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Wenn man das Spiel des 1. FC Eschborn gegen den SV Beuel in einem Satz zusammenfassen wollte, könnte man sagen: Die einen spielten Fußball, die anderen standen dabei. 41.993 Zuschauer sahen am 11. Spieltag der 1. Liga Deutschland eine Eschborner Mannschaft, die mit chirurgischer Präzision und einem Schuss Spielfreude ihren Gegner 3:0 zerlegte - und das, obwohl die Gäste sogar leicht mehr Ballbesitz hatten. Bereits in der 20. Minute klingelte es erstmals im Kasten von Herbert Dahlstrom. William Kavanagh, der bullige Mittelstürmer mit der Eleganz eines Betonmischers und der Kaltschnäuzigkeit eines Eisschnitzers, nutzte die erste echte Chance und schob eiskalt ein. "Ich hab’ einfach draufgehalten. Wenn du drüber nachdenkst, ist der Moment schon vorbei", grinste Kavanagh später in der Mixed Zone, während er sich von einem Reporter noch ein zweites Mikrofon reichen ließ - sicher ist sicher. Nur zwei Minuten später war es dann Ricardo Matamoros, ein Innenverteidiger, der offenbar vergessen hatte, dass er eigentlich hinten bleiben sollte. Nach einer Ecke von Tunca Önüt stieg er höher als alle anderen und nickte den Ball humorlos zum 2:0 ein. "Ich hab ihm zugerufen: Geh mit nach vorne, was soll schon passieren?", lachte Önüt anschließend. Was passierte, war ein Tor - und Beuel stand kurz davor, kollektiv den Glauben an den Fußball zu verlieren. Trainer Yas Sin ließ seine Elf weiter offensiv marschieren. 16 Torschüsse verzeichnete Eschborn am Ende, während Beuel - nun ja - keinen einzigen zustande brachte. 0. Null. Niente. Selbst der Stadionsprecher soll in der 70. Minute leicht verwirrt gefragt haben: "Hat Beuel eigentlich schon mal aufs Tor geschossen?" Dabei hatte der SV Beuel mit 51 Prozent Ballbesitz nominell mehr vom Spiel. Doch Ballbesitz ohne Ziel ist wie ein Navigationsgerät ohne Karte - man bewegt sich, aber keiner weiß wohin. "Wir wollten das Spiel beruhigen", erklärte Beuels Trainer René Kuhl mit stoischer Miene. "Hat ja auch geklappt, es war sehr ruhig bei uns vorne." Eschborns Abwehrchef Önüt und sein Partner Matamoros ließen hinten nichts anbrennen, während Petar Milosevic im Zentrum die Fäden zog. Links arbeitete sich Tibor Nyilasi durch die Flanken - zumindest bis zur 72. Minute, als er nach einem rustikalen Einsteigen Gelb sah. "Ich hab den Ball gespielt. Also, der Ball war irgendwo da", rechtfertigte er sich später augenzwinkernd. Das endgültige Siegel auf die Partie setzte in der 80. Minute Niklas Steffen. Nach einem schönen Kombinationsspiel über die rechte Seite flankte Bernt Geier punktgenau, und Steffen drosch das Leder wuchtig unter die Latte. 3:0 - und eigentlich hätte der Schiedsrichter da auch gleich abpfeifen können. Die letzten zehn Minuten dienten eher der Eschborner Ersatzbank zur Präsentation: McShane, Yilmaz und Becker durften in der 90. Minute noch kurz Gras unter den Stollen spüren. Nach dem Spiel war die Stimmung in der Kabine entsprechend ausgelassen. "Wir haben heute gezeigt, dass wir nicht nur kämpfen, sondern auch kicken können", sagte Trainer Yas Sin, der trotz des klaren Erfolgs noch Verbesserungspotenzial sah: "Wenn wir von 16 Schüssen nur drei reinmachen, ist das noch Luft nach oben. Aber ich beschwer mich mal nicht." Ganz anders die Laune bei Beuel-Coach Kuhl, der mit verschränkten Armen und leerem Blick in den Presseraum kam. "Eschborn war aggressiver, schneller, effizienter - und ja, sie hatten auch den besseren Rasen", murmelte er. Eschborn dagegen sonnt sich nach diesem 3:0 weiter im oberen Tabellendrittel. Die Fans verabschiedeten ihre Helden mit stehenden Ovationen, während Kavanagh, mit einem Eisbeutel auf dem Knie, noch ein Selfie mit einem kleinen Jungen machte. "Das ist Fußball", sagte er, "mal läuft’s, mal läuft’s nicht - heute lief’s halt dreimal." Und so ging ein Abend zu Ende, an dem Eschborn zeigte, dass auch ohne 60 Prozent Ballbesitz und 500 Querpässe spektakulärer Fußball möglich ist. Beuel hingegen wird sich fragen müssen, ob Ballbesitz ohne Mut mehr ist als eine hübsche Statistik. Fazit: Ein souveräner Sieg, ein überragender Kavanagh, ein Torwart, der sich über Langeweile beschwert - und ein Publikum, das sich wünschte, das Wochenende würde nie enden. 14.05.643987 21:53 |
Sprücheklopfer
Ob Felix Magath auch die Titanic gerettet hätte, weiß ich nicht - auf jeden Fall wären alle überlebenden topfit gewesen!
Jan-Aage Fjörtoft nach dem Klassenerhalt 2000