird sich wohl noch lange an die Mischung aus Drama, Leidenschaft und Zvensons gestenreicher Coaching-Performance erinnern. Fazit: Kein Fußball für Feingeister, aber ein Fest für Freunde des ehrlichen Chaos. Arad lebt, kämpft - und gewinnt. 04.10.643990 07:05 |
Sprücheklopfer
Es war ein wunderschöner Augenblick, als der Bundestrainer sagte: 'Komm Steffen, zieh deine Sachen aus, jetzt geht's los.'
Steffen Freund