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Eschborns Holz schnitzt Rohrbach aus - 3:2 im Sommerkrimi

Bundesliga | 8. Spieltag | 12.07.26 | 1. FC Eschborn - SV Rohrbach 3:2

Wenn 49.108 Zuschauer an einem lauen Juliabend in Eschborn das Stadion zum Kochen bringen, dann hat das meistens mit einem gewissen Jacob Holz zu tun. Der Rechtsaußen des 1. FC Eschborn war beim 3:2-Heimsieg gegen den SV Rohrbach der Mann des Abends - zwei Tore, ein Lächeln, und vermutlich ein Muskelkater vom Jubeln.

Dabei fing alles an wie in einem Drehbuch, das der Himmel über dem Taunus selbst geschrieben haben muss: Anpfiff, erste Minute, und Holz zieht einfach mal ab. Die Rohrbacher Abwehr schaut noch, der Ball schlägt schon ein. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", flachste SV-Keeper Heinz Heise später, "aber dann war er halt drin." 1:0 nach 60 Sekunden - der Traumstart für Trainer Yas Sin.

Doch wer den SV Rohrbach kennt, weiß: Aufgeben steht dort nicht auf dem Trainingsplan. Es dauerte bis zur 37. Minute, bis Innenverteidiger Gerhard Noack nach einer Ecke von Tom Berndt den Ball mit der Stirn ins Netz wuchtete. "Ich hab einfach den Kopf hingehalten", grinste Noack, "der Rest war Physik." Ausgleich, und plötzlich hatte Rohrbach Oberwasser.

Kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, drehte Georg Lindner auf. Rechtsaußen Carl Rodriguez flankte butterweich, Lindner nickte aus kurzer Distanz ein - 1:2. Eschborns Fans rieben sich die Augen, Trainer Sin stapfte nervös an der Seitenlinie, während Maik Kuntz auf der Gegenseite schon an den Überraschungscoup glaubte. "Wir hatten sie da, wo wir sie wollten", meinte Kuntz später. "Nur blöd, dass es keine 46-Minuten-Spiele gibt."

Denn dann kam die Eschborner Antwort, und sie kam wuchtig. In der 66. Minute tankte sich Rechtsverteidiger Javier Iniguez über die Seite durch, legte quer, und Olivier Barre drosch den Ball kompromisslos ins kurze Eck. 2:2 - alles wieder offen. Sieben Minuten später wieder dieser Holz: Nach einer butterweichen Flanke des jungen Vitorino Caneira stand er goldrichtig und schob cool zur 3:2-Führung ein. Das Stadion bebte, und man hatte das Gefühl, die Flutlichtmasten würden vor Begeisterung mitwippen.

Von da an wurde es ein wilder Ritt. Eschborn hatte zwar weniger Ballbesitz (47,5 Prozent), aber mehr Herz. Rohrbach rannte an, feuerte insgesamt 14 Torschüsse ab, doch Torwart Catalin Bükössy wurde zum Fels in der Brandung. "Heute hab ich meine Fingernägel geopfert, aber das war’s wert", lachte der Keeper.

Natürlich blieb’s nicht ganz ohne Drama: In der 83. Minute sah Javier Iniguez nach wiederholtem Foulspiel Gelb-Rot - ein klassischer Fall von "einmal zu viel gewollt". Trainer Sin reagierte mit drei Wechseln in der Nachspielzeit, um das Ergebnis über die Linie zu retten. "Ich wollte einfach, dass Jacob Holz seinen Applaus bekommt", erklärte Sin, als er den Doppelpacker vom Platz nahm. Holz selbst winkte in die Menge, als wolle er sagen: "Ich mach das hier nicht jeden Tag - aber vielleicht jeden zweiten."

Rohrbach drückte in der Schlussphase, kam durch Michael Maier und Noack zu mehreren Chancen, doch entweder stand Bükössy im Weg oder die Latte rettete. In der 95. Minute handelte sich Eschborns Abwehrchef Arnau Sa Pint noch Gelb ein - ein taktisches Foul, das in jedem Lehrbuch unter "notwendiges Übel" läuft.

Als der Schlusspfiff ertönte, fiel ein kollektiver Seufzer über das Stadion. Rohrbach-Spieler klatschten enttäuscht in die Hände, während Eschborns Fans "Holz, Holz, Holz!" skandierten. Maik Kuntz fasste es am Mikro trocken zusammen: "Wir haben mehr Ball gehabt, aber die hatten mehr Ballgefühl."

Statistisch gesehen war es ein enges Duell: 10:14 Torschüsse, 49 zu 51 Prozent Zweikampfquote, gelbe Karten zuhauf - und doch der kleine Unterschied in der Effektivität. Eschborn nutzte seine Chancen, Rohrbach seine Nerven.

Und so bleibt als Fazit eines launigen Sommerabends: Der 1. FC Eschborn holt sich drei Punkte, die sie sich hart verdient und charmant erkämpft haben. Jacob Holz darf sich ein Bier gönnen, Trainer Sin ein paar Stunden Schlaf - und SV Rohrbach? Die werden beim nächsten Spiel wohl das Sprichwort beherzigen: Tore schießen ist keine Frage des Ballbesitzes, sondern des richtigen Moments.

Oder, wie Jacob Holz beim Rausgehen meinte, mit einem Augenzwinkern: "Manchmal reicht’s, wenn man einfach zuerst trifft - und dann nochmal."

12.07.2026 21:55
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Andreas Möller
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