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Es war kalt, es war laut, und es dauerte exakt 48 Sekunden, bis das Stadion in Bad Kleinen zum Tollhaus wurde. 35.066 Zuschauer hatten sich am Samstagabend zum Flutlichtspiel des 10. Spieltags der 1. Liga Deutschland eingefunden - und ehe der erste Glühwein richtig warm war, zappelte der Ball schon im Netz. Marwin Paul, der flinke Rechtsaußen der Gastgeber, nutzte die erste Unsicherheit in Eschborns Hintermannschaft eiskalt aus. Nach einem beherzten Sprint von Rechtsverteidiger Jannik Wimmer knallte Paul den Ball aus spitzem Winkel unter die Latte - 1:0 in der ersten Minute. Trainer Cw WC riss die Arme hoch, als hätte er gerade das Champions-League-Finale gewonnen. "Wir wollten Eschborn gleich zeigen, dass es hier nichts zu holen gibt", grinste er später, "naja, fast nichts." Denn so verheißungsvoll der Auftakt war, so nervös wurde es mit zunehmender Spieldauer. Bad Kleinen spielte mutig, aber nicht unbedingt clever. 14 Torschüsse zeugen von Aktivität, aber nur wenige davon brachten Eschborns Keeper Logan Cochran ernsthaft ins Schwitzen. "Ich hab’ mir in der ersten Halbzeit die Handschuhe fast anfrieren lassen", witzelte der Torhüter - und musste zur Pause dennoch raus, offenbar leicht angeschlagen. Für ihn kam der junge Amaury Alvarez, 21 Jahre alt und sichtlich nervös. Eschborn, vom stets gestenreichen Trainer Yas Sin dirigiert, brauchte eine Halbzeit, um sich zu sortieren. Mit 55 Prozent Ballbesitz übernahm der Gast zunehmend die Kontrolle, drückte über die Flügel - und kam direkt nach Wiederanpfiff zum Ausgleich. Niklas Steffen traf in der 46. Minute nach schöner Vorarbeit von Jacob Holz. Der Ball flog so präzise ins lange Eck, dass man kurz dachte, Steffen habe eine Fernbedienung in der Stutze. "Wir wussten, dass Bad Kleinen früh Druck macht", erklärte Sin danach. "Aber Fußball dauert bekanntlich etwas länger als 45 Sekunden." Das Spiel blieb intensiv, ohne unfair zu werden. Eine einzige Gelbe Karte - Ricardo Matamoros sah sie kurz vor Schluss, nachdem er etwas zu leidenschaftlich in ein Kopfballduell gegangen war. Ansonsten war es ein Kampf mit offenem Visier, bei dem beide Seiten eher auf Risiko als auf Vorsicht setzten. Bad Kleinen versuchte, nach den Einwechslungen von Meik Köhler und dem 19-jährigen Gustav Hübner frische Akzente zu setzen. Köhler ackerte vorne, Hübner rannte sich die Lunge aus dem Leib, aber der Lucky Punch blieb aus. "Ich dachte, der Ball will heute einfach nicht mehr rein", murmelte Marwin Paul nach dem Schlusspfiff, während er mit einer Wärmedecke über den Schultern auf die Tribüne winkte. Eschborn dagegen blieb gefährlich, besonders durch den unermüdlichen Jacob Holz, der gleich mehrere Male gefährlich abschloss. Wäre Bad Kleinens Torwart Yannik Wilhelm nicht in Bestform gewesen, das Spiel hätte kippen können. "Yannik hat uns heute den Punkt gerettet", lobte Kapitän Luca Schuster. "Der Typ hat Reflexe wie ein Flummi." Taktisch blieb es ein Duell zweier ähnlicher Philosophien - beide Teams setzten auf ausgewogenes Spiel mit kontrolliertem Pressing. Wobei Eschborns Pressing nach der Pause deutlich aggressiver wurde, während Bad Kleinen sich eher auf Konter verlegte. Das spiegelte sich auch in den Zahlen: 44,6 Prozent Ballbesitz für die Gastgeber, 55,3 für die Gäste. Als Schiedsrichter Möller nach 94 Minuten abpfiff, war’s ein gerechtes Unentschieden. Die Fans von Bad Kleinen applaudierten trotzdem, denn ihre Mannschaft hatte gekämpft - und das frühe Tor gab immerhin etwas zum Jubeln. Trainer Cw WC nahm’s mit Humor: "Wenn wir jedes Spiel so anfangen, gewöhnen wir uns vielleicht irgendwann auch daran, sie zu Ende zu bringen." Sein Kollege Yas Sin lächelte nur milde: "Ein Punkt ist besser als gar keiner. Und immerhin hat keiner gefroren - dafür war’s zu spannend." So blieb es beim 1:1, das weder Fisch noch Fleisch war - aber immerhin eine gute Geschichte für die Kneipe nach dem Spiel. Und während die Letzten das Stadion verließen, hörte man einen Fan sagen: "Bad Kleinen spielt jetzt wie ein großer - nur die Nerven sind noch klein." Ein Satz, der vielleicht besser passte als jede Statistik. 15.05.643987 03:40 |
Sprücheklopfer
Der Uli Hoeneß hat ja Alzheimer.
Rainer Calmund