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Dabei begann die Partie keineswegs mit vorsichtigem Abtasten. Bad Kleinen trat offensiv und mit ausgewogenem Angriffsspiel auf, Hordel setzte auf Konter, lange Bälle und Schüsse, sobald sich auch nur der leiseste Verdacht einer Möglichkeit ergab. Fußballromantik trifft auf Pragmatismus - oder, weniger poetisch: einer spielte überlegt, der andere schoss einfach. In der 20. Minute belohnte sich Bad Kleinen erstmals. Mayer, der bereits zuvor zweimal den Abschluss gesucht hatte, traf nach Vorarbeit von Manuel Semeraro zum 1:0. "Ich dachte, wenn ich heute noch einmal schieße, beschwert sich höchstens der Ball", soll Mayer nach der Partie mit einem Grinsen gesagt haben. Der Ball hatte offenbar nichts einzuwenden. Die Antwort der Gäste ließ nicht lange auf sich warten. Nur eine Minute später glich Tim Pfeiffer für TuS Hordel aus, vorbereitet von Klaus Merkel. Pfeiffer war zuvor bereits gefährlich aufgetaucht und bewies nun, dass er zwischen "gute Gelegenheit" und "Tor" keinen besonders großen bürokratischen Aufwand betreibt. Nach 21 Minuten stand es 1:1 - und die Partie hatte endgültig den Charakter eines Pokalspiels angenommen: offen, hektisch und für neutrale Zuschauer erfreulich schlecht für die Nerven. Bad Kleinen nahm 53,4 Prozent Ballbesitz mit in die Statistik und kam insgesamt auf zwölf Torschüsse. Hordel war mit elf Abschlüssen kaum weniger aktiv. Auch bei den Zweikämpfen lag der Gast mit 50,5 Prozent knapp vorn. Es war also kein Abend für jene, die Fußball gern als gepflegtes Schach mit Rasen betrachten. Hier wurde eher Schach gespielt, während jemand gelegentlich das Brett umtrat. Kurz nach dem Seitenwechsel schlug Mayer erneut zu. In der 47. Minute brachte ihn Jannick Berg in Position, und der rechte Angreifer stellte auf 2:1. "Felix hatte heute diesen Blick", meinte Trainer Cw WC angeblich später. "Den Blick eines Mannes, der seinen Namen unbedingt dreimal im Spielbericht lesen möchte." Der Plan ging auf. Bad Kleinen blieb offensiv, suchte weiterhin die bessere Chance statt des blinden Abschlusses. In der 57. Minute erhöhte Marc Kohl nach Vorlage von Olaf Esser auf 3:1. Hordel wirkte keineswegs geschlagen, doch die Gäste mussten nun noch mehr Risiko eingehen. Trainerin Ute Finkeldy soll ihren Spielern zugerufen haben: "Wir spielen weiter nach vorn - und wenn möglich nicht alle gleichzeitig." Ein vernünftiger Wunsch, der im Pokal bekanntlich nicht immer erhört wird. In der 70. Minute wurde es wieder spannend. Marwin Rodriguez verkürzte nach Vorarbeit von Olav Anders auf 2:3. Hordel schaltete nun auf aktiveres Pressing, während Bad Kleinen seiner Linie treu blieb und weiterhin ohne extremes Risiko agierte. Die Schlussphase gehörte folgerichtig den Nerven: Hordel suchte den Ausgleich, Bad Kleinen verteidigte den knappen Vorsprung. Am Ende blieb es beim 3:2. Mayer war mit zwei Treffern der Mann des Abends, doch Bad Kleinen gewann vor allem als Mannschaft. Hordel darf sich über eine engagierte Leistung ärgern - und darüber, dass im Pokal nicht die bessere Statistik gewinnt, sondern die Mannschaft, die ein Tor mehr erzielt. Eine Erkenntnis, die einfach klingt. Aber offenbar erst nach 90 Minuten. 03.10.2026 09:42 |
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