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Manchmal ist Fußball wie ein Montagmorgen: Man startet zu spät, verschüttet den Kaffee und wundert sich am Ende, warum alles schiefgeht. So ähnlich erging es Dinamo Dresden am 6. Spieltag der 1. Liga Deutschland, als sie vor 26.748 Zuschauern im heimischen Stadion eine wilde Achterbahnfahrt gegen den 1. FC Eschborn erlebten - und am Ende mit 2:3 (0:3) den Kürzeren zogen. Dabei fing alles so harmlos an. Kaum hatte Schiedsrichter Hager die Partie um 20:30 Uhr angepfiffen, da rollte der Ball schon gefährlich auf Dresdens Tor zu. In der 7. Minute war es dann soweit: Bernt Geier, Eschborns quirliger Rechtsaußen, traf nach Vorarbeit von Leandro Herrero zum frühen 0:1. "Da war noch nicht mal der Rasen warmgelaufen", knurrte Dinamo-Coach Maikma Nauskas später. "Wir standen da wie beim Mannschaftsfoto - nur dass der Gegner nicht mitlächelte." Eschborn roch Blut. In der 35. Minute legte wieder Geier nach - diesmal nach feinem Zuspiel von Wilhelm Holz, der mit 33 Jahren zwar etwas langsamer wirkt, aber offenbar noch ein Navi im rechten Fuß hat. 0:2, und das Publikum begann zu murren. Die Sachsen wirkten fahrig, während Eschborn mit langen Bällen und einer Prise Aggressivität die Räume nutzte. Kurz vor der Pause dann der nächste Tiefschlag: William Kavanagh, der bullige Mittelstürmer aus Irland, netzte nach erneuter Vorarbeit von Herrero eiskalt ein (44.). 0:3 - und die Halbzeitpfiffe hallten laut durch das Rund. "Da war die Butter vom Brot, der Kaffee verschüttet und der Wecker kaputt", kommentierte ein Dresdner Fan mit Galgenhumor auf der Tribüne. In der Kabine muss es dann laut geworden sein. "Ich habe ihnen gesagt, sie sollen endlich Fußball spielen statt Statistenrollen zu üben", verriet Nauskas. Und siehe da: Nach Wiederanpfiff drehte Dinamo plötzlich auf. Jetzt griffen sie offensiv an, pressten mutiger und wirkten, als hätten sie heimlich die Trikots getauscht. In der 51. Minute war es Hermann Sommer, der nach feiner Vorlage von Christopher Hammer zum 1:3 traf. Das Stadion wurde wach, und plötzlich glaubte man wieder an die Wende. Nur sieben Minuten später kehrte Hammer den Gefallen zurück: Nach Zuspiel von Fernando de Freitas drosch er den Ball zum 2:3 ins Netz (58.). Ein Doppelschlag, der Eschborns Trainer Yas Sin sichtlich nervös machte. "Wir waren zu passiv nach der Pause", gab Sin hinterher zu. "Aber wir haben’s mit Herz verteidigt. Und ein bisschen Glück hilft auch." Dieses Glück hatte vor allem sein Torwart Johann Rupp, der nach der Pause für den jungen Amaury Alvarez gekommen war und gleich mehrfach glänzend parierte - besonders in der 80. Minute, als Patrick Cloutier aus kurzer Distanz den Ausgleich auf dem Fuß hatte. Dresden drückte, Eschborn konterte. Holz und Geier setzten noch gefährliche Nadelstiche, aber der Ball wollte nicht mehr über die Linie. In der 89. Minute donnerte de Freitas noch einmal aufs Tor - vorbei. Dann war Schluss, und die Gäste jubelten, als hätten sie gerade die Champions League gewonnen. "Das war ein Arbeitssieg mit Schweiß, Staub und ein bisschen Wahnsinn", grinste Doppeltorschütze Geier, während sein Trainer Sin ihn mit einer Umarmung fast erdrückte. "Wenn wir so weitermachen, brauche ich bald Baldrian", witzelte Sin. Bei Dinamo hingegen herrschte Frust, aber auch Trotz. "Wir haben in der zweiten Halbzeit gezeigt, was in uns steckt", betonte Hammer kämpferisch. "Beim nächsten Mal lassen wir den Gegner nicht erst drei Tore Vorsprung üben." Statistisch betrachtet war’s sogar ein ausgeglichenes Spiel: Dresden hatte 51,8 Prozent Ballbesitz und 12 Torschüsse (gegen 10 der Gäste). Nur die Chancenverwertung - dieses ewige Sorgenkind - blieb das Problem. So steht am Ende eine bittere, aber lehrreiche Niederlage: Dinamo Dresden verschlief die erste Hälfte, kämpfte sich heroisch zurück, aber Eschborns Effizienz war einfach zu gnadenlos. Und irgendwo in der Dresdner Kabine hängt jetzt wohl ein Zettel an der Wand: "Nächstes Mal bitte ab Minute 1 wach sein." 18.03.643987 00:25 |
Sprücheklopfer
Ein Trainer ist nicht ein Idiot. Ein Trainer sehen was passieren in Platz.
Giovanni Trappatoni