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Wer am Montagabend pünktlich zum Anpfiff im Stadion von Bad Kleinen war, durfte sich die Hände reiben: Kaum hatte Schiedsrichterin Meier gepfiffen, da stand es schon 2:0 - und das Publikum wusste gar nicht, ob es jubeln oder sich gegenseitig kneifen sollte. Am Ende hieß es 3:1 (2:1) für die Gastgeber, die damit den Bonner SC auf den Boden der Tatsachen zurückholten. "Wir wollten gleich zeigen, dass wir nicht zum Tee trinken rauskommen", grinste Bad Kleinens Stürmer Meik Köhler, der bereits in der 3. Minute den Torreigen eröffnete. Ein wuchtiger Schuss unter die Latte, keine Chance für Bonns Keeper Noe Mendoza - und das war erst der Anfang. Nur zwei Minuten später legte Marc Meister nach, nach feinem Zuspiel von Manuel Semeraro. Das Spiel hatte gerade erst begonnen, und Bonns Verteidigung wirkte, als hätte sie den Bus noch nicht gefunden. Trainer Cw WC, bekannt für seine trockenen Pressekonferenzen, wurde später sogar poetisch: "Da war ein bisschen Wahnsinn dabei, aber manchmal muss man den Gegner mit Chaos erschlagen." Bonner SC-Coach Lukas Teuber dagegen sah schon früh rot - innerlich jedenfalls. "Wir waren noch beim Einlaufen, da stand’s 0:2. Da kannst du dir die Taktiktafel auch sparen", knurrte er. Seine Mannschaft fing sich zwar, hatte über das gesamte Spiel sogar mehr Ballbesitz (52 Prozent) und fast gleich viele Torschüsse (10 gegenüber 11), doch zählbares sprang kaum heraus. Erst kurz vor der Pause durften die mitgereisten Bonner Fans jubeln. In der 43. Minute traf Pascal Grenier nach Vorarbeit von Adamantios Manos - ein feines Tor, das Hoffnung aufkeimen ließ. "Ich dachte, jetzt drehen wir’s noch", so Grenier später mit einem Schulterzucken. Doch Bad Kleinen ließ sich nicht beirren. In der zweiten Halbzeit entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Bonns Makukula sah früh Gelb (8.), verletzte sich später unglücklich und musste raus - ausgerechnet in einer Phase, in der die Gäste am Drücker waren. "Ich hab’s im Oberschenkel gespürt, und dann war’s vorbei", erzählte der Pechvogel nach dem Spiel. Teuber wechselte Esteban Makukula für Amaury Martins aus, musste aber wenig später mitansehen, wie Bad Kleinen wieder das Kommando übernahm. Und dann kam die 69. Minute. Der junge Marwin Paul, zuvor schon auffällig mit zwei gefährlichen Abschlüssen, krönte seine Leistung mit dem 3:1. Der eingewechselte Max Adam leitete den Angriff mit Übersicht ein, Paul zog trocken ab - und die 35.830 Zuschauer verwandelten das Stadion in ein Tollhaus. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte der 24-Jährige, als wäre das die einfachste Sache der Welt. Trainer WC klatschte ihn später ab und murmelte: "So macht man das, wenn man keine Angst vor Erfolg hat." Bonn versuchte es bis zum Schluss, Pascal Grenier prüfte Torhüter Yannik Wilhelm mehrfach, doch der Routinier hielt seinen Kasten in der zweiten Halbzeit sauber. Auch Antonio Gutierrez und Freddie Hiliard scheiterten an ihm - und an der eigenen Nervenstärke. Bad Kleinen spielte die Partie clever zu Ende, mit dem Selbstbewusstsein eines Teams, das wusste: Heute geht nichts mehr schief. Selbst als Carl Abel in der 90. Minute noch einmal abzog, grinste der alte Hase nur: "Wenn der reingegangen wäre, hätte ich aufgehört - besser geht’s ja nicht." Statistisch war’s ein Duell auf Augenhöhe: 47,5 Prozent Ballbesitz für die Gastgeber, 52,5 für die Gäste, Zweikampfquote nahezu pari. Doch die Effizienz machte den Unterschied. Drei Tore aus elf Versuchen - das ist Bundesliga-Reife. Nach dem Schlusspfiff tanzten die Fans, während Trainer WC seinen Spielern zurief: "Jetzt bitte nicht übermütig werden - aber ein bisschen feiern dürft ihr schon!" Bonns Teuber dagegen stapfte wortlos in die Kabine. Erst später, mit eisigem Lächeln, meinte er: "Wir haben Lehrgeld bezahlt. Und Bad Kleinen hat’s sehr gut eingezogen." Ein Abend, der zeigt: Fußball ist keine Mathematik. Man kann 52 Prozent Ballbesitz haben und trotzdem verlieren - oder man kann, wie Bad Kleinen, einfach drei Tore schießen und sich den Rest schenken. Und irgendwo im Kabinentrakt soll Marwin Paul noch gesungen haben: "Ab jetzt nur noch nach vorn!" Ob das ironisch gemeint war? Schwer zu sagen - aber es passte perfekt zu einem Abend, an dem Bad Kleinen dem Favoriten aus Bonn zeigte, wie man mit Mut, Tempo und einer Prise Wahnsinn ein Spiel gewinnt. 18.03.643987 05:45 |
Sprücheklopfer
Grundsätzlich muss man sich überlegen, ob man dann weitermacht. Aber ich lasse mir da Zeit, ich denke da kurzfristig.
Rudi Völler nach dem 1:5 gegen England