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Bundesliga | 6. Spieltag | 16.08.26 | Bonner SC - Bad Kleinen 4:0 Schon nach wenigen Sekunden wurde klar, dass der Bonner SC nicht gekommen war, um den Abend mit vorsichtigem Abtasten zu verbringen. Julien Bonnaire prüfte in der ersten Minute erstmals die Aufmerksamkeit der Gästeabwehr. Kurz darauf versuchte sich Callum Marshal, dann Santiago Velazquez. Die Bonner schossen, kombinierten und schoben nach vorn, während Bad Kleinen nach einer Lücke suchte wie ein Tourist nach dem richtigen Bahnsteig. "Wir wollten geduldig bleiben und trotzdem Druck machen", sagte Trainer Kane später. "Das hat ganz gut funktioniert. Vielleicht waren wir manchmal sogar ein bisschen zu geduldig - aber am Ende haben wir ja noch viermal getroffen." Der Satz war vermutlich als Bescheidenheit gedacht, klang angesichts von 19 Bonner Torschüssen allerdings eher wie britischer Humor. Bad Kleinen kam in der 21. Minute zu seinem einzigen Torschuss des gesamten Spiels. Stefan Albrecht setzte damit ein kleines Lebenszeichen, das im Bonner Stadion ungefähr so lange nachhallte wie ein leiser Nieser in einer Bahnhofshalle. Ansonsten bestimmte die Heimmannschaft das Geschehen. 57,1 Prozent Ballbesitz standen am Ende für Bonn zu Buche, Bad Kleinen kam auf 42,9 Prozent. Auch in den Zweikämpfen hatte der Gastgeber die Nase vorn: 58,4 zu 41,6 Prozent. Die Führung fiel in der 38. Minute. Mittelfeldspieler Marshal brachte den Ball in die gefährliche Zone, Innenverteidiger Marco Caneira war zur Stelle und erzielte das 1:0. Ein Abwehrspieler als Torschütze - für Bad Kleinen vermutlich der Moment, in dem man sich fragte, ob man die Aufgabenverteilung vor dem Spiel wirklich gründlich besprochen hatte. "Ich habe vorne den Ball gesehen und gedacht: Warum eigentlich nicht?", soll Caneira nach dem Spiel mit einem Schulterzucken gesagt haben. "Dass er dann reingeht, war natürlich hilfreich." Eine bemerkenswert nüchterne Analyse eines Treffers, der Bonn mit einer verdienten Führung in die Pause brachte. Zur zweiten Halbzeit wechselten beide Mannschaften. Bei Bonn kamen Haluk Zan, Harvey Bosworth und Gabriel Wyler, bei Bad Kleinen musste Torwart Michael Metzger für Daniel Zimmer weichen. Wyler brauchte nicht lange, um sich bemerkbar zu machen. In der 46. Minute erhöhte der 19-jährige Mittelstürmer auf 2:0, vorbereitet von Velazquez. Der Treffer direkt nach Wiederbeginn nahm dem Spiel endgültig die Spannung - sofern diese bei einem Torschussverhältnis von 19:1 überhaupt noch ernsthaft im Raum gestanden hatte. Bonns Taktik wurde nun offensiver und zugleich konterorientierter. Bad Kleinen blieb offensiv ausgerichtet, fand aber kaum Mittel gegen die gut sortierte Gastgeberelf. Auf der Bonner Bank soll Kane seinen Assistenten gefragt haben: "Spielen wir jetzt auf Ergebnis?" Die Antwort, angeblich knapp: "Wir spielen auf vier." Ganz falsch lag der Mann nicht. In der 77. Minute traf Marshal selbst zum 3:0, diesmal nach Vorarbeit von Wyler. Der Mittelfeldspieler belohnte sich damit für einen auffälligen Abend und legte in der Nachspielzeit sogar noch nach. In der 93. Minute erzielte Marshal sein zweites Tor, Tiago Beto lieferte die Vorlage. Danach war Schluss - und bei Bad Kleinen vermutlich auch die Hoffnung auf eine statistische Überraschung. "Zwei Tore und ein Assistgeber beim zweiten Treffer - das nehme ich", sagte Marshal. "Die gelbe Karte in der 94. Minute hätte ich nicht unbedingt gebraucht." Das nennt man wohl vollständige Spielzusammenfassung in einem Satz. Der Bonner SC feierte einen souveränen Heimsieg, Bad Kleinen tritt die Heimreise mit einem 0:4 und einem einzigen Torschuss an. Immerhin: Der Bus dürfte pünktlich losgefahren sein. 16.08.2026 21:20 |
Sprücheklopfer
Wir wissen alle, dass Mario nicht gesagt hat, was er gesagt hat, was er gesagt haben soll, dass er es gesagt hat.
Berti Vogts