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Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob Fußball manchmal einfach zu viel will. 35.196 Zuschauer im Merseburger Stadion sahen ein 2:3-Spektakel zwischen dem VfB Merseburg und dem SV Beuel, das alles bot - Tempo, Tore, Gelbe Karten, Dramatik und einen gewissen Bernt Burger, der an diesem Samstagabend endgültig vom Nachwuchstalent zur Schlagzeile wurde. Schon nach sieben Minuten brannte der Rasen: Hrvoje Puljiz, der bullige Mittelstürmer Beuels, legte den Ball mit der Hacke in den Lauf von Burger. Der 21-Jährige blieb eiskalt und schob flach ins rechte Eck - 0:1. "Ich hab gar nicht nachgedacht, einfach draufgehauen", grinste Burger nach dem Spiel, und man glaubte ihm jedes Wort. Beuel spielte in den ersten 20 Minuten, als hätten sie den Busfahrer gleich mit im Mittelfeld aufgestellt - drängend, spielfreudig, unerschrocken. Merseburgs Trainer Dieter Bergmann brüllte sich schon früh heiser: "Jungs, wir spielen auch mit!", schallte es über den Platz. Doch bevor der VfB so richtig in Fahrt kam, klingelte es erneut: In der 31. Minute nutzte José Galisteo eine butterweiche Hereingabe von Puljiz zum 0:2. Die Stimmung im weiten Rund kippte - aber nur kurz. Vier Minuten später schlug Merseburg zurück. Linksverteidiger Rafet Karaer flankte präzise, und Joel Harrington köpfte aus sechs Metern wuchtig ein (35.). "Das war unser Lebenszeichen", erklärte Bergmann später, "und ich dachte, jetzt kippt das Spiel." Kippte es aber nicht. Zwar hatte Merseburg zur Pause fast ausgeglichenen Ballbesitz (48,5 Prozent) und immerhin 13 Torschüsse im gesamten Spiel, doch Beuel blieb gefährlicher - 17 Abschlüsse zeugen von gnadenloser Zielstrebigkeit. Nach dem Seitenwechsel ging es munter weiter. Beuel blieb offensiv, Merseburg lauerte auf Konter. In der 69. Minute kam es dann knüppeldick: Wieder Burger, wieder ein Strahl ins Glück - diesmal nach Vorarbeit von Rechtsverteidiger Yves Bridges. Das 1:3 aus Sicht der Gastgeber, und man hörte förmlich, wie das Stadion kollektiv seufzte. Doch der VfB ist kein Team, das sich einfach ergeben würde. Schon fünf Minuten später (74.) durfte wieder gejubelt werden, als Innenverteidiger Cristobal Veloso (!) nach einer Standardsituation den Ball unter die Latte nagelte - 2:3. "Ich wusste gar nicht, dass ich so hart schießen kann", witzelte Veloso anschließend. Danach war Merseburg drauf und dran, den Ausgleich zu erzwingen. Dreimal scheiterte der eingewechselte Marian Iliew in der Schlussphase - einmal klärte Beuels Keeper Herbert Dahlström spektakulär, einmal stand der Pfosten im Weg. Beuel hingegen zeigte, warum sie derzeit als Geheimfavorit gelten: clever, abgebrüht, mit einer Prise südamerikanischer Theatralik. Vier Gelbe Karten sammelten sie über die 90 Minuten - Michel Herrero sah eine in der 70., Bernt Burger in der 79., Javier Albinana in der Nachspielzeit, und Mahir Aslan schon vor der Pause. Trainer René Kuhl nahm’s mit Galgenhumor: "Wir wollten aggressiv auftreten - aber nicht so wörtlich!" Auf der anderen Seite musste Bergmann einen verletzten Harrington beklagen (68.), der humpelnd vom Feld ging. "Er meinte, es ziehe nur ein bisschen - das sagen sie alle, bevor sie drei Wochen fehlen", seufzte der Coach. Taktisch war es ein Duell auf Augenhöhe: Beide Teams offensiv, beide mit Lust am Risiko. Während Merseburg im Schlussviertel volles Pressing befahl und auf den Lucky Punch hoffte, blieb Beuel bei seiner ruhigen, kontrollierten Linie - und rettete das 3:2 über die Zeit. "Wir hätten einen Punkt verdient gehabt", schimpfte Merseburgs Kapitän Ignacio Enrico nach Abpfiff. "Aber Fußball ist kein Wunschkonzert." Beuel-Coach Kuhl grinste nur: "Wenn du auswärts drei Tore machst, darfst du auch mal duschen gehen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben." So endet ein Abend, der in Merseburg noch lange für Gesprächsstoff sorgen wird. Ein Spiel, das zeigte, dass Statistiken manchmal lügen - und dass junge Männer namens Burger nicht nur in Fast-Food-Restaurants für Furore sorgen können. Vielleicht, so wird man in Merseburg morgen sagen, war es einfach einer dieser Tage, an denen der Gegner das letzte bisschen Glück auf seiner Seite hatte. Und Beuel? Die fahren heim mit drei Punkten im Gepäck - und einem Bernt Burger, der sich langsam warmspielt für die Titelseiten. 15.03.643987 18:53 |
Sprücheklopfer
Wenn man sich einredet, man ist müde, dann ist man müde.
Lothar Matthäus