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Manchmal beginnt ein Spiel mit einem Gähnen und endet in einem Feuerwerk. So geschehen am 5. Spieltag der 1. Liga Rumänien, als ATU Arad vor 17.556 Zuschauern den favorisierten Gästen von Rosso-Nerri Resita mit 2:0 die Lichter ausblies - und das nach einer zähen ersten Halbzeit, die selbst der Stadion-DJ nur mit melancholischem Synthiepop überstand. Trainer Mister Zvenson, bekannt für seine lakonischen Analysen, brachte es nach dem Spiel auf den Punkt: "In der ersten Halbzeit war das wie Schach ohne Figuren. In der zweiten hatten wir plötzlich Lust auf Fußball." Und tatsächlich: Bis zur Pause neutralisierten sich beide Teams, Torchancen blieben so rar wie ein warmes Bier im Winter. Resita begann forsch - Edward Guillory prüfte Arads Keeper Lionel Bergantinos bereits in der 4. Minute. Zwei weitere Abschlüsse von Lazaros Nafpliotis und Albert Bergantinos folgten, doch mehr als ein höfliches "Danke fürs Mitspielen" sprang für die Gäste nicht heraus. Arad kam erst nach rund 20 Minuten so richtig in die Partie. Cemalettin Demirel zog aus der Distanz ab (17.), später versuchte es Mike Ulrich gleich doppelt (10. und 31.), aber Keeper Romeo Deleanu im Resita-Tor war noch voll da. Dann allerdings holte Schiedsrichter Mircea Ionescu die Karten raus - und davon einige: Bjarni Norman (24.) und Demirel (34.) sahen Gelb, ebenso der junge Nicolae Coras (39.), der mit 17 Jahren aussah, als würde er noch für den Schulbus trainieren. Kurz vor der Pause tauschte Mister Zvenson zweimal: Erland Johnsson kam für den glücklosen Ulrich, und Mittelstürmer Julian Galindo ersetzte den Abwehr-Teenager Coras. "Ich hab ihm gesagt, er soll vorne einfach Spaß haben", lachte Zvenson später. "Er hat’s wörtlich genommen." Denn in der zweiten Halbzeit kippte das Spiel. Resita verlor nach 52 Minuten Iban Couto, der nach einem rustikalen Einsteigen direkt Rot sah - und sich beim Hinausgehen noch mit der Eckfahne anlegte. Der Platzverweis war der Wendepunkt. Arad witterte Blut (im sportlichen Sinne). Die Statistik belegt es: 12 Torschüsse zu 6, Ballbesitz fast ausgeglichen (50,7 Prozent zu 49,3), aber plötzlich war alles auf Seiten der Gastgeber. In der 65. Minute klopfte Galindo bereits an - sein Versuch klatschte noch an den Pfosten. Acht Minuten später machte er es besser: Nach einem weiten Zuspiel von Rechtsverteidiger Jamie Prinsloo nahm Galindo den Ball mit der Brust, drehte sich und versenkte ihn trocken zum 1:0 (73.). "Ich hab nur gedacht: endlich!", grinste der 23-jährige Stürmer. "Jamie hat mir den Ball so schön serviert, da wär’s unhöflich gewesen, ihn nicht zu verwerten." Kaum hatten die Fans ihren Jubel sortiert, legte Olaf Vetter nach. Der Rechtsaußen schloss in der 77. Minute nach feinem Pass von Juan Djalo überlegt ab - 2:0, Spiel entschieden, Stadion am Kochen. "Juan hat mich angeschaut, als wollte er mir das Tor schenken", erzählte Vetter später mit einem breiten Lächeln. "Ich hab’s angenommen." Resita? Reagierte mit gepflegter Ratlosigkeit. Adam Clarke schoss in der 79. Minute noch einmal gefährlich, traf aber nur die Fangnetze hinter dem Tor. Die Gäste wirkten, als hätten sie das Drehbuch des Spiels verloren - und auch Trainer Costantini passte sich dem Ton seiner Mannschaft an: "Nach der Roten Karte haben wir eher gebetet als gespielt." Am Ende war’s ein verdienter Sieg für Arad, das nach dem Seitenwechsel von einer defensiv-konternden zu einer offensiven Flügelstrategie wechselte - so, als hätte Zvenson im Pausenraum einen Schalter umgelegt. Die jungen Wilden um Stancu, Prinsloo und Bratu brachten frischen Wind, während Resita sich in höflicher Teilnahmslosigkeit übte. Statistisch gesehen war’s kein Klassenunterschied - gefühlt schon. Arads Zweikampfquote (53,6 Prozent) und die konsequente Nutzung der Überzahl machten den Unterschied. Und während die Fans nach Abpfiff "Arad, Arad!" skandierten, sah man Mister Zvenson mit einem zufriedenen Grinsen: "Schreiben Sie, dass wir heute Fußball gespielt haben. Endlich mal wieder." Ein bitterer Abend für Rosso-Nerri, ein süßer für ATU Arad - und ein Beweis dafür, dass Geduld manchmal die schönste Taktik ist. Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen sagte, während er sich den Schal überzog: "Erste Halbzeit Schlafmittel, zweite Halbzeit Espresso doppio." 06.03.643987 09:12 |
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