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Bad Urach tanzt in Hordel - 4:0?Lehrstunde für die Gastgeber

Ein lauer Maiabend, 33.532 Zuschauer im Hordeler Stadion, Flutlicht, Bratwurstduft - und dann kam der FV Bad Urach. Was die Gäste beim 4:0‑Auswärtssieg ablieferten, war weniger Fußballspiel als Demonstration: präzise, geduldig, manchmal sogar überheblich - aber immer gefährlich. TuS Hordel dagegen kämpfte, stolperte, hoffte - und bekam am Ende einen bitteren Abend serviert, den der Stadionsprecher mit "Danke für die Unterstützung" beendete, während die Hälfte der Tribünen schon auf dem Parkplatz stand.

Schon nach vier Minuten zeichnete sich ab, dass der Abend lang werden würde. Bad Urach feuerte Torschüsse ab wie eine Silvesterbatterie: Keller, Nowak, Neumann - alle durften mal. Hordel stand tief, konterte planlos und hoffte auf Zufall. Trainerin Ute Finkeldy brüllte von der Seitenlinie: "Bleibt kompakt!", doch da war die Kompaktheit längst Geschichte. In der 18. Minute traf Alain Fouquet aus kurzer Distanz - 0:1. Der Jubel der Gästefans klang, als hätte jemand das Mikro zu laut aufgedreht.

Nur acht Minuten später legte Taylan Özalan nach. Nach feinem Zuspiel von Elias Rodriguez schlenzte der Linksfuß den Ball ins lange Eck, während Hordel‑Keeper Kay Fuhrmann mit ausgestreckter Hand ins Leere griff. "So wollte ich ihn haben", grinste Özalan später, "aber ehrlich gesagt - ich hab’ einfach draufgehalten."

Nach dem 0:2 war klar: Das hier würde kein Fußballwunder werden. Hordel brachte es in der ersten Halbzeit auf exakt null nennenswerte Toraktionen. Der einzige Hordeler Torschuss des Abends kam in der 50. Minute - Sascha Günther zog aus 20 Metern ab, der Ball flog auf die Südtribüne. Der Stadionsprecher kommentierte trocken: "Na, immerhin mal ein Versuch."

Während Bad Urach im Ballbesitz (54,1 Prozent) und bei den Torschüssen (20:1!) eine fast schon unhöfliche Überlegenheit zeigte, reagierte Trainerin Finkeldy zur Pause mit gleich drei Wechseln. "Wir wollten frischen Wind reinbringen", erklärte sie später, "aber es war eher ein laues Lüftchen." Der junge Meik Heine (17) kam für den überforderten Dennis Brandt, Torwart Davide Lorenzo ersetzte Fuhrmann, und Karsten Runge wich für Klaus Merkel. Doch auch die Jugend konnte den Sturm aus dem Schwäbischen nicht stoppen.

Bad Urach blieb ruhig wie ein Schachspieler im Park. Coach Giuseppe Spera stand mit verschränkten Armen an der Linie und sah zu, wie seine Elf Ball und Gegner laufen ließ. "Wir wollten nichts erzwingen", sagte er hinterher, "das Spiel hat sich uns geöffnet."

In der 75. Minute folgte der nächste Stich: Der 19‑jährige Ben Feldmann, gerade erst eingewechselt, traf nach Vorarbeit von Eduardo Pelegrin zum 0:3. Feldmanns Jubel - die Arme weit, der Blick zum Himmel - wirkte, als hätte er soeben den Lottojackpot gewonnen. "Mein erstes Profitor", strahlte der Youngster. "Ich wusste gar nicht, dass man sich so leicht fühlt, wenn der Ball drin ist."

Spätestens jetzt trudelte TuS Hordel Richtung Endstation. Der Einsatz stimmte - die Statistik verzeichnete am Ende immerhin 41 Prozent gewonnene Zweikämpfe -, doch spielerisch blieb alles Stückwerk. Ein letzter verzweifelter Angriff in der 88. Minute endete mit einem Fehlpass ins Seitenaus. Zwei Minuten später setzte Pelegrin den Deckel drauf: Nach Vorarbeit von Rechtsverteidiger Christian Hafner zimmerte der Spanier den Ball unter die Latte - 0:4.

"Wir wollten wenigstens das Ehrentor", seufzte Hordels Stürmer Fynn Huber, "aber die haben uns nicht mal schnuppern lassen." Auf der Pressekonferenz versuchte Coach Finkeldy Humor: "Wenn man nur einen Torschuss hat, spart man sich wenigstens die Nachspielzeit."

Giuseppe Spera, gewohnt charmant, nahm’s sportlich: "Hordel hat gekämpft, aber wir waren heute zu clever. Ich bin stolz auf meine Jungs - und auf unsere Kondition. Wir hätten noch eine halbe Stunde spielen können."

Die Zuschauer verließen das Stadion mit gespaltenen Gefühlen. Die einen applaudierten den Gästen, die anderen schimpften über die eigene Abwehr. Ein älterer Fan murmelte beim Hinausgehen: "Na ja, wenigstens war das Bier kalt."

Am Ende bleibt ein klares Ergebnis und die Erkenntnis: TuS Hordel hat noch viel Arbeit vor sich, während FV Bad Urach an diesem Abend wie ein Aufstiegskandidat aussah. 4:0, 20 Torschüsse, vier verschiedene Torschützen - Fußball kann so einfach sein, wenn man weiß, wo das Tor steht.

Oder, wie Alain Fouquet nach seinem Treffer süffisant meinte: "Wir haben heute nicht gegen Hordel gespielt, sondern gegen den Zufall. Und den haben wir besiegt."

Ein Satz, der wohl noch ein paar Tage durch die Kabine in Bochum‑Hordel hallen dürfte.

02.10.643999 20:10
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