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Es war einer dieser Abende, an denen 29.524 Zuschauer in der Gelsenkirchener Arena mehr froren als jubelten. Gelsenkirchen 04 dominierte am 8. Spieltag der 2. Liga Deutschland nach Belieben, schoss, passte, kombinierte - und stand am Ende trotzdem nur mit einem 1:1 gegen den FC Marzahn da. "Wenn es Punkte für Ballbesitz gäbe, hätten wir heute dreifach gewonnen", knurrte Trainer Andreas Meyer nach dem Schlusspfiff und warf einen Blick auf die Statistik: 56 Prozent Ballbesitz, 18 Torschüsse gegenüber zwei kümmerlichen Versuchen der Gäste. Und trotzdem: nur ein Tor. Dabei begann alles nach Maß. Bereits in der 8. Minute packte Marvin Mayer seinen rechten Hammer aus und traf nach Vorlage von Spielmacher Jannick Bach ins linke Eck - 1:0 für die Hausherren. Die Kurve tobte, die Stadionlautsprecher röhrten, und Mayer grinste später: "Ich dachte, der Ball sei schon draußen, so hart hab ich den getroffen." Es sollte das letzte Erfolgserlebnis des Abends bleiben. Denn was folgte, war eine Lehrstunde in verpassten Chancen. Mayer schoss weiter, als gäbe es eine Prämie pro Versuch - in der 11., 17., 18., 29., 34., 52. Minute, alle Male knapp daneben oder direkt in die Arme des glänzend reagierenden Marzahner Keepers Vicente Domingos. Der wiederum kommentierte nachher trocken: "Ich hatte viel zu tun. Eigentlich sollte ich Eintritt zahlen." Zur Halbzeit führte Gelsenkirchen 1:0, doch schon da murmelten die Fans in der Pause ihr Mantra: "Das rächt sich noch." Und sie sollten recht behalten. Marzahn, bis dahin eher mit der Rolle des braven Statisten beschäftigt, wechselte zur zweiten Hälfte den 17-jährigen Joschua Rupp ein, um die Mittelfeldräume wenigstens zu besetzen. Trainer Frank Henning, im eleganten Mantel an der Linie, erklärte später: "Wir wollten nicht schön spielen, wir wollten überleben." Seine Mannschaft hielt sich an den Plan. Zwar kassierte Innenverteidiger Eric Bisson in der 60. Minute Gelb, aber immerhin kam die Defensive mit heiler Haut davon - und das, obwohl Gelsenkirchen weiter drückte. Als dann in der 87. Minute plötzlich Charles McGee, bisher kaum zu sehen, einen der seltenen Konter nutzte und den Ball eiskalt ins Netz setzte, war die Arena schockgefroren. 1:1 - aus dem Nichts. McGee grinste nach dem Abpfiff: "Ich hatte eigentlich schon abgeschaltet. Dann kam der Ball zu mir, und ich dachte mir: Versuch’s halt mal." Versuch geglückt. Die letzten Minuten waren ein einziges Anrennen der Heimelf, inklusive verzweifelter Schüsse von Tomas Ledig (72.) und Ferenc Klausz (74.), doch das Tor der Gäste schien wie vernagelt. In der Nachspielzeit (90.) durfte sogar Gelsenkirchens Ersatztorwart Wilhelm Preuss noch kurz ran - eine kuriose Auswechslung, über die Trainer Meyer später schmunzelte: "Robert Hein hatte kalte Hände. Vielleicht wäre ein dritter Torwart noch wärmer gewesen." Am Ende blieb es beim 1:1 (1:0). Gelsenkirchen hatte fast alles richtig gemacht - nur das Offensichtliche nicht: das Toreschießen. 18 Schüsse, ein Treffer, 56 Prozent Ballbesitz, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe - Zahlen, die man normalerweise nur bei klaren Siegen liest. Marzahns Trainer Henning sah das naturgemäß anders: "Wir haben das perfekte Auswärtsspiel gemacht. Ein Tor, ein Punkt, keiner verletzt - was will man mehr?" Seine Spieler feierten den Punkt wie einen Sieg: McGee tanzte mit dem 17-jährigen Keeper Lucas Meiser, der kurz vor Schluss noch eingewechselt worden war, auf dem Rasen. "Ich hab noch nie so gefroren und mich gleichzeitig so gefreut", lachte der Teenager. Für Gelsenkirchen hingegen fühlte sich das Remis wie eine Niederlage an. Die Fans verließen das Stadion mit einem kollektiven Kopfschütteln. Ein älterer Herr im Schal fasste es zusammen: "Früher hätten wir so ein Spiel 5:0 gewonnen. Heute? Wir treffen den Bus, aber nicht das Tor." Vielleicht war es ein Abend, der sinnbildlich für die Saison steht: schön anzusehen, aber ohne Ertrag. Trainer Meyer versprach immerhin Besserung: "Nächste Woche trainieren wir nur noch auf kleine Tore. Vielleicht treffen wir dann wenigstens eins davon." So endete ein Spiel, das Gelsenkirchen dominierte und Marzahn gewann - zumindest moralisch. Fußball kann manchmal grausam sein. Und manchmal einfach nur Marzahn. 19.08.643990 05:27 |
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Ich werde nie Golf spielen. Erstens ist das für mich kein Sport, und zweitens habe ich noch regelmäßig Sex.
Mehmet Scholl