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Bad Urach verschläft zweite Halbzeit - Bonner SC holt 0:2 auf

Die 33.070 Zuschauer im Uracher Stadion rieben sich noch den Schlaf aus den Augen, da zappelte der Ball schon im Netz. Ganze zwei Minuten waren gespielt, als Marco Stark nach Pass von Lars Schmidt zur frühen Führung für den FV Bad Urach einschob. "Ich dachte erst, es sei Abseits, aber dann hab ich einfach weitergemacht", grinste Stark später. Ein Start nach Maß für die Gastgeber, die an diesem kalten Januarabend beim 8. Spieltag der 1. Liga Deutschland richtig Feuer legten.

Und das Feuer loderte weiter: In der 19. Minute war es der junge Frank Keller, der nach schöner Vorlage von Xavi Rocha auf 2:0 erhöhte. "Da hab ich einfach mal draufgehalten", meinte Keller trocken, "Giuseppe hat immer gesagt, ich soll mir mehr zutrauen." Gemeint war Trainer Giuseppe Spera, der an der Seitenlinie wie ein Dirigent mit italienischem Temperament wild gestikulierte. Zu diesem Zeitpunkt sah alles nach einem entspannten Heimabend aus - zumindest für die ersten 20 Minuten.

Doch wer den Bonner SC kennt, weiß: Die Rheinländer sind wie ein hartnäckiger Kaugummi unter dem Fußballschuh - sie gehen einfach nicht weg. Nur vier Minuten nach Kellers Treffer schlug Antonio Gutierrez zurück, bedient von Esteban Makukula. 2:1 - und plötzlich war das Spiel wieder offen. "Wir haben uns gesagt: Jungs, wir sind nicht zum Sightseeing hier", verriet Bonns Trainer Lukas Teuber später mit einem Augenzwinkern.

Urach hatte zwar etwas mehr Ballbesitz (53 Prozent), doch die Gäste aus Bonn feuerten aus allen Lagen: 14 Schüsse auf das Tor, während die Hausherren nur sechs zustande brachten. Keeper Jegor Schepelew bekam alle Hände voll zu tun und rettete kurz vor der Pause mit einer blitzschnellen Parade gegen Gutierrez das knappe 2:1 in die Kabine.

Nach dem Seitenwechsel kam Bonn wütend zurück - und wie! Keine 60 Sekunden waren gespielt, als Daniele Simeri Crichi, eigentlich Innenverteidiger, nach Flanke von Adamantios Manos den Ball mit der Stirn ins Netz wuchtete. 2:2 in der 46. Minute - Bad Urach schaute verdutzt, Bonn jubelte ekstatisch. "Ich hab einfach gespürt, dass der Ball zu mir kommt", meinte Simeri Crichi, "und dann dachte ich: warum nicht mal als Innenverteidiger treffen?"

In der Folge entwickelte sich ein munteres Hin und Her. Der FV Bad Urach versuchte, mit kontrolliertem Passspiel Ruhe reinzubringen, während der Bonner SC im Dauerangriff blieb. Nael Segura sah in der 60. Minute Gelb, nachdem er einen Konter etwas rustikal unterband - "Ich wollte nur das Spiel beruhigen", meinte der Routinier später mit einem unschuldigen Lächeln. Trainer Spera sah das anders: "Wenn wir alle so beruhigend spielen, verlieren wir 2:5", knurrte er.

Auf den Rängen herrschte gute Stimmung, trotz der sinkenden Temperaturen. Ein älterer Fan rief nach dem Ausgleich: "Macht mal einer das Licht an, die schlafen ja wieder!" - und tatsächlich schien Bad Urachs Offensive eingeschlafen. Marco Stark hatte nach seiner Auswechslung in der 80. Minute sichtlich die Nase voll: "Ich hätte gern noch eins gemacht, aber der Trainer meinte, meine Zeit sei um. Vielleicht hat er recht, vielleicht auch nicht."

Bonner SC drängte in den Schlussminuten auf den Sieg. Freddie Hiliard scheiterte in der 94. Minute nur knapp, sein Schuss strich hauchzart am Pfosten vorbei. Trainer Teuber war nach dem Spiel halb zufrieden, halb ärgerlich: "Wenn du 14 Schüsse aufs Tor hast und nur zwei reingehen, darfst du dich nicht wundern. Aber Charakter haben wir gezeigt."

Auf der Pressekonferenz wirkte Spera fast schon philosophisch: "Wir spielen schönen Fußball, aber manchmal ist schön nicht genug. Man muss auch schmutzig gewinnen können." Dann lächelte er und fügte hinzu: "Oder wenigstens nicht schmutzig unentschieden spielen."

Statistisch passte das 2:2 übrigens ganz gut: Urach mit mehr Ballbesitz, Bonn mit mehr Torgefahr, beide mit einer ordentlichen Portion Chaos in der Defensive. Ein Unentschieden der gerechten Sorte - wenn auch eines, das beiden Trainern graue Haare beschert haben dürfte.

Zum Schluss noch eine Szene, die sinnbildlich für den Abend stand: Ein Balljunge rief in der Nachspielzeit einem Uracher Verteidiger zu: "Los, noch ein Angriff!" - der murmelte nur: "Ich kann nicht mehr, frag Giuseppe!"

So endete ein unterhaltsamer Fußballabend in Bad Urach mit vier Toren, jeder Menge Dramatik und einem Ergebnis, das niemandem so richtig schmeckte - außer vielleicht den neutralen Zuschauern, die sich über 90 Minuten beste Unterhaltung bekamen. Und wer weiß, vielleicht war’s gar nicht das letzte Mal, dass Bonn in Urach das Licht wieder anknipst.

21.04.643987 17:07
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