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Bonner SC verliert Spektakel gegen Fuhlenbrock - Cocis altert wie guter Wein

Es war ein Freitagabend, an dem Bonn eigentlich feiern wollte. 48.439 Zuschauer im ausverkauften Stadion, Flutlicht, laue Frühlingsluft - perfekte Bedingungen für einen Heimsieg. Doch am Ende musste der Bonner SC nach 90 intensiven Minuten ein 2:3 gegen den SV Fuhlenbrock hinnehmen. Und das lag nicht etwa an mangelndem Einsatz, sondern an einem 35-jährigen Mittelfeldstrategen, der scheinbar den Lauf der Zeit ignoriert: Marcel Cocis.

"Ich sag’s mal so: Wenn der Ball läuft, muss ich nicht mehr so viel laufen", grinste der Doppeltorschütze nach dem Spiel und verschwand mit einem Handtuch um die Schultern in den Spielertunnel. Zwei Tore, eine Vorlage - Cocis war der Mann des Abends. Und das, obwohl Fuhlenbrock insgesamt nur knapp weniger Ballbesitz (48 Prozent) hatte als die Gastgeber.

Das Spiel begann mit einem Paukenschlag. Schon in der 22. Minute zappelte der Ball das erste Mal im Netz: Cocis nahm einen Pass von Ramon Andrade direkt und jagte den Ball ins rechte Eck - 0:1. Der Bonner SC brauchte genau zwei Minuten, um zu antworten. Yannick Van Moer, quirlig wie eine Fliege auf Espresso, dribbelte sich durch den Strafraum und schob nach Vorlage von Michel Eliezer zum 1:1 ein. "Ich hab einfach die Lücke gesehen", erklärte Van Moer später, "und gedacht: Da passt ein Ball durch - und siehe da, der Ball war drin."

Doch das war nur der Anfang eines ersten Durchgangs, der an ein Tischtennismatch erinnerte. In der 31. Minute schlug Fuhlenbrock erneut zu: Carlos Caneira, ebenfalls nach Vorarbeit von Andrade, traf aus kurzer Distanz - 1:2. Wieder dauerte es keine drei Minuten, bis Bonn reagierte. Eliezer, der unermüdliche Linksfuß, drosch den Ball nach einem Zuspiel von Amaury Costinha aus 20 Metern humorlos unter die Latte. 2:2 - und das Stadion tobte.

"Da dachte ich kurz, jetzt kippt das Spiel zugunsten der Bonner", gab Gästecoach Mike Lowrey später zu. "Aber dann kam dieser alte Fuchs Cocis wieder um die Ecke."

Nach der Pause flachte die Partie zunächst etwas ab. Gelbe Karten für Bonns Vincent Ludvigsen (47.) und Fuhlenbrocks Leo Wiltshire (50.) zeigten, dass die Beine schwerer wurden. Dann, in der 67. Minute, wieder Cocis: Diesmal lauerte er nach einem flachen Ball von Dusan Pivaljevic am Strafraumrand und schlenzte das Leder in bester Altmeister-Manier zum 2:3 ins Netz. Bonns Keeper Kamil Radomski blieb nur das Nachsehen - und ein verständnisloses Kopfschütteln.

Trainer Lukas Teuber reagierte sofort, brachte frische Kräfte. Doch die Wechsel - unter anderem Louis Patton für den verletzten Joao Varela (75.) - änderten nichts mehr am Ausgang. Zwar kamen Van Moer (74.) und Catrall (95.) noch zu gefährlichen Abschlüssen, doch Fuhlenbrocks Keeper Garritt Van Antwerp bewahrte mit sicherer Hand und einer Portion Theatralik den Sieg.

Die Statistik sprach am Ende eine klare Sprache: 19 Torschüsse für Fuhlenbrock, 11 für Bonn. Die Gäste wirkten zielstrebiger, die Hausherren ideenreicher, aber weniger präzise. "Wenn du dreimal führst, musst du das Ding einfach nach Hause bringen", sagte Lowrey, während er auf die Anzeigetafel blickte. Teuber hingegen suchte Trost in Ironie: "Wir haben gezeigt, dass wir Tore schießen können - jetzt müssen wir nur noch verhindern, dass der Gegner das auch tut."

Ein kleiner Aufreger noch in der Schlussphase: Ludvigsen, bereits verwarnt, grätschte in der 88. Minute beherzt in den Ball - und knapp am Spieler vorbei. Der Schiedsrichter beließ es bei einer Ermahnung. "Das war alles Ball!", rief Ludvigsen, während sein Gegenspieler am Boden die Grasqualität überprüfte.

Nach dem Schlusspfiff feierten die rund 800 mitgereisten Fuhlenbrocker Fans ihre Helden. Cocis wurde mit Ovationen verabschiedet, Andrade und Caneira klatschten sich lachend ab. Auf der anderen Seite schauten die Bonner Spieler ins Leere - sie hatten alles gegeben, aber am Ende war der alte Maestro aus Fuhlenbrock einfach zu clever.

"Vielleicht sollten wir unsere Abwehr mal auf 35 Jahre hochaltern lassen", witzelte Teuber zum Abschied.

Ein Spiel, das alles bot: Tempo, Tore, Nostalgie - und einen Mann, der zeigte, dass Erfahrung manchmal mehr wert ist als frische Beine. Fuhlenbrock gewinnt 3:2, Bonn trauert, und Cocis? Der dürfte sich heute Abend ein Glas Rotwein gönnen - verdient.

23.06.643997 02:47
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