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Beuel stürzt, Merseburg jubelt: Ein 1:2 der bitteren Sorte

Ein lauer Maiabend, 39.672 Zuschauer im Beueler Stadion - und am Ende ein Ergebnis, das viele ratlose Gesichter hinterließ: Der SV Beuel unterlag dem VfB Merseburg mit 1:2. Auf dem Papier ein enges Spiel. Auf dem Rasen: ein Drama in mehreren Akten, mit Helden, Pechvögeln und einem Trainer, der später trocken meinte: "Wenn du zwölfmal aufs Tor schießt und nur einmal triffst, dann ist das Statistik - oder Tragödie."

Dabei fing alles so schwungvoll an. Beuel, von Trainer René Kuhl gewohnt offensiv eingestellt, rannte an, flankte, kombinierte, verzweifelte. Pascal Charpentier prüfte Merseburgs Keeper Vahit Üzülmez schon in der siebten Minute, Tiago Almeida legte kurz darauf nach. Doch der Ball wollte einfach nicht in dieses verflixte Tor. Selbst Joonas Kallio, sonst eher für filigrane Pässe bekannt, probierte es aus 20 Metern - drüber.

"Ich hab irgendwann gefragt, ob das Tor vielleicht verrückt steht", witzelte Charpentier nach Schlusspfiff mit einem bitteren Grinsen.

Die erste Hälfte endete torlos, aber nicht ereignislos. Zwei Gelbe Karten für die Beueler Außenverteidiger Louis Gauthier (8.) und Elof Anderson (20.) zeigten, dass man hinten nicht zimperlich zupackte. "Wir wollten Präsenz zeigen", erklärte Kuhl, "und manchmal zeigt man eben ein bisschen zu viel davon."

Nach der Pause dann der Schock: Kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, da schlug Joel Harrington für Merseburg zu. Der flinke Linksaußen vollendete in der 47. Minute nach Vorarbeit von Martin Pudil - eiskalt, trocken, typisch Konter-VfB. "Das war genau unser Plan", verriet Gästecoach Dieter Bergmann später, "Beuel rennt, wir treffen."

Doch Beuel antwortete. Nur neun Minuten später versetzte Mario Sousa das Stadion in kollektive Ekstase. Der 31-jährige Rechtsaußen verwandelte eine Hereingabe des 17-jährigen Jannis Burkhardt zum 1:1. "Ich hab einfach blind geflankt", gestand der Teenager lachend, "und Mario war halt da, wo ein alter Hase hingehört." Sousa grinste: "Na ja, manchmal lohnt sich Erfahrung - und ein bisschen Glück."

Mit dem Ausgleich schien das Momentum auf Seiten der Gastgeber. Almeida und Charpentier feuerten weiter, die Fans sangen, Trainer Kuhl gestikulierte wild an der Seitenlinie. Doch dann kam die 82. Minute - und mit ihr die kalte Dusche. Merseburgs Linksverteidiger Rafet Karaer, mit 33 Jahren der Älteste auf dem Platz, zog einfach mal ab. Der Ball flatterte, Keeper Jay Reid sah unglücklich aus - 1:2. Assistiert hatte Egidius Tenbrook, der danach in einer Jubeltraube verschwand.

"Ich wollte eigentlich flanken", gab Karaer hinterher zu, "aber wenn man alt genug ist, nimmt man jeden Zufall als Absicht."

Beuel warf in den letzten Minuten alles nach vorne, Trainer Kuhl brachte noch einmal Frische über die linke Seite - doch der Ballbesitz von 52 Prozent und die zwölf Torschüsse blieben reine Zahlen. Charpentier scheiterte in der 90. Minute ein letztes Mal an Üzülmez, der an diesem Abend die Ruhe selbst war.

Für Merseburg war es ein Sieg der Effektivität. Fünf Schüsse aufs Tor, zwei Treffer - klingt nüchtern, fühlte sich für Beuel an wie ein Schlag in die Magengrube. "Wir haben heute nicht schön gespielt, aber clever", sagte Bergmann, "und Cleverness zählt leider auch."

Trainer Kuhl dagegen suchte Trost in Ironie: "Vielleicht sollten wir das Tor beim nächsten Mal größer zeichnen. Oder einfach mal den Ball mitnehmen, wenn wir schon so viel davon haben."

Und so endete ein Spiel, das Beuel lange dominierte, aber Merseburg gewann - weil Fußball eben manchmal kein Gerechtigkeitssystem, sondern eine Laune des Zufalls ist. Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaft trotzdem mit Applaus. "Das war kein schlechtes Spiel, nur ein dummes Ergebnis", murmelte ein älterer Herr beim Hinausgehen.

Man hätte ihm kaum widersprechen können.

Vielleicht bringt das nächste Spiel mehr Glück. Oder wenigstens ein Tor weniger für den Gegner.

12.12.643999 21:07
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