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Ein frostiger Januarabend, 29.654 Zuschauer, Flutlicht über Târgu Mureș - und am Ende ein 3:0, das deutlicher war, als es die Ballbesitzstatistik vermuten lässt. CFR Targu-Mures hat am 5. Spieltag der 1. Liga Rumäniens United Ploiesti eindrucksvoll in die Schranken gewiesen und dabei gezeigt, dass man auch mit 44 Prozent Ballbesitz und einem Mann weniger Fußball zelebrieren kann, der die Fans von den Sitzen reißt - oder sie zumindest an den Glühweinkessel treibt. Schon nach neun Minuten hatten die Hausherren den Ton gesetzt. Florentin Muzsnay, an diesem Abend ein Dauerbrenner auf der rechten Seite, vollendete eine butterweiche Flanke von Baysal Mercimek zum 1:0. "Ich hab nur die Augen zugemacht und gehofft, dass der Ball mich trifft", grinste Muzsnay später, "zum Glück hat er mich gefunden." Trainer Gutz Gutz, sonst eher ein Mann der trockenen Worte, hob anerkennend die Augenbraue: "Er hätte den auch daneben köpfen können - aber diesmal nicht." Ploiesti kam kaum ins Rollen, obwohl sie mehr vom Ball hatten. 56 Prozent Ballbesitz, aber vier Torschüsse - das klingt ungefähr so gefährlich wie eine Schneeflocke im Sommer. Robert Böttcher versuchte es in der 11. Minute aus spitzem Winkel, doch CFR-Keeper Rafael Coluna parierte mit der Gelassenheit eines Mannes, der wusste: Heute geht nichts rein. Und während United Ploiesti noch suchte, wo eigentlich der gegnerische Strafraum liegt, legte CFR nach. In der 28. Minute war es wieder Muzsnay, diesmal nach feinem Zuspiel von Adrian Cristea. Eiskalt schob er zum 2:0 ein. Der Jubel? Laut, aber organisiert - als hätte man’s geübt. "Wir wollten früh klarstellen, wer hier das Heimteam ist", erklärte Cristea anschließend. "Das hat ganz gut funktioniert." Die erste Halbzeit lief also wie gemalt für die Gastgeber. Nur kurz nach Wiederanpfiff dann der Dämpfer: Max Boyle, der junge Rechtsaußen, ließ sich zu einem ungeschickten Tritt hinreißen und sah in der 55. Minute glatt Rot. "Er meinte, er wollte nur den Ball treffen", knurrte Trainer Gutz, "aber der Ball war halt drei Meter weiter." Boyle selbst stapfte wortlos in die Kabine - vermutlich um sie später zu tapezieren. Doch anstatt einzubrechen, bekam CFR plötzlich Oberwasser. Vielleicht, weil sie jetzt nichts mehr zu verlieren hatten, vielleicht, weil United noch immer nichts gefunden hatte. Die Defensive stand, und vorne wirbelten Mercimek und der 33-jährige Adriano Godo, als wäre es ein Freundschaftsspiel gegen die Nachbarn. In der 79. Minute fiel die endgültige Entscheidung: Nach einem präzisen Zuspiel von Godo nahm sich Mercimek den Ball, schaute kurz nach links, dann nach rechts - und schlenzte ihn wunderbar ins lange Eck. 3:0. Das Stadion bebte. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Mercimek später lachend zu. "Aber manchmal ist der Fußball eben romantisch." Danach war die Luft raus - bei Ploiesti im negativen, bei Targu-Mures im positiven Sinne. Die Gäste mühten sich, doch mehr als ein harmloser Schuss von Imre Csizmadia in der 87. Minute sprang nicht heraus. Trainer Catalin Goian stand stoisch an der Linie, als wollte er innerlich schon den Bus starten. "Wir hatten viel Ball, aber wenig Idee", seufzte er nach Abpfiff. "Vielleicht sollten wir das nächste Mal einfach mal schießen." Die Statistik tat ihr Übriges: 20:4 Torschüsse für CFR, obwohl sie weniger Ballbesitz hatten. Effektivität, Einsatz, Leidenschaft - und ein Publikum, das sich am Ende in der Kälte warm klatschte. Coach Gutz Gutz fasste den Abend pragmatisch zusammen: "Wir spielen keinen schönen Fußball. Aber wir spielen unseren." Und das mit Erfolg: Drei Tore, drei Punkte, ein Platz im oberen Tabellendrittel. Florentin Muzsnay, der Mann des Spiels, verschwand später mit einem breiten Grinsen und einem Scherz: "Wenn ich weiter so treffe, darf ich vielleicht auch mal den Elfmeter schießen - aber nur, wenn keiner hinschaut." Ploiesti dagegen fuhr heim mit der Erkenntnis, dass Ballbesitz allein keine Punkte bringt - und dass man gegen CFR Targu-Mures besser nicht versucht, mitzuspielen. Am Ende blieb nur der Applaus für eine Mannschaft, die selbst in Unterzahl das Spiel kontrollierte. Und irgendwo auf der Tribüne soll ein älterer Fan gesagt haben: "Wenn sie so weitermachen, brauchen sie bald gar keinen Ballbesitz mehr - sie treffen einfach aus Prinzip." Ein bisschen übertrieben? Vielleicht. Aber an diesem Abend war der Fußball in Târgu Mureș tatsächlich eine ziemlich einfache Sache: Drei Chancen, drei Tore, drei Punkte. So einfach kann’s manchmal sein. 16.03.643987 17:05 |
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