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Feuerwerk der Fehler und Genialität: Merseburg und Bonn teilen sich das Chaos

Das Flutlicht brannte, als wollten die Scheinwerfer selbst nicht verpassen, was da am Mittwochabend in Merseburg geschah. 35.575 Zuschauer, ein 3:3, sechs Tore, eine Rote Karte und so viele taktische Wendungen, dass selbst ein Mathematiker ins Schwitzen käme. Der VfB Merseburg und der Bonner SC lieferten sich beim 8. Spieltag der 1. Liga Deutschland ein Duell, das alles hatte - außer Langeweile.

Bonner Trainer Lukas Teuber hatte vor dem Anpfiff noch betont, seine Mannschaft wolle "ruhig bleiben und den Ball laufen lassen". Kaum waren 18 Minuten gespielt, lief allerdings der Ball - und zwar ins Merseburger Tor. Esteban Makukula, der elegante Strippenzieher im Bonner Mittelfeld, zog aus 20 Metern ab, nachdem Claude Amyot von links durchmarschiert war. 0:1. Makukula grinste später: "Ich wollte eigentlich flanken, aber das Tor hat ja nichts dagegen gehabt."

Merseburgs Antwort kam postwendend und war so schnörkellos wie ein Stoßgebet. In der 23. Minute legte Joel Harrington auf, Marko Dudic zog ab, und plötzlich stand es 1:1. "Wir wollten zeigen, dass wir auch Fußball spielen können", meinte Dudic nach der Partie mit einem Augenzwinkern. Dass er später (41.) noch einmal traf, war dann fast schon konsequent - diesmal nach einer schönen Vorlage von Albert Van Cortlandt. 2:1 zur Pause, die Fans sangen, das Bier floss, und Trainer Dieter Bergmann klatschte zufrieden in die Hände.

"Ich hab der Mannschaft gesagt, sie sollen einfach das spielen, was sie können - und den Rest schnell vergessen", erzählte Bergmann in der Pressekonferenz. Seine Spieler folgten dem Rat im zweiten Durchgang fast zu wörtlich. Denn nach dem Seitenwechsel schien Merseburg die Ordnung vergessen zu haben. Bonns Youngster Claude Amyot (52.) nutzte die erste echte Chance nach Wiederanpfiff zum 2:2. Makukula diesmal als Vorbereiter - die beiden verstanden sich an diesem Abend blind.

Das Spiel schaukelte sich nun zu einem wahren Schlagabtausch hoch. Torschüsse flogen (11 für Bonn, 9 für Merseburg), der Ballbesitz pendelte klar zugunsten der Gäste (56 Prozent zu 43), und auf den Rängen schwankte die Stimmung irgendwo zwischen Euphorie und Herzstillstand.

Dann, in der 67. Minute, die nächste Explosion: Merseburgs Harrington, der schon zweimal knapp gescheitert war, drosch den Ball nach Pass von Michele Romano unter die Latte - 3:2! "Ich hab einfach mal draufgehalten. In dem Moment war Denken keine gute Idee", lachte Harrington später.

Doch wer dachte, das war’s, kennt den Bonner SC schlecht. Nur zwei Minuten später (69.) versenkte Charles Catrall nach feiner Hereingabe von Cameron Prinsloo den Ball zum 3:3. Die Bonner Bank jubelte, Teuber sprang wie ein Teenager - und Bergmann trat wütend gegen eine Trinkflasche. "Das war kein Wasser mehr, das war Frust", gestand er nach dem Abpfiff.

In der Schlussphase wurde es wild. Merseburg wechselte den Torwart (Üzülmez raus, McGowan rein) und später sogar noch den 17-jährigen Joaquin Pauleta ein - ein Debütant mit mehr Nervosität als Körpergewicht. "Ich wusste nicht, ob ich weinen oder rennen soll", gestand der Teenager später schüchtern.

Dann die 92. Minute: Egidius Tenbrook, bis dahin unauffällig, sah Rot nach einem rustikalen Einsteigen gegen Hafner. "Vielleicht war das ein bisschen zu viel Leidenschaft", murmelte Bergmann und schob nach: "Aber wenigstens zeigt der Junge Herz."

Als Schiedsrichterin Hildebrandt endlich abpfiff, atmete das ganze Stadion auf. Ein 3:3, das sich anfühlte wie ein 5:5. Beide Teams warfen alles hinein - Bonn mit mehr Ball, Merseburg mit mehr Herz. "Ich nehme den Punkt gern mit, auch wenn ich jetzt zehn Jahre älter bin", sagte Lukas Teuber mit einem gequälten Grinsen.

Statistisch gesehen hätten die Gäste den Sieg verdient: mehr Abschlüsse, mehr Kontrolle, mehr Nervenstärke. Aber Fußball wird nun mal nicht nach Excel-Tabellen entschieden, sondern nach Toren - und davon hatten beide genug.

Zum Schluss blieb das Gefühl, einem Spiel beigewohnt zu haben, das keine Verlierer kannte - nur erschöpfte Helden. Die Zuschauer applaudierten, manche lachten, andere schüttelten den Kopf. Und irgendwo im Kabinentrakt soll Bergmann leise geschmunzelt haben: "Wenn wir schon nicht gewinnen, dann wenigstens so, dass sich keiner beschwert, sein Eintrittsgeld verschwendet zu haben."

Und recht hat er. Manche Spiele vergisst man, dieses wird man noch beim Frühschoppen diskutieren - mit einem Lächeln, einem Kopfschütteln und der Gewissheit: Fußball bleibt das schönste Chaos der Welt.

21.06.643997 15:51
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