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Wenn Fußball ein Spektakel sein soll, dann war der 19. Spieltag in Bonn die pyrotechnische Version davon. 42.524 Zuschauer im Sportpark Nord sahen ein Spiel, das so viele Tore und Wendungen bot, dass man meinen konnte, beide Teams hätten sich vorher auf ein "Wir machen’s heute wild" geeinigt. Am Ende hieß es 7:4 für den Bonner SC gegen Ludwigshafen - ein Ergebnis, das man eher von einem Eishockeyabend erwartet. Dabei fing alles so an, als hätte Ludwigshafen das Drehbuch in der Hand. Schon nach elf Minuten traf Constantin Nowak nach feinem Zuspiel von Callum Bosworth. Sechs Minuten später nickte Innenverteidiger John Beecroft nach einer Ecke zum 2:0 ein - und Bonns Trainer Lukas Teuber soll auf der Bank geflucht haben: "Das war nicht im Plan, absolut nicht." Doch dieser Bonner SC ist selten um eine Antwort verlegen. Nur eine Minute nach dem 0:2 schlug Claude Amyot zu - eiskalt, nach Vorarbeit von Alfred Kovrig. "Ich habe einfach draufgehalten. Wenn du nach zwei Gegentoren nichts riskierst, kannst du gleich nach Hause gehen", grinste der 24-jährige Kanadier später. Und plötzlich ging’s Schlag auf Schlag. Charles Catrall, der bullige Mittelstürmer, wuchtete in der 26. Minute den Ausgleich ins Netz. Eine Minute später legte Esteban Makukula aus der zweiten Reihe nach - 3:2! Noch bevor Ludwigshafen sich sortieren konnte, war Amyot wieder da und machte in der 33. Minute sein zweites Tor. 4:2 zur Pause. Der Bonner Anhang tanzte, während Gäste-Coach Frank Seil mit verschränkten Armen Richtung Boden starrte. Teuber wechselte zur Halbzeit doppelt: Michel Eliezer kam für Kovrig, Antonio Gutierrez ersetzte Amyot. Der frische Wind zahlte sich sofort aus. In der 50. Minute zog Eliezer nach Zuspiel von Cameron Prinsloo ab - 5:2. "Ich wollte mich mit einem Knall zurückmelden", sagte Eliezer nach Abpfiff, "und der war ziemlich laut." Ludwigshafen aber zeigte Moral. Hugo Ronaldo verkürzte in der 54. Minute nach Pass von Joel Fournier, und zehn Minuten später traf Cafer Kahraman sogar zum 5:4. Kurzzeitig roch es nach einer furiosen Aufholjagd, doch Bonn hatte noch zwei Raketen in der Hinterhand. Zuerst war es Detlev Hafner, der in der 72. Minute nach feiner Vorarbeit von Makukula das 6:4 markierte. Dann krönte sich der nimmermüde Prinsloo in der 78. Minute selbst zum Torschützen - ein satter Schuss unter die Latte, nachdem Joao Varela ihm den Ball aufgelegt hatte. Das Stadion bebte. "Da wusste ich, das war’s", lachte Teuber später. "Danach hätten wir auch mit verbundenen Augen weitergespielt." Statistisch war das Spiel so wild, wie es aussah: 17 Bonner Torschüsse standen acht der Gäste gegenüber, der Ballbesitz leicht zugunsten der Hausherren (54 zu 46 Prozent). Bonns Verteidigung? Nun ja, sie war zumindest unterhaltsam. Ludwigshafen blieb offensiv, aggressiv und mutig, aber hinten so offen wie ein Scheunentor. "Wir wollten offensiv auftreten", erklärte Seil trocken. "Das hat funktioniert - zumindest die Hälfte davon." Auch die Kartenstatistik passte zum hitzigen Abend: Vincent Ludvigsen und Cameron Prinsloo sahen Gelb für Bonn, Abbas Bischara für Ludwigshafen. "Ich hab ihn kaum berührt", schimpfte Bischara später und grinste dabei, als wüsste er es selbst besser. Zum Schluss durfte Bonn noch ein bisschen wechseln - Vicente Izquierdo kam für Makukula, und im Gästeteam wurden die jungen Klaus Schilling, Maximilian Geiger und Heinz Schrader eingewechselt, vermutlich um wenigstens etwas Frische in das Chaos zu bringen. Nach dem Abpfiff standen die Bonner Spieler Arm in Arm vor der Kurve, während die Fans "Super-Bonner" sangen (ohne Urheberrechtsprobleme, versteht sich). Trainer Teuber fasste es mit einem Augenzwinkern zusammen: "Wenn wir jedes Spiel so spielen, brauche ich bald Herztabletten - aber die Fans werden’s lieben." Und Ludwigshafen? Deren Coach Seil nahm die Niederlage mit Galgenhumor: "Sieben Gegentore sind ärgerlich. Aber immerhin haben wir vier geschossen. Vielleicht zählt das in einer anderen Sportart doppelt." So bleibt der Abend im Bonner Sportpark einer jener Fußballtage, über die man noch lange reden wird - voller Tore, Emotionen und kleiner Dramen. Ein launiger Beweis, dass Fußball manchmal einfach nur verrückt schön sein kann. 16.01.644000 09:07 |
Sprücheklopfer
Man darf jetzt nicht alles so schlecht reden, wie es war.
Fredi Bobic