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Ein lauer Aprilabend, Flutlicht, 37.429 Zuschauer im Stadion am Rhein - und ein Spiel, das man in Ludwigshafen so schnell nicht vergessen wird. 2:5 hieß es am Ende gegen den Bonner SC, der nach frühem Schockstart eine beeindruckende Antwort gab. "Das war wie ein Boxkampf mit verbundenen Augen", stöhnte Ludwigshafens Trainer Frank Seil nach der Partie. "Wir haben zweimal getroffen und danach aufgehört, die Deckung hochzuhalten." Dabei begann alles wie im Fußballmärchen: Schon in der vierten Minute zimmerte Callum Bosworth den Ball nach feinem Zuspiel von Joel Fournier aus 18 Metern ins rechte Eck - 1:0, das Stadion tobte. Kaum drei Minuten später legte Hugo Ronaldo nach, diesmal bedient von Bosworth, und mancher Fan witzelte schon: "Das riecht nach Tabellenführung!" Doch Bonn hatte nur kurz die Luft angehalten. In der elften Minute erzielte Cameron Prinsloo nach Vorarbeit von Esteban Makukula den Anschlusstreffer. Nur 23 Minuten später glich Freddie Hiliard eiskalt aus - 2:2 zur Pause, und man merkte: Diese Gäste aus dem Rheinland hatten noch einiges vor. "Ich habe den Jungs gesagt: Wir spielen nicht auf Sicherheit, wir spielen auf Tore", grinste Bonns Coach Lukas Teuber später in der Pressekonferenz, die eher an eine Comedyshow erinnerte. "Und dann haben sie mich wörtlich genommen." In der zweiten Halbzeit war Ludwigshafen dann nur noch Statist im eigenen Drama. Spätestens nach der Roten Karte für Innenverteidiger John Beecroft in der 50. Minute (ein rustikales Einsteigen, das mancher Zuschauer als "körperbetont" beschrieb) kippte das Spiel komplett. Bonn nutzte die numerische Überlegenheit gnadenlos aus. Yannick Van Moer traf in der 64. Minute nach Pass von Hiliard zum 2:3 - ein Angriff über die rechte Seite, wie ihn Teuber wohl nachts im Schlaf zeichnet. Zehn Minuten später erhöhte Michel Eliezer nach Flanke von Routinier Vincent Ludvigsen, und als Antonio Gutierrez in der 81. Minute zum 2:5 einschoss, verließen die ersten Ludwigshafener Fans das Stadion. "Wir wollten eigentlich nur den Bus holen", meinte einer augenzwinkernd am Ausgang. Statistisch war das Spiel fast ausgeglichen - 50 Prozent Ballbesitz für jedes Team, aber Bonn mit fast doppelt so vielen Torschüssen (14:8). Der Unterschied lag in der Konsequenz: Während Ludwigshafen seine Chancen leichtfertig vergab, traf Bonn mit chirurgischer Präzision. "Wir haben einfach die Lücken gefunden", erklärte Doppeltorschütze Hiliard trocken. "Und wenn man sie nicht findet, muss man sie sich eben aufreißen." Ludwigshafen versuchte nach dem Platzverweis noch einmal, mit Offensivdrang gegenzuhalten. Trainer Seil gestikulierte wild an der Seitenlinie, rief "Bleibt oben!", doch seine Spieler schienen ihn akustisch nicht mehr wahrzunehmen. Stattdessen kassierten sie noch Gelbe Karten - Thomas Scharboneau in der 27. Minute und Esteban Prieto in der 65. -, als Ausdruck wachsender Frustration. Ein besonders skurriler Moment ereignete sich in der 72. Minute: Nach einem harmlosen Einwurf stolperte Bonns Ersatzmann Amaury Costinha über eine Trinkflasche, sprang auf und rief lachend: "Ich wollte nur Zeit schinden!" Selbst Ludwigshafens Bank grinste. Die Schlussminuten verliefen dann eher pflichtgemäß. Seil wechselte in der 88. und 89. Minute noch zweimal: Machado und der junge Geiger durften kurz Bundesligaluft schnuppern - wohl mehr als symbolische Geste für die Zukunft. "Das Ergebnis spiegelt nicht alles wider", versuchte Seil nach dem Spiel zu retten, was zu retten war. "Wir haben in der ersten Halbzeit gezeigt, dass wir Tore schießen können. Leider auch, dass wir sie leicht kassieren." Bonns Coach Teuber konterte charmant: "Ich fand’s nett, dass sie uns zwei Vorsprung gegeben haben. Danach wurde es ja spannend." Fazit: Ein mitreißendes, wenn auch einseitiges Spektakel. Bonn zeigte, warum Flügelspiel manchmal besser ist als jede Taktiktafel, und Ludwigshafen bewies, dass auch frühe Euphorie kein Garant für Punkte ist. Oder, um es mit den Worten von Hugo Ronaldo zu sagen, der nach Spielende noch minutenlang auf der Bank saß: "Zwei Tore in sieben Minuten, und am Ende sieht’s aus, als hätten wir nie gespielt. Fußball kann ganz schön gemein sein." Ein Trost bleibt: Es war erst der zweite Spieltag. Schlechter kann’s kaum laufen - aber besser fast in jeder Hinsicht. 02.04.643997 21:43 |
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Gegen uns hätten wir auch gewonnen.
Klaus Allofs