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2. Bundesliga | 8. Spieltag | 12.07.26 | Weiler im Allgäu - FC München 2:4 Die Münchner legten los wie die Feuerwehr - oder wie Gäste, die den letzten Zug nach Hause noch erwischen müssen. Schon in der 11. Minute zappelte der Ball erstmals im Netz: Ricardo Semedo, der portugiesische Regisseur im Mittelfeld, zog aus 20 Metern ab, abgefälscht, unhaltbar - 0:1. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Semedo später und hob entschuldigend die Hände. Nur vier Minuten später erhöhte Florian Baumann nach schönem Doppelpass mit Semedo auf 0:2. "Da haben wir kurz vergessen, dass man auch verteidigen darf", knurrte Raiola anschließend. Doch Weiler wäre nicht Weiler, wenn man sich kampflos ergeben würde. Angetrieben von einem lautstarken Publikum und einem unermüdlichen Nick Scherer im Zentrum, kämpfte sich die Heimelf zurück. In der 31. Minute traf Jannick Fritsch, nachdem Scherer ihn mustergültig freigespielt hatte. Kaum hatten die Fans das Bier wieder angesetzt, stand es schon 2:2 - der erst 18-jährige Bernd Maass drosch den Ball nach Vorlage von Nael Aznar in die Maschen. Es war der Moment, in dem man dachte: Das Spiel kippt. "Wir waren kurz im Allgäuer Fußballhimmel", seufzte Fritsch später, "aber der Aufenthalt war leider nur von kurzer Dauer." Denn schon in der 39. Minute zeigte Münchens Nevio Kaiser, warum er als einer der aufregendsten Flügelspieler der Liga gilt. Nach Vorarbeit von Baumann schlenzte er den Ball ins lange Eck - 2:3. "So ein Tor siehst du sonst nur auf der Konsole", scherzte Gästecoach Franz Kuntz, der sich in bester Laune zeigte. Nach der Pause blieb München überlegen, auch wenn Weiler etwas mehr vom Ball hatte - 54 Prozent Ballbesitz klingen gut, doch die Gäste waren schlicht effizienter. Insgesamt 15 Torschüsse verzeichnete der FC München, mehr als genug, um den Sieg zu rechtfertigen. Weiler kam auf 10 Versuche, viele davon jedoch aus der Distanz oder in die Arme des sicher stehenden Custodio im Münchner Tor. Das 4:2 fiel in der 67. Minute: Wieder war es Nevio Kaiser, diesmal nach Vorarbeit des eingewechselten Kian Latham. Ein Schuss, so präzise, dass man fast Mitleid mit Torhüter Schöne haben musste - der kurz darauf verletzt raus musste. "Ich hab nur noch den Schatten des Balls gesehen", meinte er später mit tapferem Lächeln. In der Schlussphase wurde’s dann noch wild: Münchens Innenverteidiger Ernst Balzac holte sich in der 55. Minute Gelb ab, weil er meinte, dass der Schiedsrichter "auch mal was für die Heimstimmung tun könnte". Kurz vor Schluss humpelte Latham mit einer Muskelverletzung vom Platz - immerhin konnte er da schon auf eine Torvorlage zurückblicken. Raiola wechselte dreifach, brachte unter anderem den 17-jährigen Carsten Vetter, der prompt einen Distanzschuss abfeuerte, der nur knapp daneben ging. "Wenn der reingeht, kaufe ich ihm ein Eis", rief Raiola von der Seitenlinie - und man nahm es ihm ab. Trotz aller Bemühungen blieb es beim 2:4. "Wir haben mutig gespielt, aber die Münchner waren abgezockter", bilanzierte Raiola nach dem Abpfiff. Kuntz grinste neben ihm: "Ich hab meiner Mannschaft gesagt, sie soll so spielen, als wäre’s ein Freundschaftsspiel - nur mit Punkten." Am Ende war’s ein verdienter Sieg für die Gäste, die nun in der Tabelle der 2. Bundesliga weiter nach oben klettern. Weiler dagegen muss sich fragen, ob Ballbesitz ohne Effekt nicht doch eine etwas überbewertete Statistik ist. Und der Reporter? Der sah beim Hinausgehen, wie sich ein kleiner Junge im Fritsch-Trikot ein Autogramm von Nevio Kaiser holte. "Heute war er halt besser", sagte der Junge. Manchmal ist Fußball eben ganz einfach. 12.07.2026 21:09 |
Sprücheklopfer
Der Serbe an sich ist leichtsinnig im Umgang mit Chancen.
Lothar Matthäus